Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

verbauet" war. 1615 beschaffte man ,.55 Latten zu Behuf der Treppen am Standhaus zu decken aufm Gottes- 
acker" und 1622 „200 Latnegel auf den Gottsacker zum Predigkstuell", der in diesem Jahre neu hergestellt 
wurde. Zu „Traurbenken und Lehnen" verwandte man 1625 Bauholz} Der Karner wird in einem undatierten 
Schreiben? erwähnt, in welchem Johann Küpper Herrn Heinrich Corstens daran erinnert, daß „er mir seines 
H. Schwiegervaters, H. Weymar Stockmanns s. begräbniß alhier, auf dem alten Kirchhof, am beinhauß, zwischen 
Heinrich bartels vnd wilhelm gräßle von nürnberg für mich vnd die meinigen, als eigen zu gebrauchen ver- 
günstiget laut sein inhanden habendes schreiben vom 11. Juny A0. 1650". 1655 arbeitete man an der Unter- 
imauerung der Schwellen am „Hause ufm Todtenhoff " und „auf der Treppen, welche aufs Hauß gehet"? ' 
Im Gegensatz zum jüngeren Totenhof der Unterneustadt nahm der Friedhof der Altstadt den Namen 
des „alten Friedhofes" oder „alten Kirchhofes" an. Mit seiner Lage vor dem Hohen Tore, das als Auslaß für 
die Leichenzüge auch die Bezeichnung des Totentores führte, hängt offenbar auch die Behausung des Toten- 
gräbers an dieser Stelle des Stadtberinges zusammen. Das von ihm bewohnte Haus gehörte ebenso wie das 
seines Nachbars, des Hirten, der Stadt. Seine Lage wird durch das Häuserverzeichnis vom Jahre 16054 be- 
stimmt, welches besagt, daß man „vff vndt vmb den Ehren Preiß", dem Westteile des heutigen Pferdemarktes, 
wenn man „in das Enge geßlein zur lincken handt bey d Mauren hinein" ging, „ein Hirten hauß der Stadt 
Caßel" und „ein Hauß der Stadt Caßel" traf, „darin der todtengreber wohnet". 1622 ist die Rede von des 
„Dotengräbers Losament vorm Hoenthore".5 
EineAbbildung des Friedhofes aus der Mitte des 16. Jahrhunderts bringt Müllers Planß Der vor dem 
Hohen Tor gelegene Gottesacker erscheint als unregelmäßige Fläche, die bei der nicht ganz klaren Zeichnung 
vielleicht als ungenaues Dreieck gedeutet werden kann. Nach der Straße wird der Friedhof durch eine Mauer 
in Brüstungshöhe abgeschlossen, an deren Ostende ein rundbogiges, über dem Scheitel flach abgedecktes Tor 
sich erhebt. Die Seite nach der Stadt schließt ein Zaun ab, während der dritten Seite anscheinend Hecken- 
gebüsch als Einfriedigung dient. In der Nordwestecke liegen zwei aneinander "gerückte untergeordnete Fach- 
werkhäuser, von denen das eine zweigeschossig zu sein scheint. Die Mitte nimmt ein Bildstock ein. Der 
nordöstliche Teil des Friedhoffeldes zeigt noch Baumbestand, wogegen der nördliche Teil bereits mit Gräbern 
belegt ist. Als Staffage erscheint ein Totengräber, der ein frisches Grab aushebt. Der Zugangsweg von der 
Stadt ist mit einem Geländer eingefaßt, das am Ende des Friedhofes einen Kopfabschluß aufweist. 
Eine Vergrößerung des Friedhofes durch Ankauf von Gärten erfolgte wiederholt von 1597 an? 1649 
überließ der Soldat Johannes Schaub der Stadt und dem Gotteskasten einen Teil seines Gartens. 1755 erwarb 
die Stadt von der Frau Bürgermeister Susanne Christine d' Aubigny, 1826 von Frau Marie Henriette Weyde- 
meier ein Grundstücks Auch noch um 1830 fanden Verhandlungen zwecks Erweiterung des sowohl für die 
Altstadt wie für die Oberneustadt bestimmten Begräbnisplatzes statt? der als der größte Friedhof der Stadt 
schließlich den Namen des „großen Totenhofes" führte." Die letzte Erweiterung scheint durch Hinzuziehung 
des Kerstingschen Gartens erfolgt zu sein. Am 80. Juni 1848 wurde der Friedhof geschlossen. Nachträglich 
erfolgte noch am 1. Dezember 1854 die Beisetzung der Prinzessin Karoline Friederike Wilhelmine von Hessen" 
und am 12. Januar 1876 die Beisetzung des letzten Kurfüsten. Die Eröffnung des, neuen, vor dem Holländischen 
Tore an Stelle des du Rossy'schen Gartens" angelegten und für die Verstorbenen des gesamten Stadtgebietes 
1 Stadtarchiv Cassel G 205. 
Handschrift. Landesbibliothek Cassel. 
2 
5 Stadtarchiv Cassel G 205. 
4 Häuserverzeichnis v. 1605. Stadtarchiv Cassel E 16 u. K 36. 
5 Stadtarchiv Cassel G 215. 
' Stadtplan v. Müller 1547 u. 1548. 
7 Bach, Kirchenstatistik S. 35. 
8 Stadtarchiv Cassel G 205. 
9 Bach, Kirchenstatistik S. 35. 
Lobe, Wanderungen S. 86. Casseler Tages Post 1854 Nr. 811. 
" Casseler Tages Post 1864 Nr. 811. 
m Wanderung d. Cassel Nr. 1236. 
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