Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

untereinander durch Mauern verbunden waren, legte du Ry an der Nordwestseite des Platzes die Kaserne so an, 
daß ein Mittelbau und zwei Eckbauten, ebenfalls zweigeschossige Baukörper mit Giebelaufsätzen, durch niedrige 
Zwischenbauten zusammengefaßt wurden. 
Die zeitgenössischen Beschreibungen der Bauanlage, die als prächtig bezeichnet wird} beschränken 
sich auf die Mitteilung, daß die Kaserne „ein schönes 400 Fuß langes Gebäude" war, das „aus einem Corps 
de Logis, zween Flügeln, und zween Pavillons" bestand! Eine gute Übersicht über die gesamte Platzanlage 
gibt eine perspektivische Zeichnung von Stietz aus dem Jahre 1791.13 Ergiebiger für die Kenntnis der Einzel- 
heiten des Baues ist eine geometrische Zeichnung, die den Grund- und Aufriß wiedergibt! Die Eckpavillons 
erscheinen als fünfachsige Mansardenbauten, deren dreiachsiger Dachaufsatz durch flachen Ziergiebel abgeschlossen 
wird. Sockel und Ecklisene bilden die einzige Gliederung der völlig glatten Front. Die Rechteckfenster 
besitzen unproülierte Umrahmung, die auch der kreisförmigen Luke im Giebelfelde eigen ist. Eine Bekrönung 
mit Kartusche und bescheidenen Rankenausläufern weist die in der Mittelachse gelegene Segmentbogentür auf, 
deren Umrahmung durch Ohren und Schlußstein ausgezeichnet ist. Die Fenster der mit Dreieckgiebel abgedeckten 
Gauben sind flachbogig geschlossen. Reicher ausgestattet ist der siebenachsige sonst gleich gebildete Mittel- 
pavillon, der das rundbogige Haupttor enthält. Das Erdgeschoß ist gequadert, das Obergeschoß und der mit 
diesem zusammengezogene Dachaufbau sind durch Pilaster und Blenden belebt. Stuck findet sich nicht nur 
an einer Kartusche über dem Eingang, sondern auch in den Korbbogenabschlüssen der Blenden zwischen den 
Fenstern und im Giebelfelde, dessen ovale Luke von Trophäen und Krone umgeben wird. Aus dem Grundriß 
ist zu ersehen, daß der Mittelbau zu ebener Erde auf der einen Seite des Durchganges die Wache mit 
anliegender kleiner Arrestzelle und die Treppe, auf der anderen Seite Montierungskammern enthielt. Der 
Eckbau rechts besaß zwei Zimmer für den Casernier und Werkstätten, der Eckbau links auf der einen Hälfte 
zwei nicht näher bezeichnete Räume, auf der andern Hälfte bereits Ställe für die Offizierspferde, die offenbar 
nachträglich hier untergebracht wurden. Die eigentlichen Stallungen befanden sich in den langen Zwischen- 
bauten, deren Erdgeschoß sie gänzlich ausfüllten, während die Mansarde zur Unterbringung der Mannschaft 
diente. Äußerlich bringen die niedrigen, schlichten, in den Fenster- und Türölfnungen sich den Hauptbauten 
anschließenden Verbindungsflügel ihre Hauptbestimmung als Stallbauten dadurch zum Ausdruck, daß von den sieben 
Achsen jeden Flügels drei als Ausgänge angelegt sind und die übrigen vier, die als Fenster dienen, in der 
unteren Hälfte zugesetzt sind. Für die Wache befand sich zum Aufenthalt der Wachtmannschaft im Freien 
vor dem Stalle rechts unmittelbar neben dem Mittelbau ein dreiteiliges Vordach, wie es auch an den meisten 
Wachtgebäuden der Stadt sich feststellen läßt. Äußerlich behandelt ist das Haus als Putzbau. Alle Architektur- 
glieder sind in gelblichem, die Flächen in rötlichem Tone gehalten. Der Stil ist, bezeichnend für du Rys 
Entwicklungsgang, noch Rokoko. 
Auf dem Hintergelände des l-lauptgebäudes breiteten sich weitere Stallungen sowie Werkstätten und 
Wirtschaftsgebäude aus. Einer symmetrischen Ausbildung ihres Grundrisses stand der gebrochene Zug der 
Stadtmauer im Wege, der das Kasernengebiet abschloß. Lediglich die Hintergebäude hinter der linken Hälfte 
des Vorderhauses, in denen allerdings die Hauptstallungen untergebracht waren, umschlossen einen regelmäßigen 
Hof von rechteckiger Gestalt. Wie eine im Lageplan einpunktierte Zeichnung lehrt, bestand die Absicht, diesen 
zweckmäßigen Grundriß auch hinter der rechten Hälfte des Vorderbaues zu wiederholen. Solange indessen die 
Stadtmauer, die eben erst errichtet war und mit ihrem schrägen Verlauf das Grundstück stark verengte, nicht 
wieder beseitigt werden konnte, mußte man sich damit begnügen, in gleicher Schräge die weiteren Hinter- 
agebäude teils an der Mauer teils parallel zu ihr anzulegen. Die geringe Breite dieser Nebenanlagen und ihre 
Ausführungsart in Fachwerk sprechen dafür, daß man mit einer langen Lebensdauer dieser Bauten, die übrigens 
1 Engelhard, Erdbeschreibung I S. 86. 
' Apell, Cassel 1792 S. 84. Krieger, Cassel S. 279 f. 
' Handzeichnung. Landesbibliothek Cassel. 
' ' Handzeichnung. Landesmuseum Cassel. 
Tafel 36.! 
Tafel 323 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.