Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

Wilhelmshöher Allee. 1 
Haus Nr. 1. Eigentümer Causid. 1882 bis 1834 Wohnung des Referendars Ernst Koch, der hier seinen 
„Prinz Rosa Stramin" schrieb. Bei Anlage der Humboldtstraße untergegangen} 
Haus Nr. 3. Gartenhaus, in Form eines Tempelsp" Eigentümerin 1841 Gräfin von Schaumburg. Untergegangen. 
Haus Nr. 9.4 Gartenhaus, auch als Haus Humboldtstraße Nr. 10 bezeichnet. Eigentümer ursprünglich angeb- 
lich der Kurfürst, später Staatsrat Wohler, jetzt Witwe Engelhardt. Steinbau, 3 Achsen, 2 Geschosse. 
3 Rundbogenarkaden im Erdgeschoß, als Tür bezw. Fenster ausgebildet, mit Kranzgesims als Kämpfer, 
der um den ganzen Bau läuft. Giebel. Klassizistisch. 
Haus Nr. 10. Gartenhaus in Form eines Pavillons, quadratisch, an den Ecken abgeschrägt. Fachwerk, verputzt 
und mit Rautenspalier überzogen. Glastüren, mit Rundbogen, schmalen Pilastern und Schlußstein. Klassizistisch. 
Haus Nr. 12. Fachwerk, verputzt bezw. verschalt, 7 Achsen, davon die 3 mittleren schwach vorgezogen, 
Tafel 442,2 2 Geschosse, mit Gurtgesimsen über dem Erdgeschoß und mit Palmetten- und Mäanderfries über dem 
2. Obergeschoß. Dachgeschoß über den schwach vorgezogenen 3 Mittelachsen, mit Giebel. Klassizistisch. 
Haus Nr. 17. Erbaut zwischen 1802 und 1804. Bauherr Maurermeister Christian Schoen. Erkauft 1817 son 
Emilie Ortlöpp, der späteren Gräfin Reichenbach, 1832 von Kommerzienrat Georg Pfeifferß Eigentümer jetzt 
Tafel 390,1 u. 1 Bankier Dr. Ludw. Pfeiffer und Schwestern. Steinbau, 6 Achsen, mit Streifenquaderung. Sockel, schlicht, an 
der Straßenfront wegen des Geländeunterschiedes tiefer geführt. Erdgeschoß, mit breiten Ecklisenen, mit 
Kreisrosette in der Mittelachse, mit dorischen Pilastern in der 2. und 5. Achse und mit Palmettenfries an der 
Straßenfront. Je eine Haustür in der 2. und 5. Achse der Gartenfront, rechteckig. Fenster in der 2. und 5. 
Achse der Straßenfront mit kannelierten Konsolen unter der Sohlbank. Balkon vor den beiden Mittel- 
achsen der Straßenfront, auf 4 schweren Steinkonsolen, mit Holzgeländer, bei Anlage des Bürgersteiges 
1 Über den Zustand 1814 schreibt die Garküche S. 8: „In der Wilhelmshöher Allee besteht die größere Zahl der Gebäude zur 
rechten und linken Hand nur aus alten, wind- und wetterbrüchigen Colonisten-Häusern, die nach der französischen Occupation, wie weyland 
auf Potemkins Reisen mit der Kaiserin Catharina die Bauernhütten, über Hals und Kopf angestrichen und dem Anschein nach renoviert 
wurden, um bonne mine ä mauvais jeu zu gewinnen und aus deren Verkauf oder Vermiethung großen Vortheil zu ziehen. Der ganz neuen 
und besseren Gebäude sind nur wenige, z. B. das des Herrn von Oeynhausen, unlängst von dem Herrn Oberbaudirektor Jussow ganz von 
Steinen in dem allerneuesten Geschmack mit einem italienischen Dach und andern kostbaren Verzierungen erbaut; die zwei massiven Häuser 
an beiden Enden des Gartens, dem Mairie-Adjuncten, Banquier und Ritter Meyer Dalamben, jetzt aber einem reich gewordenen Profeßionisten 
von Cassel gehörig; das von Schlotheimische, für die Königin bloß veränderte und mit einer Colonnade, in Form einer Kälberhalle, verzierte 
Sommerpalais, endlich das von Waitzsche und Steinbachsche Haus." Wesentlich günstiger lautet eine Beschreibung aus dem Jahre 1828. 
Vgl. Abschnitt „Stadtanlage" S. 58 f. Apell, Cassel 1831 S. 73: „An beiden Seiten der Allee sind Häuser und Gärten, unter denen sich 
manche, besonders aber ein Garten S. K. H. des Kurfürsten auszeichnet. In demselben stehet ein schönes, durch den jetzigen Oberhofbau- 
meister Bromeis in einem ganz originellen Geschmack gebauetes Gartengebäude, welches mit Treibhäusern umgeben ist." Über den Zustand 
1837 schreibt Lobe, Wanderungen S. 166: „Tritt man durch das Wilhelmshöher Tor, so befindet sich der Lustwandelnde in einer schnur- 
geraden Lindenallee, welche bis nach Wilhelmshöhe führt. Rechts und links, so weit die Stadtterminei sich erstreckt, ergötzt sich sein Auge 
an den mit Lust- und Landhäusern und schönen Gärten abwechselnden Pallästen. Die neuen in einem modernen freundlichen Style errichteten 
Gebäude von Werner, Pfeitfer, Beyer und Falk machen würdig den Anfang; weiterhin wie versteckt und nach außen unscheinbar sieht man 
das Sommerlokal der ,Euterpe' mit einem herrlichen seiner Bestimmung völlig entsprechenden Garten und einer Menge freundlich entgegen- 
kommender Mitglieder. Das schöne und hier am meisten imponierende Gebäude des Hofwagenfabrikanten Braun wird von zwei freundlichen 
Landhäusern von Siebrecht und Nahl umgeben. Gegenüber haben sich vor kurzem zwei Fabrikanten (Dr. Moldenhauer und Louis Stück) 
etabliert, deren Geschäfte Bedeutung gewinnen. Das v. Biesenrodtsche Haus mit schönen Gartenanlagen und einem Gewächshaus. Weniger 
in die Augen fallend nach Außen sind die Steinbach'schen Wohngebäude, aber die Lage derselben und der ausgebreitete Garten mit seinen 
sanft sich erhebenden Anhöhen sind zu schönen Anlagen trefflich eingerichtet und gewähren herrliche Aussichten. Natur- und Kunstschön- 
heiten wechseln hier im verjüngten Maßstabe ergötzlich ab. Den Beschluß macht von der ausgezeichneten Häuserreihe links in dieser Allee 
die gastliche, gleichsam aus dem Geräusch der äußern Glanzwelt, wie ihre freundliche Besitzerin, heraustretende und still zurückgezogene 
Gräflich Hessensteimsche Villa, rechts aber das Murhard'sche in holder Jugendlichkeit wieder hergestellte Landhaus, nicht weit von der 
Meineckischen Chokoladenfabrik." Über den späteren Zustand vgl. Hochapfel, Weinberg. 
2 Hochapfel, Weinberg S. 149: „Gleich am Anfang der jetzigen Humboldtstraße lag das Grundstück der Geschwister Causid, 
welches später auch in den Besitz der Fürstin von Hanau kam. Auf diesem Grundstück stand dicht an der Wilhelmshöher Allee ein nied- 
liches Haus mit Mansarde und grün gestrichenen Jalousien, welches von den beiden ältlichen Fräuleins Susette und Margarete Causid und 
dem Dichter des ,Prinzen Rosastraminß Dr. Ernst Koch, bewohnt wurde". 
9 Kataster. Brandversicherungs-Anstalt Cassel. 4 Abb. bei Holtmeyer, Alt Cassel Taf. 93. 
5 Akten im Besitze des Banquiers Dr. Ludw. Pfeiffer zu Cassel. 
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