Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

ää äßä Gebäude. ääääääää 
 
BQ 
Carl haben giessen lassen." 1 Unter den im ersten Obergeschoß aufgestellten eroberten Stücken sah man „die 
beyde kupferne Paukenkessel, welche der Höchstselige König Friedrich, als Erbprinz von Hessen in der Schlacht 
bei Hochstädt, den 13. Aug. 1704 überkommen, ingleichen noch ein paar kupferne Pauken von den französischen 
Carabiniers, welche der damalige Artillerie Lieutenant, Johann Caspar von Ende, den 23. Jun. 1758 in der 
Bataille bey Creveld erbeutet hatte." Dagegen war die 1684 von einem hessischen Regiment eroberte türkische 
Fahne abhanden gekommen. Im zweiten Obergeschoß befand sich der Fruchtboden für die Kommißbäckerei, 
im dritten der Lederboden, im vierten ein Salpeterlager und im fünften eine Luntenkammer. 
Im Jahre 1770 muß das Haus einen Teil seines Inhalts abgegeben haben. „Am 15. Januar ist angefangen" 
so berichtet eine zeitgenössische Chronik} „das Casselsche Zeughaus zu räumen und sind die ersten Canonen 
nach der Vestung Ziegenhain abgefahren, weil Cassel keine Vestung mehr vorstehen soll." Auch 1778 wurden 
„Canonen, Kugeln und sonstige Sachen" an Ziegenhain abgegeben! Indessen diente das Haus nach wie vor 
als Arsenal. 1772 scheinen sogar die im siebenjährigen Kriege fortgeführten Geschütze wieder in das Casseler 
Zeughaus zurückgekommen zu sein; wenigstens heißt es in derselben Chronik4 zu diesem Jahre, daß „in den 
Monaten November und December die Frankfurter Fuhrleute die Hessischen großen Canonen, welche die 
Franzosen im Kriege weggefahren hatten, von Straßburg nach Cassel zurückgebracht" haben. Krieger 5 führt 
1805 unter den Geschützen des Zeughauses auch wieder den Großen Hund auf. Eine erneute Plünderung des 
Gebäudes fand 1806 statt, als die Franzosen den Kurstaat und die Landeshauptstadt besetzten. Die meisten 
Stücke wanderten nach Mainz. Große und schwer zu bewegende Kanonen, die als Seltenheiten aufbewahrt waren, 
wurden verschnitten und an Juden verkauft, Armaturen und Rüstungen aus alter Zeit mutwillig zerstört}; Seinen 
denkwürdigsten Tag hatte das Zeughaus in den Unruhen des Jahres 1848. In der Garde du Corps-Nacht des 9. April 
wurde das Gebäude, das nur von einem einzigen Posten bewacht war, von den aufgeregten Bürgern erstürmt. 
lm Übrigen ist das Bauwerk unentstellt überkommen. Im Grundriß bildet das Haus, dessen ansehnliche 
Abmessungen in den älteren Beschreibungen hervorgehoben werden, ein Rechteck von 96,80 m Länge und 21,80 m 
Breite. Die Umfassungswände sind vollkommen glatt. Nur das am Südende der Westfront gelegene Gehäuse 
der Treppe tritt mit fünf Seiten seines Achteckes aus der Mauerflucht heraus. Jedes der vier Stockwerke 
bildete ursprünglich einen einzigen Raum. Das Erdgeschoß wird von Kreuzgewölben überdeckt, die auf einer 
Mittelreihe von fünfzehn gedrungenen quadratischen toskanischen Pfeilern aufruhen. Die übrigen Geschosse, 
von denen die beiden oberen jetzt zu einem Stockwerk vereinigt sind, besitzen hölzerne Balkenlage mit eben- 
solchen Stützen. Auf den Schmalfronten befinden sich vier, auf den Längsfronten sechzehn Fensterachsen, von 
denen eine durch den Treppenturm beansprucht wird. Das Äußere des durch die große Masse und den klaren 
Aufbau sehr stattlich wirkenden Gebäudes ist, dem Zweck entsprechend, einfach gehalten. Die Fenster, zu 
Paaren gekuppelt, zeigen schlichten Karnies als Umrahmung. Das Hauptgesimse bildet die Sima, die als 
Einfassung auch den Krüppelgiebel der hinteren Stirnseite begleitet. Reicher sind die auch in der Größe höher 
gehaltenen Fenster des Erdgeschosses ausgebildet, die noch einen Querstock und ein kreisförmiges Oberlicht 
aufweisen. Die in den Längsachsen des zweischiffigen Erdgeschoßraumes liegenden Portale tragen nur noch 
auf der hinteren Giebelseite die alte Fassung, einen Rundbogen mit Pilasterumrahmung und giebelbekrönten 
volutenbesetzten Oberlicht-Fensterpaaren in toskanischer Architektur und Quadertechnik. Auf der nach dem 
Töpfenmarkt gerichteten vorderen Schmalfront, der Hauptschauseite, zeigen sie die von Friedrich II. geschaffene 
Umrahmung, eine glatte Pilasterstellung mit Segmentbogengiebel, in dessen Lünette die Anfangsbuchstaben des 
' Brunner, Cassel i. siebenj. Kriege, nimmt an, daß der Große Hund im dreißigjährigen Kriege bei der Belagerung von Düren 
erobert wurde und bei der Plünderung des Zeughauses im siebenjährigen Kriege in Cassel verblieb. Tatsächlich wurde 1768 auch dieses 
Geschütz von den Franzosen abgeführt. Ein Zeitgenosse berichtet nach Losch, Chroniken S. 107, zu diesem Jahre: „Am 15. und 22. August 
haben die Franzosen große Geschütze aus dem hiesigen Zeughause nach Frankreich abgefahren, darunter den sog. Großen Hund, der 
99 Ct. 81 Pfd. wog, so daran eingegraben war, was ich selbst gesehen." Vgl. I-Iess. Blätter 3012. 
' Losch, Chroniken S. 135. 
3 Losch, Chroniken S. 145. 
4 Losch, Chroniken S. 188. 
' Cassel S. 139. 
' Piderit, Cassel S. 829. 
 
Tafel 397-329 
  
aaC-Jaaaza 22a
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.