Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

ln den Häuserverzeichnissen des Jahres 16055 wird das Gebäude als „Unsers g. f. vndt herrn new saltzhauß" 
bezeichnet. Über die Geschichte des Hauses, das in den älteren Stadtbeschreibungen eine untergeordnete Rolle 
spielt," in der neueren Literatur aber wiederholt Berücksichtigung gefunden hat} ist wenig bekannt. Merian 8 erwähnt 
1655 das Gebäude als „ein gantz steinernes hohes Hauß, auf? 2 seyten gebauet, an grösse dem Schloß zu Eschwege 
gleich, so das Saltzhaus genannt, vnd zum Proviant verordnet". Ebenfalls als ein „zum Proviant verordnetes 
Hauß" führt 1697 Winkelmann" das Gebäude auf. Auch noch zu Schminkes Zeit 1767 1" diente das Haus 
„zur Aufbehaltung des herrschaftlichen Salzvorraths", der zum Teil ein Alter von fast 200 Jahren aufweisen konnte; 
doch war in ihm „auch 1764 die öffentliche Accis-, Licent- und Zollstube angelegt worden, wo sich auch die- 
jenigen, so der Marktschiffe sich bedienen wollen, zu melden" hatten." 1770 findet sich das Gebäude als „das 
.sog. Salzhaus" aufgeführt," ein Zeichen wohl dafür, daß es von seiner ursprünglichen Bestimmung viel verloren 
hatte. In der Tat soll es nicht nur die Accise, sondern auch die Renterei und das Amt Ahna aufgenommen 
haben, sodaß es schließlich den Namen des „alten Salzhauses" annahm. 1817 wurde das Gebäude von Kurfürst 
Wilhelm l. zur Förderung der Vaterländischen Industrie den beiden Handlungshäusern Broeckelmann und Lorenz 
sowie Sander und Co. aus Bremen zur Anlegung einer Zuckerfabrik auf Erbleihe gegebenßs 1835 erscheint 
als Erbleihebeständer der Fabrikant Karl Wüstenfeld." Nach dessem Tode ging die „Wüstenfeldsche Zucker- 
fabrik", die später die Bezeichnung „Hessische Zuckerfabrik" erhielt, an Berninger über, dessen Erben das Haus 
an Gewerbetreibende und sonstige Personen vermieteten. Seit 1913 befindet sich das Gebäude im Besitz 
der Stadt, welche die größeren Räume des Hauses ursprünglich als Lager benutzte, dann aber zu Wohnungen 
durchbauteßä 
Äußerlich ist das Bauwerk verhältnismäßig unentstellt überkommen. Es besteht aus zwei ursprünglich 
gleich hohen Flügeln, die im rechten Winkel aneinander stoßen. Der an der Schlagd gelegene, mit der Grenze 
der alten Marktsiedelung einfluchtende Hauptflügel umfasst auf der Fuldafront sieben, auf den beiden Schmal- 
seiten je drei Achsen. Sein Erdgeschoß, das sich durch seine Höhe auszeichnet, muß ursprünglich mit Kreuz- 
gewölben abgedeckt gewesen sein. Die erheblich niedrigeren drei Obergeschosse besitzen Balkendecken. Die 
Fenster, die im Erdgeschoss normale Höhe aufweisen, in den drei oberen Stockwerken aber sehr niedrig aus- 
gefallen sind, zeigen die Form der gekuppelten, in den Gewänden profilierten Rechtecköffnungen. Wesentlich 
interessanter als der Oberbau des Hauses, der in den großen Räumen seine Eigenschaft als Magazin nicht ver- 
leugnet, ist das Sockelgeschoss, das im Geländegefälle nach der Fulda zu äußerlich fast ganz in die Erscheinung 
tritt. Es umfasst, den Achsen des Flügels entsprechend, sieben parallel geschaltete, mit der Tonne abgedeckte 
Kammern, die sich nach der Schlagd in einer größeren und einer kleineren Rechtecköffnung erschließen, mit 
Ausnahme der Mittelkammmer, die auf der Vorder- wie Hinterfront einen jetzt zugesetzten, offenbar als Durch- 
"fahrtstor angelegten breiten Rundbogen zeigt. Das Dach wird durch einen nachträglich aufgesetzten Drempel ent- 
stellt. Der nach der Straße Vor der Schlagd gerichtete dreigeschossige Nebenflügel umfasst auf der Hauptfront 
"drei, auf der Schmalfront zwei Achsen mit gekuppelten Fenstern, wie sie das Erdgeschoss des Hauptflügels auf- 
weist. Seine Mitte krönt ein zweiachsiger Drempelaufbau mit Schnörkelgiebel. lm Erdgeschoss haben sich die 
alten oblongen Kreuzgewölbe nicht mehr erhalten. Die Obergeschosse wiederholen die Balkendecke. Den ein- 
räumigen Keller schließt eine Rundbogentonne ab. Das auf der Schmalfront befindliche große rundbogige Ein- 
5 Stadtarchiv Cassel E. 16 u. K. 36. 
' Engelhard, Erdbeschreibung I S. 99. Krieger, Cassel S. 137. Lobe, Wanderungen S. 119 f. 
" Nebelthau, Gebäude S. 29. Losch, Chroniken S. 25. Stölzel, Anl. d. Stadt Cassel. Brunner, Anl. d. St. Cassel. 
3 Topogr. Hass. Anh. S. 15. 
9 Hessen II S. 284. 
1" Schminke, Cassel S. 222. 
" Vgl. Woringer, Zoll S. 118. 
"i Kataster. Brandversicherungs-Anstalt Cassel. 
l: Wagner, Schützenkaserne. 
u Kataster. Brandversicherungs-Anstalt Cassel. 
15 Über die Beziehungen des Salzhauses zum Kommißhaus vgl. Abschnitt „Kommißhaus" S. 423 ff. 
Tarenäsz u. ssa 
 
 
 
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