Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

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Tafel 9 u. 19,1 
gebiet, das die Marktsiedelung zur Altstadt vergrößerte, hebt sich die Hofanlage als Fremdkörper heraus. Ihre 
landeinwärts gerichtete Seite, die von der Ahna begleitet wird, bildet die Grenze der zum Ahnaberger Kloster- 
gebiet gehörenden Bürgerhäuser und damit die Grenze der Bürgerhäuser der Altstadt überhaupt. Ganz 
unzweideutig findet sich diese Grenze, ein äußerst störender Winkel, noch ausgangs des 17. Jahrhunderts im 
Stadtplan 1 als rote Linie eingetragen. Die Anlage ist die größte aller Casseler Höfe. Ihrer Lage nach stellt 
sie das Gegenstück des Königshofes dar. Wie der Königshof von der einen Seite so schließt sie von der 
anderen Seite den alten Dorfbezirk am Ufer des Flusses ab. Diese Hofanlage, für die sonst jede Erklärung 
fehlt, 318 Fronhof des Grundherrn 2 anzusprechen, ist kein gewagtes Unternehmen. Hier wird man den ältesten 
Sitz des Schultheißen und Rentmeisters, den Platz des Gerichtes oder Amtes zu suchen haben. Hier auch lag 
jenes Amtshaus, in dem noch im 19. Jahrhundert das Landgericht der Casseler Ämter seine Sitzungen hielt. 
Ein wechselreiches Geschick hat den Hof durch die Jahrhunderte begleitet. Indessen zu keiner Zeit 
hat die Anlage, die ihre höfischen und amtlichen Eigenschaften bald in dieser bald in jener Form verlor und 
wieder erlangte und die noch heute den Zwecken der Rechtspflege dient, ihre außergewöhnliche Bedeutung. 
verleugnet. Wie lange der Hof seine ursprüngliche Bestimmung unverändert beibehielt, ist nicht ersichtlich. 
Vermutlich ist er aber noch mit jenem, seiner Lage nach nicht näher bezeichneten „Hob" oder „Hobehus" 
gleichbedeutend, in dem 1401 und 1403 der Schultheiß Gericht abhielt und Zins vereinnahmteß Daß ein Jahr- 
hundert später der Schultheiß nicht mehr im alten Fronhof, sondern im Renthof am Schloß saß, darf nicht 
bezweifelt werden; die Rentereirechnung von 1501 setzt den „renthob" mit dem „schultheißen hobe" gleich 
und die Rentereirechnung von 1509 läßt keine Unklarheit darüber, daß dieser „renthob", der auch die Kanzlei 
in sich einschloß, seinen Platz „vor dem schloiße" hatte} Gründe für die Verlegung lassen sich nur vermuten. 
Wenn auch zweifellos der Fuldazoll bestehen blieb, hatte sich doch, seitdem die Landwege ausgebaut waren, 
inzwischen ein starker Wagenverkehr und damit ein geregelter Straßenzoll herausgebildet. Auf der Brücke, die 
hart an der Grenze des Schloßbezirkes die Fulda überquerte, wurde nicht nur der Brückenzoll sondern auch 
der Marktzoll erhoben? Seit der Einführung des Ungeldes hatte der Geschäftsumfang der Zollstelle auf der 
Brücke vermutlich noch erheblich zugenommen. Um 1450 lassen sich in Cassel bereits vier Zollstellen fest- 
stellen, von denen allein zwei auf der Brücke sich befanden. Den verstärkten Verkehr zu bewältigen wurde 
in den Jahren 1509 bis 1512 ein Neubau der Brücke vorgenommen. Recht gut denkbar ist es, daß man den 
veränderten Verhältnissen dadurch Rechnung trug, daß man die Rentstube an die Stelle verlegte, wo der Fluß- 
übergang das Schloßgebiet berührte und auch die Kanzlei sich befand. Seit der Sitz des Grundherrn sich von 
einem wenig besuchten Königshofe in ein viel benutztes Schloß verwandelt hatte, war vielleicht die Ver- 
einigung der Rechts- und Verwaltungsbehörden in einem einzigen Hause in der Nähe des Herrensitzes 
wünschenswert geworden. 
Mit dem Fortzuge des Schultheißen aus dem Fronhofe muß es zusammenhängen, daß die Anlage in 
nachmittelalterlicher Zeit sich anderweitig besetzt findet. Es scheint, als ob der Landesherr die Besitzung ver- 
äußert hatte. Doch muß es auffallen, daß auch die neuen Insassen Amtspersonen waren. Um die Mitte des 
16. Jahrhunderts saß der Amtmann Hans Schaffnit genannt Koch zu Trendelburg auf dem Hofe. Er hatte das 
„Haus, Hof samt einem Garten zu Cassel an die Fulda und Ahne auf beiden Seiten stoßend" vor dem Jahre 
1554 gekauft, mußte aber einen Teil des Gartens liegen lassen, den Landgraf Philipp zur Erbauung des hinter 
dem Hause errichteten Festungswalles benötigtes Sein Nachfolger war sein Sohn I-lans, Amtmann zu Eppstein? 
Ihm und seinen Geschwistern wurde am 25. April 1554 der Wall hinter dem Hause zum Gebrauch in Friedens- 
l Stadtplan v. Wessel 1673. 
2 Vgl. Maurer, Fronhöfe. Vgl. auch die Geschichte des Fronhofes zu Marburg, der ebenfalls ursprünglich am Rande der Stadt 
nach dem Flusse zu gelegen war und später durch den am Fuße des Schloßberges errichteten Renthof ersetzt wurde. 
3 Brunner, Anl. d. St. Kassel S. 277. 
4 Brunner, Anl. d. St. Kassel S. 277. Vgl. Schultze, Klöster Urk. Nr. 704. 
5 Woringer, Zoll S. 22 u. 101. 
6 Urk. v. 1554, 1557, 1058 u. 1573. Staatsarchiv Marburg. 
7 Landau, Kollektaneen, Landesbibliothek Cassel. Nebelthau, Kollektaneen, Stadtarchiv Cassel. 
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