Volltext: Kreis Hofgeismar : Teil 1. Schloß Wilhelmstal (7)

 
 
BESTAND 
 
 
Tafel 64 
Tafel 94 
Sitzmöbel der Jerömezeit nach Wabern abgegeben waren} Wohin die Sitzmöbel des alten Bestandes ge: 
kommen sind, ist nicht mit Zuverlässigkeit zu ermitteln gewesen? 
Großer Kronleuchter (D. 1,3 m), zweistöckig, oben acht und unten sechzehn Arme aus geschliffenem 
Glas, wie im großen Speisesaal. Um 1800. Wahrscheinlich unter Jeröme eingebracht. . 
Fünf Paar Wandarme in Goldbronze, zwei Paar dreiarmige  0,54 m) und drei Paar zweiarmige 
(H. 0,46 m). Rokoko. Wandkartuschen in Muschellaubformen mit naturalistisch bewegten, belaubten 
Stengeln und Blütentüllen. Wahrscheinlich Arbeit des Gelbgießermeisters Falkeisen nach dem Entwurf 
Nahls. Alter Bestand (s. ob.). 
Vier Deckelvasen in Fayence (H. mit Deckel 0,725 m, H. ohne Deckel 0,615 m). Sechskantig, schmal: 
bauchig mit Hals. Der Deckel geschweift mit Knopf. Blumen und Pfauen in bunten Glasurfarben auf 
weißem Grunde. Am Halse Mäander. Oberstes Viertel des Bauches und Deckel mit Rankenmalerei Grün 
auf Rotbraun und ausgesparten Kranichdarstellungen. 
Marke: -. Fabrikat der Hanauer Fayencefabrik. Um 1750. Nach dem Vorbilde von frühen Meißener 
Japanimitationen entstanden, von denen ein Exemplar im Speisesaal (s. daselbst) aufgestellt ist. Zwei 
Porzellanvasen von gleicher Form und mit gleicher Bemalung im Landesmuseum - dem Ornament nach 
zu urteilen - Nachbildungen dieser Hanauer Stücke. Die Zuverlässigkeit ihrer Bezeichnung mit den 
Meißener Schwertern daher anzuzweifeln. Die vier Vasen des Musensaales zu den acht wGroß Hanau: 
ischen Porcellainen Vasen mit Chinesischen FigurenK gehörig, von denen je vier Stück in den wweiß mar: 
moriertenrs Ecknischen der Chinesischen Häuser (s. S. 25 ff.) gestanden haben. Da Landgraf Wilhelm VIII. 
einem Boten des Herrn von Alpheng im Januar 1752, z. Zt. der Einrichung der Chinesischen Häuser, für 
die Überbringung von Porzellanen 20 Rthlr. überreichen lassen hat, so kann wohl damit gerechnet werden, 
daß dieses ansehnliche Geldgeschenk die Belohnung für die gelieferten Vasen gewesen ift. Die Vasen mit 
den anderen Einrichtungsgegenständen der Häuser wurden im August 1801 an die Hofkämmerei in Cassel 
abgegeben, ivon wo später vier Stück dem Landesmuseum überwiesen worden und vier Stück im Schloß 
Wilhelmstal zur Aufstellung gekommen sindß ' 
Porzellan: D i e Apf elpfl ü c ker (H. 0,27 m). Naturalistisch dargestellter Apfelbaum mit angelehnter 
Leiter. Hochoben Knabe in gelber Kniehose, rotem Jackett und schwarzem Hut, die gepflückten Früchte herab: 
werfend; unten damenhaft in goldgemustertes Rosa gekleidetes Mädchen mit aufgehaltener Schürze und 
ein jugendlicher Kavalier in rosarotem, dunkelrot und weiß gemustertem Rock und gelber Kniehose, welcher 
knieend die herabgefallenen Früchte aufsammelt. Naturalistisch behandelter Sockel, mit Laub und Früchten 
belegt. Die Figuren puppenhaft im Ausdruck und wenig eindringlich modelliert, aber graziös in ihren 
Bewegungen. Kraftvolle, reine Farben in prächtig fließenden Glasuren. Das Laub des Baumes bestoßen. 
Marke: Fabrikat der Porzellanmanufaktur in Fulda (1765-1780). 
L i e b e s g r u p p e m i t H a r l e q u i n (H. 0,25 m), Gegenstück zur vorigen. Kinderpärchen in 
Gesellschaftskleidung. Er in blau und weiß gemusterter grüner Kniehose, weißer Weste und orangerotem 
lDas Mobiliar umfaßte zwei viersitzige und zwei zweisitzige Kanapees, sechzehn Rücklehnstühle und zwei Ofenschirme, die 
Gestelle weiß mit vergoldeter Bildhauerarbeit und kannelierten Füßen, der Bezug von hellblauer Satinade mit gelb und 
blauer Bordüre und mit seidener Schnur und dergleichen Kordons besetzt, und zwei Armstühle in ähnlicher Ausstattung. Ein 
Piano von Mahagoniholz, die Füße mit vergoldeter Bronze, wurde zum Fürstenhause und ein mit zahlreichen Spielen aus: 
gestatteter Spieltisch mit zwei Aufsätzen und Verzierungen von vergoldeter Bronze nach wCasselß abgegeben. Außerdem waren 
noch zwei halbrunde Spieltische vorhanden, von denen einer nach Wilhelmshöhe überführt ist (s. Inventar von 1814). 
2 Da 1788 zwei große Kanapees erwähnt werden, vworan das Holzwerk wie die Boiserie des Saals, Rück, Sitze und Backen" mit 
Linnen gepolstertß, ist es nicht unmöglich, daß die heute im Vorsaal stehende Garnitur ursprünglich in den Saal gehörte. 
3 Siehe S. 15. 
4 Diese Feststellungen bestätigen eine Vermutung über die Zugehörigkeit der vier Fayencevasen zur Hanauer Fabrik, zu welcher 
Herr Geheimrat Dr. Boehlau in gemeinsamer Arbeit mit Herrn G. H. Lockner, Würzburg, bereits auf Grund der Material: 
beschaffenheit gekommen war.
	        

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