Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

setzer einen halben Gulden für Pflasterarbeit an der Stelle „bei dem Truselthorne da sichs wasser teylt".1 Der 
Zustand der Rinnen muß zeitweise viel zu wünschen übrig gelassen haben. Im dreißigjährigen Krieg wurde 
wiederholt darüber geklagt, daß die Drusel übel rieche, zumal wegen der Soldaten, die wohl ihren Unrat hinein 
entledigtenß, 1645 beschwerten sich die Anwohner der Knickgasse -und der Mühlenstraße über die Unsitte der 
Grober, ihre Töpfe und Scherben in die Drusel zu werfen, wodurch Verstopfungen entstanden. Auch daß der 
Bader in der Knickgasse seinen Saukoben auf die Drusel gesetzt hatte, erregte ihren Unwillen? Noch schlimmer 
vielleicht stand es um den Lauf des Druselgrabens außerhalb der Stadt, über dessen Verunreinigung noch ver- 
hältnismäßig spät geklagt wird? 
Ein Abzweig von der Druselleitung, der die Oberneustadt mit öffentlichem Wasser versah, lief von der 
Wilhelmsstraße bis zur Georgenstraße und besaß Auslaßstellen am Schnittpunkt der Königsstraße, auf dem Karls- 
platzä und an der Ecke der Frankfurter und Georgenstraße. Die Stelle der Abzweigung glaubt Noelö mit 
Sicherheit in der Brunnenkammer der Wilhelmsstraße wiederzuerkennen. ADie übrigen Rohrleitungen innerhalb 
der Oberneustadt waren in herrschaftlichem Besitz. Von ihnen wurden die zwei Brunnenständer gespeist, die 
auf der Esplanade, dem heutigen Friedrichsplatze, standen? Eine ähnliche Bestimmung wie dem Druselteich 
und dem Pferdeteich in der Altstadt war der Pferdeschwemme am Königstors zugewiesen. An höchster Stelle 
der Oberneustadt gelegen, diente sie als Staubecken und Hochbehälterß Mit der Anlage einer modernen 
Kanalisation verschwanden in der Neuzeit die Druseln und Teiche aus dem Stadtbildeßo Ein noch erhaltener 
Verteilungsplan der Leitungen, Sammelstuben und Zapfstellenn lehrt, daß das alte System für seine Zeit einen 
hohen Grad von Vollkommenheit besaß. 
Weit geschätzter als das Druselwasser war das Eichwasser, dessen Verteilungsgebiet sich freilich im 
Wesentlichen auf den Stadtteil am rechten Fuldaufer beschränkt zu haben scheint. Der Name bezeichnete 
1 Stölzel, Stadtrechnungen S. 157 Nr. 90, S. 174 Nr. 74 u. S. 177 Nr. 89. 
2 Stadtarchiv Cassel J 46. 
3 Stadtarchiv Cassel G 154. 
4 Noel, Wasserversorgung S. 16 f.: „Die Beschaffenheit des Druselwassers kann von Anfang an keine tadellose gewesen sein, da 
es in dem offenen Graben allen Verunreinigungen schutzlos ausgesetzt war, namentlich innerhalb der Dörfer, die es durchfloß, und durch die 
Mühlen, zu deren Betrieb es diente. Dafür liefern die Akten und die gegen derartige Verunreinigungen getroffenen Strafbestimmungen 
merkwürdige Belege. Nicht genug, daß die Schweine und Schafe in und durch den Druselgraben getrieben, tote Tiere, Schafgerippe, 
Lumpen und anderes darin aufgefunden wurden, daß man darin sich wusch und badete, neinl wiederholt und besonders von den Müllern 
des Dorfes Wahlershausen wird gesagt, daß sie Abtritte über dem Druselbache aufgestellt hätten und mit deren Inhalt das Wasser verpesteten. 
Noch im Jahre 1816 berichtet der Stadtbaumeister von vier Abtritten, die in Wahlershausen über dem Druselbache stünden, und fügt hinzu, 
daß ein Müller seinen Hund im Bache tot geschlagen habe. Diese aus so später Zeit mitgeteilten Tatsachen beweisen, daß selbst die schweren 
Vermögens-, Leib- und Freiheitsstrafen der Obrigkeit solche fast unglaublichen Verunreinigungen nicht zu hindern vermochten. Daß trotzdem 
das Druselwasser nicht blos zu Feuerlöschzwecken, zum Waschen und Spülen, sondern auch zum Brotbacken, Bierbrauen, zum Kochen und 
sogar zum Trinken benutzt wurde, erweisen die städtischen Akten." Über die Reinigung der Drusel vgl. Noel, Wasserversorgung S. 20 f. 
5 Casseler Tagebl. u. Anz. 1903 Nr. 4. 
6 Wasserversorgung S. 22 f. 
7 Abbildung auf einem Ölgemälde des Friedrichsplatzes, im Besitze von Frl. Emma Brauer in Cassel, und auf der Zeichnung „Das 
Friedrichsthor in Hessen-Cassel" v. L. Rohbock, Stich v. J. K. Kurz. 
8 Vgl. Abschnitt „Garde du Corps-Kaserne" S. 492 ff. 
9 Nach Noel, Wasserversorgung S. 55 f., dienten der Druselteich, der Pferdeteich an der Martinskirche und die Pferdeschwemme 
am Königstor auch als Feuerteiche. 1744 forderte Kammerrat Grimmel zur Gründung weiterer Sammelbecken für Feuerslöschzwecke auf. Es ist 
aber nichts bekannt, ob seinem Rufe Folge geleistet worden ist. Das lange Zeit offen durch die Straßen der Stadt abfließende Druselwasser 
wurde bei Feuersgefahr in den Straßenrinnen durch Mist- oder Strohdämme aufgestaut. Mit Eimern wurde es alsdann den Spritzen zugeführt. 
Als das Wasser in unterirdischen Röhren abfloß, half man sich in vorkommenden Brandfällen durch Einschaltung einer hölzernen Rinne in 
der Druselgasse, aus der das Wasser in den Straßenrinnen zur Brandstelle geleitet wurde. 
1" Stölzel, Anl. Cassels S. 180, erinnert sich einer mit Bohlen abgedeckten Straßengosse in der oberen Königsstraße auf der Seite 
des damaligen Kriegsministeriums noch zur Zeit der 1850er Jahre. Nebelthau, Druselteich, gibt 1861 an, daß der Druselteich „jetzt in eine 
unterirdische, 30 Fuß lange, 12 Fuß breite und 13 Fuß hohe Cisterne verwandelt wird, deren Überfluß auch ferner zur Reinigung der 
oberen Druselgasse dienen soll", und daß der Pferdeteich auf dem Ledermarkt „schon im vorigen Jahrhundert zugeworfen wurde". Nach 
Noel, Wasserversorgung S. 55, ist der Pferdeteich auf dem Ledermarkt völlig verschwunden, während der Druselteich und die Pferdeschwemme 
noch bestehen, aber überwölbt sind. 
11 Ortsrepositur. Staatsarchiv Marburg. 
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