Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

Zeughäuser. 
Zeughaus in der Schäfergasse. 
Eine besondere Bauanlage für Herstellung und Lagerung von Kriegsgerät entstand während des Mittel- 
alters im Breul. Sie lag am Knickpunkt der oberen und unteren Schäfergasse. Mit ihrem Zubehör nahm sie 
das ganze Hintergelände ein, das von der Straße bis zur Stadtgrenze reichte und den Winkel der Stadtmauer 
ausfüllte. Die erste Nachricht, die auf die Anlage zu beziehen ist, entstammt dem Ende des 15. Jahrhunderts. 
In einer Baurechnung des Jahres 1495 1 findet sich ein Betrag verbucht für vier Stränge, die Meister Curt der 
Zimmermann Dienstag nach Exaudi holte, als er das „bussenhuß" hob. Die Baurechnung von 1498 führt 
einen Ausgabeposten für Meister Henrich den Steinmetzen auf, der mit seinem Knecht zwei Tage im Büchsen- 
hause gemauert hatte. Um diese Zeit muß das Haus, das 1495 wohl fertiggestellt wurde, in Benutzung 
gewesen sein, denn die Rechnungen von 1498 lassen erkennen, daß fortgesetzt Büchsensteine gehauen wurden. 
Über die mit der Anlage verbundene Geschützgießerei gibt eine Rechnung des Jahres 1501 Auskunft} Sie 
enthält einen Betrag für Stränge, die am Freitag Remigii in das Büchsenhaus geliefert wurden, „als man die 
Büchse goßff Von dieser eindrucksvolleren Tätigkeit des Gießens nahm das Haus den Namen des Gießhauses 
an, der 1584 zum ersten Male auftritt. In diesem Jahre erscheint neben dem von Gesellen unterstützten 
Büchsengießer Franz, für den auch noch Zimmerleute und Schreiner arbeiten, ein Meister Jorge von Nürnberg, 
der ebenfalls mit seinen Knechten gießtß Den genauen Platz und andeutungsweise auch die Einrichtung des 
dem Landgrafen zuständigen Gebäudes gibt das Salbuch des Jahres 15394 an. Nach ihm lag das „Gießhaus, 
darunter die Büchsen gezogen und behalten werden, im Broel am stumpfen Thorn nächst dem Wall zwischen 
Henn Widdeman und der Stadtmauer." 
Einzelne Bauteile nennt ein lnventarverzeichnis von 1544;5 doch ist es nicht immer möglich mit 
Bestimmtheit festzustellen, ob die Baubezeichnungen sich auf verschiedene selbständige Häuser oder auf 
verschiedene Räume eines und desselben Hauses beziehen. Soviel ergibt sich mit Sicherheit, daß der Ausdruck 
Zeughaus, der hier zum ersten Male auftauchtß sowohl für das Hauptgebäude als auch für die gesamte Anlage 
und schließlich auch für das Grundstück gebraucht wird. Das „zeughaus im Broil" wird in Gegensatz gestellt 
zum „zeughaus im schlos." Daneben kehrt die Bezeichnung Gießhaus wieder, bald für sich und bald in 
engstem Zusammenhang mit dem Zeughaus. Einmal ist von einem „zeughaus meister Martins", ein ander Mal 
von „meister Martin gieshaus" die Rede. Auch spricht das lnventarverzeichnis von dem „zeughaus da meister 
Martin geust." Allerhand Rohstoffe und Altmaterial finden sich „im gisshaus meister Mertins im Breul im 
zeughause" verzeichnet und „auch im zeughaus inventirt, im gieshaus bei Meister Martin." Unter dem Inventar 
des „gieshauses" interessieren ein „wintoffen" und ein „schmelzofen" sowie das zahlreiche Werkzeug zum 
Herstellen von „carthun, schlangen und falkun." Auch mehrere Schmieden kommen vor; besonders genannt 
werden „meister Heintzen des schlossers schmitte" und die „hinder schmitte Peters." Über „meister Heintzen 
schmitten" lag eine „eisen cammer" mit Halbfabrikaten, die meist von der „waltschmitte" oder dem „walthamer" 
kamen. Der große Vorrat an Zimmer- und Wagnergerät läßt besondere Werkstätten auch für die Stellmacherei 
annehmen. Tatsächlich ist auch von einem Raum die Rede, „da die zimmerleut arbeiten." 
Auf dem vorderen Teil des Grundstückes lag ein Wohnhaus. ln diesem „forder wonhaus" finden sich 
als Ausstattungsstücke der eigentlichen Wohnräume „vier betspont in den cammern", „ein eichen bank vor das 
beth", „funf viereckter tisch mit creuzen in den dreien stuben", „zehn benk gros und klein in derselbigen 
 
' Bau-Register. Staatsarchiv Marburg. 
' Renterei-Rechnung. Staatsarchiv Marburg. 
' Renterei-Rechnung. Staatsarchiv Marburg. 
4 Staatsarchiv Marburg. 
5 Schwank, Inventarium S. 24, 31, 44, 46 ff, 49, 55, 58, .60 f, 63 f, 68, 70 ff u. 75. 
' In den Stadtrechnungen findet sich 1553 der Ausdruck „Zeuckhauss". Stölzel, Stadtrechnungen S. 240 Nr. 164. 
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