Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

Qvi sint ruricolis gestus: qvae gratia villis: 
Qvid volupe in sylvis: qvod decus insit agris: 
Hoc docet Othonium spectare, audire, tenere 
In vitae speculo conspicienda suo. 
Ut discat qvi vult alienos carpere mores 
Evita alterius vivere rite suam. 
Tafel 26,1 
Tafel 8 
Tafel 9 u. 65,2 
Abbildungen des Aufbaues-fehlen, sieht man von einer ganz unzuverlässigen Darstellung auf einer Stadt- 
ansicht des Jahres 1688 1 ab, die das Haus als rechteckigen mit Satteldach abgedeckten Baukörper ohne Schnörkel- 
giebel und mit sechs Fensterachsen auf der Längsseite und drei Fensterachsen auf der Schmalseite wiedergibt. 
Vom Grundriß bringt Merian} offenbar in Ermangelung genauerer Kenntnis des Bauesf" nur einen linearen 
Umriß, ein Rechteck, das jedoch an der Schmalseite nach dem Walle zu nicht geradlinig, sondern halbkreis- 
förmig abgeschlossen ist. Um so klarer erscheint 1673 der Grundriß auf Wessels Stadtplan} Der glaubwürdige 
Karthograph zeichnet das Ottoneum als einen einzigen aus dem Rechteck geformten Raum, dessen Längsseiten 
divergieren und dessen größere Schmalseite den Schwung eines Segmentbogens aufweist. Dieser Rundung 
folgen vier amphitheatralisch ansteigende, an jedem Ende durch vier Stufen verbundene Podien, die Ränge für 
die Zuschauer. Der zwischen diesem erhöhten Teile und der kürzeren Schmalfront gelegene Raum, etwa zwei 
Drittel der ganzen Fläche, im dem sich die Eintragung „Comedien-Hauß" findet, zeigt keine Grundrißaufteilung. 
Man wird hier außer den ebenerdig gelegenen Zuschauerplätzen die Bühne anzunehmen haben, die möglicher- 
weise zu Wessels Zeit infolge der anderweitigen Ausnutzung des Gebäudes während des dreißigjährigen Krieges 
schon verschwunden war. Wenn der Zuschauerraum, wie oben vermerkt, wirklich tausend Personen faßte, 
wird die Bühne nicht sehr groß gewesen sein können. Daß die nach der Bühne zu verlaufende Verjüngung 
des Grundrisses in der Absicht angeordnet war, perspektivische Wirkungen zu erzielen, ist denkbar, wenngleich 
die Annahme näher zu liegen scheint, daß man diese Lösung wählte, um den Zuschauern eine möglichst 
günstige Blickrichtung zu sichern. lm Äußern reicher architektonisch ausgebildet können nur die südliche 
Längsseite und die östliche Schmalseite gewesen sein, welche Fronten beide an der Rennbahn lagen. Die 
südliche Längsseite besitzt auf Wessels Plan sechs Fenster und eine mittlere Tür, die sich durch Pilastervorlagen 
als Hauptportal kennzeichnet. Ein am Westende dieser Front gelegener Nebeneingang, der auf den obersten 
Rang führt, ist durch eine völlig frei liegende aber durch ein Podest mit dem Hause verbundene ziemlich hohe 
Außentreppe zugänglich. Die östliche Schmalfront, hinter der die Bühne anzunehmen ist, zeigt vier Fenster 
und eine Mitteltür mit kleinem Außenpodest, dessen geringe Höhe sich aus den beiderseits angeordneten vier 
Stufen ergibt. Ob diese Tür unmittelbar auf die Bühne führte oder aber zu einer der beiden oben genannten 
Lauchen, in der man vielleicht die Hofloge zu erblicken hätte, ist nicht ersichtlich. Nur wenig im Äußern 
ausgebildet kann die geschwungene Westseite des Hauses gewesen sein, die bei Wessel ganz geschlossen 
erscheint und mit ihrem Unterteil völlig vom anstoßenden Festungswall verdeckt wurde. Jeglicher Architektur 
entbehrte die gleichfalls ganz geschlossene Nordwand, die im Zuge der mittelalterlichen Stadtmauer lag und 
die Grundstücke der Häuser am Steinweg auf der Hinterseite begrenzte? Für die Wirkung des Bauwerkes 
l Stadtansicht v. Erich 1638. 
" Stadtplan 1646. 
3 Duncker, Komödianten S. 268: „Dies hängt damit zusammen, daß der Stich (der Stadtansicht) nach einer Zeichnung ausgeführt 
ist, die Wilhelm Dilich im Auftrage des Landgrafen Moritz mit anderen auf Hessen bezüglichen Ansichten und Plänen schon um 1605 
anfertigte, als das Ottonium eben abgesteckt und im Bau begriffen war. Wir wissen dies aus der um 1657 geschriebenen Vorrede der 
,Gründlichen Beschreibung der Fürstenthümer Hessen und Hersfeld' des Johann Just Winkelmann. Er sagt ausdrücklich, daß die Städte- 
bilder Dilich's ,von Matthäus Merian umgekehrt und ins Grose gebracht in Kunst artigen Kupferstücken der Topographia Hassiae ein- 
verleibet' seien." - 
4 Stadtplan v. Wessel 1673. 
5 Lyriker, Hoftheater, der die Erbauungszeit des Ottoneums ums Jahr 1608 setzt, gibt folgende Beschreibung des Baues: „Das 
Ottoneum hatte eine länglich runde Form, ein hochgewölbtes, doch nicht von Säulen getragenes Dach und stand ganz frei. Diesem 
monumentalen Charakter entsprechend wurde auf das Äußere eine besondere Sorgfalt verwendet. Der architektonische Ausputz war außer-. 
ß 
ß 
 
ß 
ß 
ß 
 
 
äääägä 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.