Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

Konvent Peter Scherer als Probst annahm, wurde unter anderem festgelegt, daß er beim Austun der „grabemolle" 
und der „molle in der Nuwenstadt" einen Weinkauf von ie einem Gulden erhalten sollte} Eine Abbildung der 
Mühle aus der letzten Zeit ihres Bestehens erscheint auf Müllers Stadtplan) "m" 
Zweiter Bau. 
Nach der Säkularisation trat bei der Mühle eine Besitzverschiebung zu Gunsten des Landgrafen ein, 
der in den Jahren 1555 und 1556 die Anlage in stattlichem Umfange neu errichten ließß Im Jahre 1571 
vervollständigte ein vielgerühmtes „Hangelwerk" die Ausstattung} Winkelmannp" der auch dieses „Hengelwerk" 
hervorhebt, berichtet 1697 nach Meriansß Vorgang, daß die „statliche Mühle 6 Gänge" hatte. Er erwähnt 
„darbey eine sehr kunstreiche Schleusse, wordurch die Schiffe auf- und abfahren müssen. Auch hat es hierbey 
eine schöne Roß-Mühle von 4 Gängen, und noch viele Hand-Mühlen, so alle .im Fall der Noth wol zugebrauchen 
sind." Schminke," der 1767 die gleichen Angaben macht und den Platz der Roßmühle an der Stelle des Gieß- 
hauses angibt, fügt noch die Mitteilung über eine Inschrift hinzu. „Über dem Eingange stehet das Fürstliche 
Wappen, unter welchem diese Inschrift: Von G. G. Philips Landgr. zu Heß. Oben aber: G. S. Z. B. nebst 
der Jahrzahl herum 1555." Während Engelhard 8 1778 auf die Eigenarten der Mühle nicht näher eingeht, bemerkt 
1805 Krieger} daß die Roßmühle und die Handmühlen verschwunden seien. Im Gegensatz zur Unterneustädter 
Mühle führte die am Rande der Altstadt gelegene Mühle auch den Namen der Altstädter Mühle," der indessen 
hinter dem der Ahnaberger Mühle 11 zurücktrat. 
Zeitweise war der Betrieb der Mühle und auch die Schiffahrt durch den trägen Ablauf des Schleusen- 
und Mühlenwassers so sehr beeinträchtigt, daß die unteren beiden Mahlgänge zum Stehen kamen. Eine Beschwerde 
des Mühlenschreibers vom Jahre 1672 12 führt diese Erscheinung auf Senkstoffe zurück, welche unterhalb der 
Mühle von den Waschstellen der Lohgerber an der Ahna angeschwemmt wurden und das Bett des Mühlgrabens 
versandeten. Am 1. August 1869 brannte die Mühle, als deren lnhaber 1854 die Kinder des Erbleihebeständers 
Konrad Schmidt erscheinen," nieder. 
Eine Ansicht des Bauwerkes bringt 1646 Merian." Die wohl nicht in allen Teilen genaue Abbildung 
gibt die an der Außenseite des Walles gelegene Mühle als längliches Gebäude mit Satteldach und massiven Stirn- 
giebeln wieder. Auf der nördlichen Schmalfront erscheint ein kurzer Verlängerungsbau. Die äußere Längsseite 
zeigt drei freiliegende Räder. Ein verdeckter Steg verbindet das Haus an der südlichen Schmalseite mit dem 
Großen Finkenherd. Den Grundriß gibt 1673 zuverlässig Wessel 15 wieder. Das mit seiner Rückfront an den 
Wall der späteren Stadtbefestigung sich anlehnende massive, als „Anaberger Mühle" gekennzeichnete Bauwerk 
bildet einen einzigen, rechteckigen Raum, dem sich an der nördlichen Schmalseite, mit der Wasserfront ein- 
fluchtend, ein kleiner quadratischer Nebenraum vorlegt. Zwei winzige, mit Kreuzgewölben abgedeckte Räume 
finden sich in entsprechender Lage an der Außenecke der südlichen Schmalfront. Von ihnen aus führt der Steg 
zum Finkenherd. Den Zugang zu der an der westlichen Längsseite befindlichen Tür der Mühle bildet ein durch 
' Schultze, Klöster Urk. Nr. 560 u. Anh. Nr. 16. 
' Stadtplan v. Müller 1547 u. 1548. 
3 Nebelthau, Gebäude S. 28. Hessenland II S. 44 
4 Dilich, Chronica S. 160. 
5 Hessen II S. 287. 
' Topogr. Hass. Anh. S. 15. 
1 Cassel S. 233 u. 246. 
a Erdbeschreibung I S. 128. 
9 Cassel S. 151. 
1' Stadtplan v. Selig 1781. 
" Stadtplan v. Selig 1822. 
" Stadtarchiv Cassel J 106 a. 
" Kataster. Brandversicherungs-Anstalt Cassel. 
"l Stadtplan v. Merian 1646. Vgl. auch die ungenaue Abbildung auf Stadtansicht v. Braun u. Hogenberg 1572. 
15 Stadtplan v. Wessel 1673. 
Tafel 8 
Tafel 9 

	        

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