Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

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gebenden Körpers in Paris anfertigtel und die später in das Berliner Museum gelangte? Ob ihre Ausführung 
vor oder nach Chaudets Tode, der am 19. April 1810 eintrat, erfolgte, ist nicht bekannt? Nach der Legende4 
soll man auf die Statue verfallen sein, weil sie in Paris fertig auf Lager stand. In ihrer jetzigen Verfassung 
zeigt die Figur alle Spuren der ihr zu teil gewordenen schlechten Behandlung, ohne daß ihr Gesamteindruck 
erheblich gelitten hätte. Abgesehen von den obenerwähnten Verstümmelungen der Nase und des rechten Armes 
weist sie hauptsächlich Beschädigungen im unteren Teile auf. Das linke Bein unterhalb des Knies fehlt ganz. 
Oberhalb des Knöchels des rechten Fußes zeigt sich ein Sprung, der auch bei dem den Fußboden berührenden 
Stück des Mantelüberwurfes festzustellen ist, was damit zusammenhängt, daß zeitweise die ganze Basis abgelöst 
war. Leichter verletzt sind die Blätter des Kranzes. Das zarte Blätterornament des Togasaumes und der feine 
Dekor des nur auf der rechten Schulter sichtbar werdenden Schwert-Bandeliers treten dank der guten Erhaltung 
der Marmoroberfläche noch heute scharf hervor. 
Standbild im Ständepalast. 
Ein zweites Standbild des Kaisers Napoleon befand sich in dem zum Palais des Etats eingerichteten 
Museum Fridericianum." Es hatte seinen Platz in dem von Grandiean de Montigny erbauten halbkreisförmigen 
Ständesaal, wo es im Scheitel des Halbkreises hinter dem Throne der Königin aufgestellt war. Über seine 
Geschichte ist fast nichts bekannt. Daß die Beschaffung des Standbildes im selben Jahre 1808 ins Auge gefaßt 
wurde, in dem die Umwandlung des Museums in einen Ständepalast beschlossen war, liegt nahe, und daß die 
Figur bei Einweihung des Saales vorhanden war, darf als sicher gelten. Die Entfernung der Statue wird erfolgt 
sein, gleich nachdem die Franzosen endgültig die Stadt verlassen hatten. Über den Verbleib und die weiteren 
Schicksale des Denkmals scheint jede Nachricht zu fehlen. 
Das Aussehen der Figur, die wohl nur aus Marmor bestanden haben kann, ist bekannt. Sie war eine 
Nachbildung jener Statue, die Roland für den Versammlungssaal des Nationalinstitutes zu Paris geschaffen hatteß 
und die den Kaiser als Triumphator in Krönungsmantel mit Scepter und Lorbeerkranz oder, wie ein Westfälischer 
Zeitgenosse7 meint, als Beschützer des Rheinbundes und Gründer des Königreichs Westfalen darstellteß Auf- 
gestellt war die Figur auf einem schlichten quadratischen Sockel. Eine in der Rückwand des Saales über dem 
Denkmal angebrachte Nische war für eine Siegesgöttin bestimmtß 
Tafel 483, 1 
Büsten. 
Büsten der hessischen Landgrafen. 
Größer als die Zahl der Standbilder der hessischen Landgrafen ist die Zahl ihrer Büsten. Zu diesen 
auf Nahwirkung berechneten Denkmälern sind in gewissem Sinne auch jene Plastiken zu zählen, die in Maßstab 
und Material nicht den Anspruch erheben können, als Schaustücke für ein größeres Publikum bestimmt gewesen 
1 Abbildung in den Annales du Muse'e et de l'Ecole Moderne des Beaux-Arts, Salon de 1808, l pl. 23 u. S. 55. Gerland, 
Henschel S. 25: „Es wird, nach einer Mitteilung Professor Gerhardts zu Rom, angenommen, daß die Arbeit (Chaudets) eine Kopie des von 
Canova für Mailand gearbeiteten Standbildes des Kaisers sei, das jetzt in der Brera aufgestellt ist, und wenn das zuträfe, so würde allerdings 
Canova als der geistige Urheber des Denkmals zu betrachten sein". Das in der Brera aufgestellte Denkmal, das den Kaiser unbekleidet dar- 
stellt, kommt als Vorbild nicht in Frage. 
2 Gerhard, Museen S. 92 Nr. 414. Vgl. Scherer, Napoleonstatue S. 143. 
3 Gerland, l-lenschel S. 24. 
4 Hotfmeister bei Piderit, Cassel S. 336, nimmt an, daß Chaudet die Kopie selber gefertigt habe, indem er darauf hinweist, daß 
„Chaudet dieselbe Statue außer für Cassel auch für zwei Departementsstädte in Frankreich gearbeitet" habe. 
5 Vgl. Abschnitt „Museum Fridericianum" S. 653. _ 
ß Grandjean de Montigny, Palais des Etats S 5. Duncker, Lebenserinnerungen S. 299. Brunner, Cassel S. 345. 
7 Hassel u. Murhard, Westfalen l 2 Julius 1812 S. 19. 
3 Abbildung in den Annales du Musee et de l'Ecole Moderne des Beaux-Arts, Salon de 1808 l Pl. 23 u. S. 59. Handzeichnung 
Denkmälerarchiv Cassel. 
9 Abbildung bei Grandjean de Montigny, Palais des Etats Taf. llI u. lV. 
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Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel. VI. Cusel-Stadt. 
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