Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

 
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Gebäude. 
 
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seinem Wendunmuth} Recht eigentlich mit der Bestimmung des Hauses als Saalbau zum Feiern von Festen 
hängt die Mitteilung vom Jahre 1603 zusammen, nach der Kurt, der Hausvogt auf dem Neuen Bau, bei Hans 
Schenck, dem Kanngießer, im Auftrage der Stadt etliche zum Hause gehörige zinnerne Weinkannen und 
Schüsseln umgießen ließ; 14 neue Kannen und 9 Schüsseln erhielt er zurück." Der Silberschatz des Hauses 
soll ansehnlich gewesen sein. „Jedes neue Rathsglied pflegte der Stadt einen silbernen Pokal zu verehren; 
dort drüben standen sie denn alle in glänzender Ordnung, so oft ein Bürger hier ein Familienfest beging, weil 
die beschränktere Häuslichkeit für so viel Gäste, als man gern bewirthete, nicht Raum genug bot." 3 Aus der 
Benutzung des Hauses in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist bekannt, daß Landgraf Wilhelm IV. 
alljährlich zu seinem Geburtstage noch einmal soviel Arme, als er Jahre zählte, im Bau speisen ließ, wobei 
ein jeder als Geschenk noch ein halbes Maß Wein und ein halben Taler an Silbergeld erhielt} Der Brauch 
lebte in abgeänderter Form insofern bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts fort, als alljährlich am Geburtstage 
des Landesherrn nicht nur die Armen gespeist und beschenkt wurden, sondern auch sämmtliche Prediger der 
Stadt, die Beamten des Landgerichts, sowie Bürgermeister und Rat auf Kosten des Landgrafen im Neuen Bau 
ein Festmahl erhielten. 
Indessen nicht nur der frohen Geselligkeit diente der vielseitige Bau, sondern auch ernsten Geschäften. 
Er bot dem Handel eine Stätte. Im Jahre 1603 erhielten die jüdischen Althändler die Erlaubnis, an Markt- 
tagen ihre Waren hier auszulegen. Begründet wurde die offenbar mit einer Einnahme für die Stadt verbundene 
Maßnahme mit dem Hinweis darauf, daß das Haus von der Bürgerschaft verhältnismäßig wenig benutzt würde 
und in Bau und Besserung erhalten werden müssex" Mit dem im Gebäude betriebenen Handel wird auch eine 
Ausgabe des Jahres 1605 „vor dem Hansegreber in der kleinen Stuben" zusammenhängen. 1614 erscheint in 
den Stadtrechnungen die Bürgerwache, für deren „Wachtstube beim Neuen Bau" 1642 Bauholz beschafft wurde. 
Das „Pumpengezeug" befand sich nach einer Bemerkung vom Jahre 1616 in einem besonderen Schuppen; es 
wurde ins Kaufhaus gebracht und Jan Stelle des abgebrochenen Schuppens ein Leiterhaus errichtet}; Zum 
gleichen Jahr Iäßt sich wiederum die Lagerung von Bauholz für die Stadt feststellen. Der „Windellsteinß die 
Wendeltreppe, wird 1622 gelegentlich des Einsetzens von Fenstern erwähnt. Ebenfalls 1622 findet sich der 
Hauptraum des Hauses, der „Dantzsaal", genannt bei Gelegenheit, als der Landgraf und die Landgräfin „auff 
dem Bau gewesen vnd dem Dantze zugesehen" haben. Daß das Schlachthaus tatsächlich zum Stadtbau gehörte, 
ergibt die Stadtrechnung von 1642, die einen Betrag verbucht „zweien Steinsetzern, haben auf dem Neuen Bau 
das Schlachthaus über m8 Hälfte gepflastert." Weinkeller und Laboratorium werden 1659 erwähnt." 
Im 18. Jahrhundert bildete der Bau für die Stadt eine ergiebige Einnahmequelle. Nicht nur die Säle, 
auch die kleineren Räume wurden vermietet. Nach der Stadtrechnung von 1712 zahlten Jakob Rudolph für 
einige Logiamenter 32 fl., Henrich Haurandt für ein Logiament nebst einem Platz, wo der Backofen stand, 
15 fl., der Fechtmeister Johann Daniel Albrecht für einen Bodenraum 8 fl., Meister Christian Nebelthau für 
Gewölbe 7 fl. und der französische Buchbinder Jakob Etienne für den unteren halben Tanzboden 30 fl. Der 
Betrag von 40 fl. ging ein „aus dem Haus vorm Neuen Bau", das ein französischer Metzger benutzte. Auch 
das von lebenslustigen Gesellen auf dem Stadtbau gelegentlich betriebene Glücksspiel warf, wie die Stadt- 
rechnung erkennen läßt, für die Stadt einigen Ertrag ab. Schließlich brachten die Hochzeiten und die Benutzung 
des Tisch- und Küchengerätes durch die Gilden Gebühren ein; von jedem Tisch wurden zwei Albus erhoben, 
für Tafelgeschirr wurde meist sechs Albus berechnet. Das Haus erschien der Stadt so wertvoll, daß sie 1713 
einen Antrag des Landgrafen, ihm selbiges käuflich zu überlassen, ablehnte. In der Begründung heißt es, daß 
1 Kirchhof, Wendunmuth II S. 260. 
7 Stadtarchiv Cassel D 4720. 
' Nebelthau. Gebäude S. 23. 
f Schminke, Cassel S. 241. 
5 Nebelthau, Excerpte. Stadtarchiv Cassel. 
' Stadtarchiv Cassel C 74. 
7 Stadtarchiv Cassel D 956. 

	        

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