Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

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Gebäude. 
 
Noch heute besitzt der Südwestflügel ein von einem großen Gurtbogen durchsetztes Hammerwerk, in dem der 
von außen heizbare Schmelzofen sich erhalten hat und noch zwei altertümliche Hämmer arbeiten} Der Nord- 
ostflügel umfaßt jetzt in der Hauptsache Lagerräume, daneben auch eine Wohnung und die Geschäftszimmer. Daß 
aber auch dieser Bauteil ursprünglich vom Werkstattsbetrieb nicht ganz frei war, beweist ein bis in das Dach- 
geschoß hinaufgreifender Raum, dessen polygonales Kuppelgewölbe in einen geräumigen Schlot mündet. lm 
Ganzen erinnert die Grundrißanordnung an einen großen, in sich abgeschlossenen Wirtschaftshof. Die zahlreichen 
schlichten Nebenbauten, die heute im Innern und Äußern des Hofes anzutreffen sind, rühren aus den verschiedensten 
Zeiten her. Von den auf einem Lageplan aus dem Ende des 18. Jahrhunderts" wahrnehmbaren pavillonartigen 
Außenanbauten an den Schmalseiten des Südwestflügels, deren Aufbau freilich unbekannt ist, scheint der nach 
der Stadt gelegene in einer jüngeren Erweiterung sich noch erhalten zu haben. Er stellt sich als ein quadratischer, 
gewölbter, an den drei Außenseiten geöffneter Vorbau, vielleicht eine Unterfahrt für Wagen oder eine Wage, 
heraus. An die Art des ursprünglichen Betriebes im Hammerwerk erinnern an der Außenseite der Anlage die 
Wasserräder, die sich am Südwestflügel im Bette eines Nebenarmes der Losse finden. 
Der Aufriß verleugnet auch in seiner jetzigen Form weder die gewerbliche Bestimmung noch die herr- 
schaftliche Herkunft der Anlage. Die beiden Hauptgebäude, in Bruchstein errichtet und offenbar für Putz berechnet, 
sind an den Stirnseiten durch gut geschwungene Giebel abgeschlossen, deren Voluten ebenso wie die horizontalen 
Trennungsgesimse als Kernmauerwerk des Putzüberzuges Backstein zeigen. Die hohen, mit Biberschwänzen und 
Pfannen gedeckten Dächer werden von kräftigen Essen überragt. Die Gewände der zweigeteilten Fenster bestehen 
teils aus Sandstein, teils aus Eichenholz. Die Architekturformen bewegen sich noch ganz im Rahmen der 
Renaissance, für Landgraf Karls Entwicklung eine beachtenswerte Tatsache. Über dem der Stadt zugekehrten 
Hoftor ist als besonderer Schmuck das hessische Wappen, darunter zwischen zwei ruhenden Löwen das Signum 
„C. L. Z. H." und unter diesem die Jahreszahl 1779 angebracht. Das auf dem Schlußstein des Torbogens an- 
gebrachte kleine Schild ist nicht ausgefüllt, während es auf dem gegenüberliegenden Tor der Südostmauer den 
hessischen Löwen und ebenfalls die Buchstaben „C. L. Z. H" trägt. Ein anderes Schmuckschild und zwar ein mit 
Rocailleverzierung umrahmtes Medaillonoval mit dem Monogramm Friedrichs ll., bekrönt die Eingangstür in das 
Werkhaus. 
Ofenplatte, in der nordwestlichen Hofmauer eingelassen. Allianzwappen des Landgrafen Wilhelm Vl. von 
Hessen und der Landgräfin Hedwig Sophie von Hessen mit seitlichen Löwen und oberer Krone. Auf 
oberem Spruchband „W. 6. L. H H. S. L. H." unten „1680". Gußeisen. 
Sonnenuhr an der Hofseite des Nordostflügels. Rechtecktafel mit „ANNO 1826" 
Kupferhammer. 
Zu den von Landgraf Karl am Laufe der Losse gegründeten lndustrieanlagen gehört auch der oberhalb 
des Messinghofes zwischen dem Eichwäldchen und dem Lindenberg gelegene Kupferhammerß Die nicht näher 
überlieferte Entstehungszeit dieses Hammerwerkes wird man mit der des Messinghofes annähernd gleichsetzen 
also um 1680 annehmen dürfen. Ein Müller auf der Fürstlichen Kupfermühle vor Cassel, Konrad Fernberg 
mit Namen, erscheint 1705i Aus der Geschichte der Anlage ist so gut wie nichts bekannt. Feststeht, daß 
ehedem von hier das Kupfer gehämmert und gewalzt an den Messinghof geliefert wurde. Beide Werke er- 
gänzten sich also. Engelhard," der auf eine Verfügung vom 25. Januar 1771 wider die Einführung fremden 
Kupfers und Messings hinweist, berichtet 1778, daß im „Kupferhammer, der von Herrn Landgrafen Carl er- 
bauet worden, allerley messingene und kupferne Waaren, an Drahte, Kattun, Kesseln, Pfannen, Boden, Brau- 
1 Eberth, Bilder I Taf. 1 u. 23. 
' Stadtplan v. Stockhausen 1798-1800. 
3 Piderit, Cassel S. 217. Müller, Metallindustrie. 
' Stadtarchiv Cassel C 414. 
5 Erdbeschreibung I S. 138. 
Brunner, Cassel S. 200. 
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