Full text: Kreis Hofgeismar : Teil 1. Schloß Wilhelmstal (7)

GESCHICHTE 
 
 
Tafel 1 
zum "Bau eines Teiches oberhalb des anderen Teiches, einer Mühle, einer Scheuer und eines Stallanbaues 
an die Kemenate". Ob die Gebäude wirklich errichtet sind und wo sie gestanden haben, ist nicht bekannt. 
Deutlich erkennbar ist noch heute die Lage der Teiche am Zusammenfluß der beiden Gewässer in den 
sogenannten Mühlenwiesen. Zugehörige Gebäude sind schon im Jahre 1723 bei der Aufnahme des Gelände- 
planes nicht mehr vorhanden gewesen. 
Nachdem der Hof noch kurze Zeit im Eigentum des Süsterhauses zum Mergenhof von Immenhausen ge- 
standen hatte, das ihn, wie Brunner ausführt, mit dem von seinem Beichtvater, dem Pater Barthold Olshausen, 
ererbten Gelde bar bezahlte, muß er in den Besitz der Familie von Schachten zurückgelangt sein. Diese hat ihn 
nunmehr dem Landgräflichen Kammerschreiber Christoph Scherer pachtweise überlassen. 1539 jedoch, bevor 
noch die Pachtjahre abgelaufen waren, ist es dem Feldhauptmann Wilhelm von Schachten gelungen, den 
Hof durch Vermittelung des ihm zu Dank verpflichteten Landgrafen Philipp endgültig in seinen Besitz zurück- 
zubringen.1 Auch in den Jahren 1545, 1550 und 1613-20 werden die Herren von Schachten als Eigentümer 
genannt.² Bis zum Jahre 1643 hat sich die Familie den Besitz zu wahren gewußt, ihn in diesem Jahre aber 
zugleich mit dem benachbartem Gute Frankenhausen an die Landgräfin Amalie Elisabeth für den Preis von 
14400 Reichstaler verkauft.³ 
 
AMELIENTAL 
Es ist anzunehmen, daß die tatkräftige Landgräfin den Hof an sich gebracht hat, um ihn zu einem Sommer- 
sitze auszubauen. Da sie jedoch bereits am 8. August 1651 verstarb, muß es fraglich scheinen, ob sie Zeit ge- 
funden hat, ihre Bauabsichten in vollem Umfange zu verwirklichen. Ihre Nachfolger scheinen jedenfalls wenig 
Zeit und Mittel auf die Besitzung verwandt zu haben. Wohl kann es als belegt gelten, daß im Jahre 1663 bauliche 
Veränderungen an den Gebäuden vorgenommen wurden, weil in diesem Jahre Baumaterialien von größerem 
Umfange von den Ruinen des verwüsteten Klosters Hasungen nach "Amalien-Thal" überführt sind.4 Auch 
soll im Jahre 1674 ein neuer Scheunenbau zur Ausführung kommen, zu welchem "über 120 Holtzfuhren 
vom Rheinhardtswaldte"5 verrichtet werden müssen. Leider aber geben die "Amönethalschen Bauakten" im 
einzelnen wenig Aufschluß. Wir hören sprechen von einer "Scheuer vor dem Hof, welche auch sonsten zur 
Schafscheuer gebraucht wird." und erfahren, daß die "Brücke über den Hausgraben" 1673 mit neuen Bohlen 
belegt wird, weil sie so baufällig ist, daß "man von dem vorderen Hoff nicht auf den hinteren Hoff mit einem 
Wagen kommen kann", und hören, daß auch andere "außerhalbige Brücken" der Reparatur bedürfen. Zu- 
gleich werden für die "Erker des Fürstlichen Hauses" über 3000 Schindeln benötigt, und an der "Mühle" 
werden Reparaturen beabsichtigt. Endlich erfahren wir 1691, daß der "große und der kleine Lustgarten" 
mit Pfaden und Gängen durchzogen sowie von einer großen "Aloen- und anderen in der Schere gehaltenen 
Hecken" umgeben waren. Den Namen des Hofes hatte man nach dem der neuen Besitzerin und in An- 
betracht des hügeligen Geländes der Umgebung in "Amaliental" umgewandelt, woraus, wie Brunner wohl 
mit Recht ausführt, in Anlehnung an das lateinische "amoenus" der Name Amönethal entstanden ist. Jeden: 
falls ist der Name Amalienthal bereits 1663 nachweisbar, während die Bezeichnung Amönethal erst kurz 
 
1 Der Landgraf hat es übernommen, den Kammerschreiber für das vorzeitige Abtreten des Gutes angemessen zu entschädigen 
(Staatsarchiv Marburg, Generalrepertorium, und Brunner a. a. O., S. IV). 
2 Urkunden im Marburger Staatsarchiv, Ortsrepositur Wlilhelmstal. Vergl. auch Eckhardt, Schloß Wilhelmstal, Inauguraldissertation 
der Marburger Universität, S. 4. 
3 Rommel, Hessische Geschichte, Bd. 8, S. 642. Martin, Topographisch Statistische Nachrichten von Niederhessen, Bd. 2, S. 136. 
Brunner a. a. O., S. lV. . 
4 Schlereth, Das Kloster Hasungen (Zeitschrift für Hessische Geschichte, Bd. 3, S. 158). Die Bauten sind indessen keinesfalls noch 
durch Amalie Elisabeth ausgeführt worden, wie es nach Brunners (a. a. O., S. V) Ausführungen den Anschein erwecken könnte, 
da diese bereits 12 Jahre vorher gestorben war. 
5 Marburger Staatsarchiv, M. St. S. 3700. Berichte des Verwalters George Köhr in Amönethal vom 5. 10. 1671 und 8. 1. 1674, 
sowie des Baumeisters Weßels Relation vom 16. 11. 1671 und sonstige. Vergl. auch Brunner a. a. O., S. V. 
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