Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

die anscheinend zum Sammeln und Regulieren des Wassers dienten. S0 ist 1664 die Rede davon, daß „vor 
dem Neuen Thor an einer Clauße, daman die Drusel drett, ein Schloß wieder gebessert? wurde. 1697 brach 
man das „hinterste Waßerhäuschen oder die Waßerclaus am Wehlheider Steinwege" ab} Zu Landgraf Philipps 
Zeit wurde das Wasser in einer offenen Holzrinne über den Graben der neuen Stadtumwehrung geleitet? eine 
Einrichtung, wie sie ähnlich gewiß schon bei der mittelalterlichen Festung bestand, denn der der gotischen 
Umwehrung angehörende, 1415 entstandene Turm, der die Einführungsstelle der Rinne deckte, führte den Namen 
Druselturm? Nach Eintritt in die Stadt floß es in den Druselteich, ein rechteckiges, an der Stelle des 
heutigen Druselplatzes gelegenes Sammelbeckenf dessen solide Quadereinfassung 1541 der Büchsengießer Martin 
Pete hergestellt hatte? Aus Stadtrechnungen ergibt sich, daß in dem Teiche Fische gehalten wurden. So 
führt eine Schmiederechnung von 1603 10 Albus auf „von einem neuen rüß zu machen so bey Droßelthorne 
an dem dieche in loch komen, das die fische nitt auß komentt könteßß 1631 machte der Stadtbaumeister 
J. Schenck den Vorschlag, die Umfassungsmauern des Teiches mit einem Staket zu versehen, „damit der Deich 
1 Stadtarchiv Cassel G 154. 
2 Vgl. Abschnitt „Stadtbefestigung" S. 91 und Stadtplan v. Müller 1547 u. 1548. 
3 Noel, Wasserversorgung S. 7: „Nach der Congeries wäre die Druselwasserleitung im Jahre 1385 angelegt worden; sie fiele also 
in eine Zeit, da der Landgraf - Hermann der Gelehrte - mit seinen Unterthanen in Unfrieden und Streit lag und in ein Jahr, in dem die 
Hauptstadt vom Erzbischof von Mainz gemeinsam mit dem Landgrafen von Thüringen und dem Herzog Otto von Braunschweig eine schwere 
Belagerung auszuhalten hatte. Es erscheint zweifelhaft, ob ein solches, für die damaligen Verhältnisse bedeutendes Friedenswerk unter der- 
artigen inneren und äußeren Bedrängnissen ins Leben treten konnte. Wahrscheinlicher würde die Nachricht klingen, wenn sie aus der Re- 
gierungsperiode von Hermanns Nachfolger - Ludwig I. des Friedfertigen - überliefert wäre". Bei Nebelthau, Congeries, ist zum Jahre 
1385 von der Anlage der Druselwasserleitung nicht die Rede, ebenso nicht bei Kuchenbecker, Anal. Hass. lll S. 34 f. Es liegt wohl Ver- 
wechslung mit der 1385 erfolgten Umlegung des Stadtgrabens an der Nordostseite der Festung vor, in den ein Arm der Ahna abgeleitet 
wurde. Nebelthau, Druselteich: „Zwar fehlt es an sicheren Nachrichten, aber es kann nicht lange nach der Mitte des vierzehnten Jahr- 
hunderts gewesen sein, als man die Drusel unterhalb des Dorfes Wahlershausen mittels eines Wehrs zu heben und in einem Graben nach der 
oberen Stadt zu leiten beschloß. Die höchste Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die Anlage bereits vollendet war, als man im Jahre 1385 
mit der Ana gerade umgekehrt verfuhr, und ihr Gewässer, welches die untere Stadt nach Gewitterregen öfters sehr belästigen mochte, vor 
derselben, in der Gegend der Brücke hinter dem Militär-Lazareth, abdämmte nnd von da hinter dem Kloster Anaberg her nach dem (später 
s. g.) Schützenwerder führte". Rockwitz, Wasserversorgung S. 131: „Die Erweiterung der Stadt durch Erbauung der Freiheit und die 
Verlegung des Flußbettes der Ahna aus der Stadt über den Werder in die Fulda im Jahre 1385 machte eine neue Wasserversorgung nöthig; 
man leitete zu dem Zwecke vom Dorfe Wahlershausen vor dem Habichtswalde den Druselbach in offenem Graben kunstgerecht nach Cassel; 
so entstand wahrscheinlich ' um die Mitte des 14. Jahrhunderts die älteste Wasserleitung der Stadt". Danach Piderit, Cassel S. 397. Die 
Anlage der Druselwasserleitung ist wohl unabhängig von der Ableitung der Ahna in den neuen Stadtgraben. Nach wie vor floß das Wasser 
der Ahna auch durch die Stadt. 
4 O. H., im Casseler Tageblatt 1895 Nr. 20: „Der ehemalige Druselteich, um welchen man herumgehen konnte, war mit einer 
Mauer von 3 Fuß Höhe aus weißen Sandsteinquadern umgeben und zur Abdeckung mit rothen Sandsteinplatten belegt, worauf eiserne 
Staketen angebracht waren. Nach der obersten Gasse zu befand sich ein eisernes Thor mit zwei Flügeln. An der rechten Seite innerhalb 
der Mauer, einen Fuß über dem Wasser, war eine Sandsteinrinne, durch welche das Wasser zum Reinigen der Straßen mitunter angelassen 
wurde. . . In dem Teich lagerten Jahr aus Jahr ein eichene Bohlen, Gebälk, Brunnenröhren u. s. w., welche der Stadt und verschiedenen 
Schreinern gehörten. Das ruhig stehende Wasser im Teich war trüb und mit Schlingpflanzen, Schnecken und Wasserkäfern vollständig be- 
deckt, außerdem lagen auch vom Leben zum Tod gebrachte Katzen und Hunde darin, die namentlich im Sommer für die Nachbarschaft 
keine angenehme Zugabe waren. Nach viele Jahre lang andauernden Beschwerden wurde endlich der Druselteich entfernt und zwar im 
Jahre 1861". 
5 Vgl. Abschnitt „Mühlen. Druselmühle" S. 615. Pete erklärte sich 1541 bereit für 110 Gulden die Arbeit auszuführen, die 
Stadt aber sollte „alle Bereitschaft und Gezeug, was ihm dazu vonnöthen" sei, stellen, es möge Namen haben, wie es wolle. Nachträglich 
übernahm er auch dies und gegen eine weitere Bestallung von 120 Gulden die Verbindlichkeit den Teich ganz und gar auf seine Kosten 
herzurichten. Übrigens wollte er Menschenleben lang dafür stehen, daß der Teich Wasser halte und keinem Nachbar Schaden tue, daher 
denn alle Risse oder was sonst am Gemäuer vorfalle, solange er lebe, auf seine Kosten wiederherstellen, auf den Fall seines Todes aber 
dem ehrbaren Rat anzeigen, wie solchen Rissen und Wandeln jederzeit leicht abgeholfen werden könne. Nebelthau, Gebäude S. 22, schreibt 
1857: „Der wackere Meister hat getreulich Wort gehalten, denn erst vor wenig Jahren, nachdem 300 Jahre längst verflossen waren, haben 
sich die ersten nur unbedeutenden Risse infolge einer unvorsichtigen Erschütterung an dem Mauerwerk gezeigt". Nach der 1814 erschienenen 
Garküche S. 112 war der Druselteich ein „Wasserbehälter, ohngefähr von 48 Schritt Länge, und 20 Schritt Breite, 8 Fuß hoch und eben 
so viel tief". Daselbst bemerkenswerte Angaben über die Bedeutung des Teiches im Casseler Volksleben. Ähnliche Angaben bei Nebelthau, 
Druselteich, wo 21861 auch gesagt wird: „Das obere Mauerwerk rührt aus viel späterer Zeit her; das Pflaster auf demBoden ist erst wenige 
Jahre alt; aber die Grundmauern sind noch dieselben, welche der Büchsengießer Peter infolge des abgeschlossenen Vertrages 1541 und 1542 
anfertigen ließ". 
6 Stadtarchiv Cassel D 956. 
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