Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

vielen Hochhäuser sieht er neue Wohnhäuser in vielen verschiedenen 
Farben und Formen; einige der übrig gebliebenen Hochhäuser sind mit 
Efeu bewachsen, Ergebnisse eines Ökologie-Projektes, wie ihm erklärt 
wird. In der Schalterhalle einer ehemaligen Bank spielen Kinder, wäh- 
rend alte Leute redend und lesend herumsitzen. Dies alles erinnert an 
einen "Lebenszirkus". Ein Traum von damals scheint Wirklichkeit ge- 
worden zu sein. Nach diesen optimistischen Eindrücken will er nun wis- 
sen, wie denn der Alltag der Bewohner genau aussieht. Gibt es noch 
"Arbeit" in traditioneller Form? Wie werden die Bedürfnisse der Alten, 
Frauen, Kinder und Männer befriedigt? Morgen will er anfangen, dies 
herauszukriegen; denn daß hier mehr passiert ist als nur die Kapitali- 
sten abzuschaffen, ist ihm schon in dieser kurzen Zeit klar geworden". 
In einer Gesamtvollversammlung kurz danach wurde der AStA gegen sei- 
nen Widerstand beauftragt, ein richtiges Programm nachzureichen. Die 
Antwort war eine "Sumpfblüte" mit Selbstverständnisbeschreibungen der 
AStA-Leute. Auch hier ist eine Kostprobe aufschlußreich: "Die Sturheit, 
Macht und Omnipotenz des Systems der Herrschenden läßt zu schnell 
den Wunsch aufkommen, eine eigene bessere Organisation, geballte 
Kraft dagegenzustellen. In harten Zeiten selbst Härte zeigen. Hier ver- 
muten wir das Notwendige, Bedingte des Bedürfnisses nach einem Pro- 
gramm. Angst, Unsicherheiten, zumal nicht erkannte, dürfen nicht be- 
nannt werden. Klarheit, die das Sicherheitsbedürfnis aufnimmt, ist ge- 
fordert, zumindest ein Orientierungsrahmen, in dem man sich zurecht- 
findet. (. . .) Ewig zu wiederholen, gegen Berufsverbote etc. zu" sein, 
hat den Charakter äußerlicher Stetigkeit. Terminlich reduzieren wir 
auch nicht Konflikte auf Aktionswochen- Tage, sondern bestärken den 
Schwelbrand. Aus dem (Termin-)Rahmen fallende Ansätze sollen nicht 
kanalisiert, vielmehr forciert werden. Aktionen bedürfen nicht eines 
Programmes und der Aktionstage, eher der Durchführung. Weniger der 
Stringenz, Vor- und Verplanung durch Kader als Phantasie, Spaß und 
Lust am Improvisieren, Aufleben. Die andere Sache ist die Frage nach 
der Möglichkeit, selbst Politik zu machen, sich einzubringen. Sollte 
dieser Wunsch ernst gemeint sein, müßte er sich gegen das Einplanen 
ins Programm wehren, Revolte soll Unordnung schaffen, weil . . . ". 
Derartige Beschreibungen genügten der nächsten Vollversammlung, 
und der Wunsch nach einem Basisgruppen-AStA-Programm verschwand 
endgültig; selbst andere hochschulpolitische Gruppen verzichteten nach 
und nach auf eine allzu starre Programmatik - die Zeit der Kaderpar- 
teien an der Hochschule ist längst vorbei. 
Gegen Ende dieser Periode wurde es dann doch noch einmal turbulent. 
Als Folge der 1. Konventswahlen wollten die gewerkschaftlichen Grup- 
pen dem ungeliebten Präsidenten Ernst von Weizsäcker einen -Vizeprä- 
sidenten zur Seite stellen. Sie benannten Herbert Schäfer als Kandidaten, 
der von allen studentischen Gruppen mit Ausnahme der Basisgruppen 
auch gewählt wurde; seine Wahl scheiterte jedoch mit 42 Stimmen. Ei-
	        

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