Full text: Kreis Hofgeismar : Teil 1. Schloß Wilhelmstal (7)

 
 
GESCHICHTE 
 
 
nicht getroffen zu sein. In der Korrespondenz Wilhelm VIII. jedenfalls wird sein Name nicht mehr genannt. 
Dagegen scheint der Bildhauer Jacob Cressantl an seine Stelle getreten zu sein, der im Oktober 1747 von 
den bei ihm bestellten zwölf Kinderfiguren bereits vier Stück geliefert hat, die er mit 503 fl. in Rechnung 
stellt? In einem an den Kammerrat Plumque gerichteten Schreiben vom 6. Oktober 1747 führt er aus, daß 
die eine der beiden zuletzt gelieferten Figuren den Ursprung der Liebe und die andere die Stärke der 
Liebe zu Wasser und zu Lande symbolisieren soll? Indessen ist dieser Mann neigentlich der bilthauer und 
former der figuren, aber nicht der gießer, sondern der gießer wohnt in Harlem . . JK. Als Cressant diesen 
Gießer für eine vertragswidrige Verzögerung der Lieferung unberechtigterweise verantwortlich zu machen 
versucht, hat Plumque ihm das wverwiesen und recommendiret mehr fleiß an dehnen übrigen 8 stücken 
anzuwenden, welches derselbe versprochen dergestalt, daß sie diesen Winter sämtlich verfertigt und gegen 
dem frühjahr geliffert werden sollen . . ß. Er hat wgedachten Cressant auch aufgegäben vier Modelle zu 
dehnen vier piedestaux auf der oberen partey der Grotte an dehnen treppen zu verfertigen, nicht weniger 
zu dehnen acht piedestaux unten an dehnen treppen zu beyden seitens, wovon dem Prinzen wdie desseins 
zur decision zukommen sollentsß Es kann wohl damit gerechnet werden, daß der Bildhauer sein Versprechen 
dieses Mal gehalten hat, denn zur Zeit des zweiten Pro Memoria wird nur auf die noch fehlenden Gruppen 
verwiesen. Diese aber sind das Werk des Willem Rottermondt, der oben bereits genannt ist. Der Umfang 
seiner Lieferungen geht aus den erhaltenen Rechnungen unzweideutig hervor? Der Meister war herangezogen 
worden auf die dringende Fürsprache des Kommissionärs Du Val aus dem Haag, der auch mehrfach im 
Auftrage des Landgrafen mit ihm verhandelt. Als sich aber der Kammerrat Plumque im Oktober 1747 
in Amsterdam und im Haag aufhält, um gemeinsam mit dem Hofmaler Freese Gemälde zu kaufen und 
die Lieferungen für die Grotte zu beschleunigen, sieht er sich genötigt, seinem Herrn zu berichten, daß 
es mit Rottermondt im Haag nwol dificille zu gehen wirdt, weil derselbe weder bilthauer noch Modelleur 
sondern nuhr gießer istxc wWas derselbe nicht in Modelle bereits hat, solches kan er nicht machenxs In 
diesem Zusammenhange ist es von Interesse, wenn Rottermondt in einer Aufstellung von 1751 Dinge in 
Rechnung stellt wie: wEen gebotseert hooft verbelende Homerus Synde origineel door Michiel Angelo 
Selfs gebotseertßr oder wNog Een Beeltje van Was geboetseert door de ridder van der Werffß. Dennoch 
hat der Meister außer einigen Vasen und Materialien für die Grotte sechs Kinderfiguren geliefert, die vier 
Jahreszeiten sowie ßLe Docteur en charamoesss, ferner die Venus, den Merkur, wtwee Swaanen met cupidooscs 
und, beginnend mit dem 18. Juli 1748, acht Kindergruppen, von denen vier Stück zweifigurig und 
vier Stück dreifigurig waren und von denen eine zweifigurige als das vFeuerK und je eine dreifigurige 
als die nErdeK und das wWasserK bezeichnet werden. Als Material ist eine Bleilegierung (Composition 
oder Hartstoff) angegeben, die mit Antimongold vergoldet oder auch unvergoldet geliefert und erst in 
Wilhelmstal mit dem Goldüberzug versehen wurde? Die Lieferungen Rottermondts haben sich hingezogen 
1 Jacob Cressant (Cresant, Cressent), Bildhauer in Utrecht, wo er 1735 bereits Mitglied der Gilde ist, später in Amsterdam. In den 
fünfziger Jahren ist er mit seinem Sohne Jacob Matthieu in Paris, wird hier zum Mitglied der Akademie ernannt. Entgegen der Mit: 
teilung von Thiemeßecker (Künstlerlex.) muß er bereits vor dieser Zeit in Amsterdam gelebt haben, wo ihn der Kammerrat Plumque 
im Oktober 1747 in seiner Werkstatt aufsucht. Zu seinen Hauptarbeiten gehören die mit Jan van der Mast gemeinsam über: 
nommenen bildhauerischen Arbeiten im Lusthaus Zydebalen bei Utrecht und eine Anzahl von trefflichen Professorenbüsten in 
der Universität zu Utrecht. (ThiemvBecker, Künstlerlex.) Im Landesmuseum in Cassel befindet sich das in Ton gebrannte Modell 
einer Caritas (H. 0,33 m, bez. JACOBS CRESSANT F.) und das Modell einer Hygieia (H. 0,39 m). 
2 S. Anh. Rechnungsbelege. 
s In dem Schreiben heißt es weiter: wJose esperer de Monsieur qu'il me fera 1a grace de me garder une petite place dans Sa 
memoire et que s'il jugeoit apropos de faire, resouvenir le prince pour une asignation du contenu je lui serai sensiblement 
oblige car je nai pas encore fait grand fortune dans ce monde . . ß wSi Monsieur scavoit que Son Altesse eusse besoin de 
quelque belle cheminee tous de marbre avec barliet ou miroir au milieu soit de marbre blanc ou le barliet de marbre blanc 
etle reste de couleur je lui prie de sen resouvenir car jen fais ici continuellement, et de plus magnifique, et de tous ce qui est necessaire pour 
orner des apartements ou quelqu'autre figure de marbre cela nenpechera pas de livrer le reste dans son tempß Mbg. Staatsarch. QW S. 79. 
4 In einem Bericht v. 24. 8. 47 (Mbg. Staatsarch. OÄV. S. 79) heißt es: wVon Cressant erwarte heute oder morgen einige dessins 
der ermangelnden Figuren auf der Grotte, welche Ew. Hochfürstl. Durchl. zu seiner Zeit unterthst. übersenden werdeß 
5 Die Annahme v. Drachs, daß die Figuren poliert wurden, muß bezweifelt werden. Jedenfalls sind die Worte: ßwvoort Balerensc 
(v. Drach a. a. O., S. 108), die er glaubt übersetzen zu können: afiir das Polierenß, gleichbedeutend mit den Worten: wDe Balleringv- 
und zu übersetzen: für die Verpackung (Ballage). 
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