Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

 
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Brücken. Qääägäß 
Tafel 474, l 
sie nur noch das mittlere Häuschen wiedergibt und im Bogen über der Schlagd einen niedrigen Geländerabschluß 
bringt. Ein 1792 von J. L. J. F. Schüler aufgenommener „Prospect von der in Cassel befindlichen alten Fulda- 
brücke"1 interessiert deshalb, weil auf ihm nicht nur die „alte Fuldabrücke" von der Südwestseite erscheint, sondern 
auch „das darauf stehende steinerne Haus", „das über derselben in anno 1787 ihrer Baufaelligkeit halber angelegte 
Haeng- oder Sprengwerk", „der den 17 ten July 1792 des Morgens um halb 3 Uhr eingestürzte halbe Pfeiler", 
die „Unterschlaege, welche demnaechst weggenommen werden", und „die Pritschen zu dem neuen Brückenbau" 
verzeichnet sind. 
Wilhelmsbrücke. 
Nachdem der Einsturz der alten Brücke den Landgrafen Wilhelm lX. überzeugt hatte, daß an eine 
Erhaltung derselben nicht mehr zu denken war, entschloß er sich, seine Genehmigung zu dem von du Ry 
wiederholt geforderten Bau einer neuen Brücke zu erteilen) die er als sein Geschenk an die Stadt betrachtete." 
Mit Rücksicht auf eine bessere Zu- und Ableitung des Verkehrs, den bei der alten Brücke auch eine strenge 
Verordnung der Polizeikommission vom 9. Januar 17884 vor Stockungen nicht hatte bewahren können, erfolgte 
die Anlage des Bauwerkes weiter unterhalb des alten Flußüberganges in der Gegend des ehemaligen Jägerhauses, 
des späteren Kastells, auf der Unterneustädter und des Stadtbaues, des sogenannten Neuen Baues, auf der 
Altstädter Seite? Die im Wege stehenden Häuser des Schreinermeisters Friese, der Witwe Vogt, des Büchsen- 
machers Wunsky und der Erben des Kammersekretärs Dilling wurden abgerissen und die aus dem Abbruch 
gewonnenen Materialien am 3. Juli und 22. November 1788 öffentlich versteigerte Mit dem Abbruch der 
„alten Mauer" war bereits am 28. April dieses Jahres begonnen worden." Auch die alte Magdalenkirche mußte 
weichen. Auf diese Weise war eine unmittelbare und geradlinige Verbindung zwischen den alten Verkehrs- 
mittelpunkten der Altstadt und der Unterneustadt, dem Altmarkt und dem Holzmarkt, geschaffen. Die Nähe 
des wichtigeren dieser beiden Plätze trug der Brücke, die nach dem fürstlichen Bauherrn die „Wilhelmsbrücke" 
benannt wurde, auch die Bezeichnung der „Altmarktbrücke" ein. 
Die Pläne für das bemerkenswerte Bauwerk lieferte S. L. du Ryß Die Ausführung lag in der Hand 
Jussowsf dem vielleicht auch eine gewisse Beteiligung an der Entwurfsarbeit zugebilligt werden muß 1" und 
dem als Unternehmer der Steinmetzmeister Heinrich Abraham Wolff zur Seite stand." Ein Modell, von Wolff 
ausgeführt," klärte den architektonischen Entwurf. Den Anfang mit der Bauausführung machte man auf der 
1 Handzeichnung. Landesbibliothek Cassel. Danach Rekonstruktion der Brücke von E. Wenzel bei Brunner, Cassel Taf. 5. 
Vgl. Kopfbild auf S. 765. 
' Gerland, Du Ry S. 153 ff. 
a Brunner, Cassel S. 307. 
' Rogge-Ludwig, Fuldabrücke. 
"' Vgl. Handzeichnungen v. Jussow 1788. Landesbibliothek Cassel. 
' Rogge-Ludwig, Fuldabrücke. 
' Tagebuch der Familie Escherisch. Gümpell, Fuldabrücke. 
8 Gerland, Du Ry S. 153 f. Jacobi, Hugenotten XXV Nr. 11. 
' Gerland, Du Ry S. 155. Brunner, Cassel S. 307. Jacobi, Huggenotten XXV Nr. 21. 
1" Ein Entwurf, gezeichnet „Jussow_1788", Landesbibliothek Cassel, deckt sich im allgemeinen mit der Ausführung, weicht jedoch 
im Geländer von dieser ab. . 
" Wolff, Selbstbiographie S. 229 f. Wolff schreibt über seinen Vater und über dessen Verhältnis zu Jussow: „Mein Vater war, 
wenn auch in der untergeordneten Stelle eines Bauentrepreneurs, die_eigentliche Seele der Unternehmungen des baulustigen Landgrafen 
Wilhelm lX., denn der damalige Bauinspektor Jussow war ein plötzlich, ohne genügende Vorstudien, von der Jurisprudenz zur Baukunst 
übergetretener Architekt und war höchstens im Stande, die Zeichnung zu einem Prachtbau nach Vignola'schen und Palladidschen Rezepten 
zusammenzusetzen, nicht aber das Technische bei der Ausführung solcher Bauten zu leiten. Er erzählte mir selbst, daß er erst später, nach- 
dem er angestellt gewesen sei, durch anhaltenden Besuch der Werkstätten und Arbeitsplätze sich mit der Technik nach und nach vertraut 
habe machen müssen. Unter diesen Umständen war die Mitwirkung meines Vaters, der den Architekten ergänzen mußte, von größter Wichtigkeit, 
und seine Tüchtigkeit als Techniker - die sich durch die ihm übertragene Ausführung der Fuldabrücke sowie des Wilhelmshöher Schlosses, 
mit den künstlischen Verbindungsbögen zwischen den drei Hauptkörpern des Gebäudes, noch bis auf den heutigen Tag bewährt - wurde 
durch den ihm verliehenen zuvor nie dagewesenen Ehrentitel eines ,Hofwerkmeisters' auch von oben herab anerkannt." 
1' Wolif, Selbstbiographie S. 245. Das Modell befindet sich heute auf dem Dachboden der Landesbibliothek zu Cassel. 
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