Full text: Kreis Hofgeismar : Teil 1. Schloß Wilhelmstal (7)

E r s t_e s Vo r z i m m e r d e s L a n d g r a fe n (wDes Herrn Landgrafen erstes Vorgemachßr [l788], 
Tafcl 31 ßVorzimmer nach dem Hoffs [Bauzeichnung von 1753], Schönheitsgalerie. L. 7,18 m, Br. 5,47 m, H. 4,75 m). 
Tafel 51 
Alter Bestand: 
wEine hellblaue Boiserie mit goldenen Stäbgen und Kleinen Auszierungen von geschnitzten Blumen; die Thüren und Es: 
palietten aber mit Bildhauer Arbeit und zier vergoldet. 
Vierzehn Stück Adeliche und Bürgerliche Portraits in glanz und mat vergoldeten zierlich geschnitzten Rahmen. 
Fünf Stück Superporten. 
Ein grosser und ein kleiner Trumeau mit vergoldeten und geschnitzten Rahmen, neben jedem 
Zwey Bras mithin Vier Stück ä 2 Dillen. 
Eine vergoldete Console mit einer weiss Marmorn Platte. 
Ein grosser braun vernisirter Tisch. 
Ein braun vernisirter Spey Kasten. 
Vier mit Leinen bezogene VorsatvLaden. 
Acht Rücklehnstühle, von hellblau angestrichenen HolzNVerck mit vergoldeten Stäbgen und Laubwerck nebst Rück: und 
SitzzKüßen, mit hellblau Damast überzogen, worüber Acht Stück blau klein gestrieft Linnen Houssen. 
Zwey bleumourant taftene Aufziehdienster Vorhänge mit dergl. colorirte Linnen doublüre und sonstigen Zugehör. 
Ein weiss marmorn Camin darinnen Zwey Brandreiter von Eisen mit messing vergoldeten Zierraten; eine Schüpfe, Eine 
Zange, Eine Kluft mit messingen vergoldeten Knöpfen. Ein KamimBeesen. 
Zwei Fenster mit Sitztruhen in den Nischen zum Hof und fünf Flügeltüren. Zwei von diesen in den 
westlichen Ecken der Nord: und Südwände, Durchgangsachse vom Vorsaal zum ßLakayenstübchenK der 
nördlichen Nebentreppe und zwei blinde Türen, Parallelachse zur vorigen, halb zu öffnen als Zugang 
zum Nebenraum des Schlafzimmers und zur Heizkammer eines Saalofens. Eine Tür in der Mitte der 
Ostwand zum zweiten Vorzimmer des Landgrafen. Die Flächen zwischen den Achsen mit Boiserie, schlicht, 
in Rahmen und Füllungen, mit Sockelteilung, flachen lisenenartigen Vorkröpfungen und sparsamem Or: 
nament. Die Türen mit tiefunterschnittenen hochprofiligen Bekleidungen und dreifülligen Flügeln wie 
im großen Speisesaal. Das Ornament der obersten Füllung kartuschenartig mit freihängenden zierlichen 
Girlanden und mit ohrenartigem Ansatzstück in einer SsLinie frei nach oben endigend. Gemalte Supraporten 
mit den Darstellungen der Künste und Wissenschaften, deren Rahmen in Form von schmalen, langgezogenen 
und profilierten Muschelstreifen sich in geschmeidigen Linien auf die Türbekleidung nach unten aufstützen 
und mit ohrenartigen Ecklösungen und Rollwerk in der Mitte nach oben ausklingen. 
Die Malereien (H. 0,8 m, Br. 1,52 m) von Johann Heinrich Tischbein d. Ä.,1 eine besonders glücks 
liche und dekorativ reizvolle Leistung, Puttenspiele in den leichten dezenten Farben des Rokoko vor grau 
abgetöntem Wolkenhimmel. Von Norden nach Osten herumgehend sind dargestellt: 
1. D i e B a u k u n s t. Drei Flügelputten auf Wolken kniend, zwei mit Zirkel und Zeichnung beschäftigt, 
die dritte in wehendem rosa Mantel mit Senkblei. Im Hintergrunde rechts Säulenarchitektur. 
2. D i e G e o m e t r i e. Vier Putten auf einer Wolke lagernd, eine in himmelblauem Mantel mit Zirkel 
und Globus, eine in orangerotem Mantel, das Modell einer Pyramide in der Hand nach links, die beiden 
anderen mit Fernrohr und Schreibtafel nach rechts gelagert. 
3. Die Malerei. Drei Putten auf Wolke wie vor, bei einer Porträtsitzung. Ein Knabe mit Pinsel 
und Palette vor ovaler Leinwand kniend, eine auf Kissen gestützte und mit Blumen geschmückte Gespielin 
in rosa Mantel porträtierend, die dritte im Hintergrunde. 
4. Die Dichtkunst. Vier Putten auf Wolke wie vor. Die eine in rotem Mantel mit Harfe, 
bekränzt von einer zweiten, die von links heranschwebt. Im Hintergrunde ein mit Lorbeer bekränzter Bub in 
grünem Mantel eifrig an einem Manuskript arbeitend, das von einem Gespielen staunend betrachtet wird. 
5. Die Musik. Drei Putten wie vor, die Gewänder auf gelb, grün und rot gestimmt. Mädchen 
singend, begleitet von zwei Buben mit Gitarre und Flöte. 
Zwischen den beiden Türen der Nordwand Marmorkamin (H. 1,25 m, Br. 1,98 m), weißer Carrara, 
mit übereck vorgekröpften, oben spiraliguaufgerollten und mit Muscheln belegten Pilastern, über welchen 
1 Die Zuschreibung stützt sich auf Engelschall, Johann Heinrich Tischbein als Mensch und Künstler (1797). Auch aus stilistischen 
Gründen kann die Zuschreibung unbedenklich erfolgen. Fünf Supraporten für den Musensaal sind ihm 1760 bezahlt worden 
(s. Anh. Rechnungsbel.) 
50 

	        

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