Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

dem Bau Amt zu communicieren, daß darinnen so wohl das nöthige Emplacement vor die Spiegel Fabrique 
angelegt, als auch die erforderliche Boutiquen angebracht werden; wes ends der Professor Dury einen Riß und 
Überschlag zu formieren hat".1 Die Verbindung des nordöstlichen mit diesem neuen südwestlichen Flügel 
muß bis zum Jahre 1778 erfolgt sein? Sie bestand aus einem im Hintergründe des Platzes vor den Grund- 
stücken des Oberbaumeisters du Ry und des Kriegsrats Grimmel entlang laufenden Querbau, den ein Mittel- 
risalit schmückte. "Die auf einem Stadtplan des Jahres 1766 ' eingetragenen Zwischenbauten an der Königs- 
straße, die einen mittleren Durchgang freilassen und Verkaufsbuden bedeuten, sind nicht zur Ausführung ge- 
kommen. Sie erscheinen weder auf einem Stadtplan des Jahres 1768} der möglicherweise noch als Entwurf 
anzusprechen ist, noch auf einem Stadtplan von 1781,45 der sicher den vorhandenen Zustand bringt. Vielmehr 
bildete der Erweiterungsbau nach der Königsstraße einen offenen Hof. „Die zween Flügel des Meßhauses nach 
der Königsstraße hin", heißt es in einer Beschreibung des Jahres 1778,"' „schließen einen artigen, obgleich 
nicht sehr großen viereckigen Raum ein, der mit Buden und Gewölbern für die Kaufleute, die im Fuße des 
Gebäudes selbst angeleget sind, und einem davor herlaufenden bedeckten Gange versehen ist, und der Meß- 
platz heißet". 
Über die Benutzung des Hauses um diese Zeit gibt ein Bericht des Jahres 1781 7 Auskunft. Das 
Meßhaus, das als ein sehr großes und bequemes Gebäude bezeichnet wird, war „sowohl unten- als obenher, 
an beyden Seiten derer Hauptgänge mit Kaufleuten allerley Art besetzt. An sogenannten Galanterie-Waaren 
und Kostbarkeiten, als Juwelen, Uhren, goldenen Dosen und dergleichen, trift man da einen reichen Ueberfluß 
an; so viel wenigstens gewiß, und vielleicht noch mehr, als in denen sonst großen Messen. Die obersten Gänge 
sind breit, bequem, dabey sowohl erleuchtet und gedielt, wie gewöhnliche Zimmer; so daß es weit angenehmer 
ist daselbst spazieren zu gehen, als in dem engen und lüftigen Römer zu Frankfurt, und dem nicht viel be- 
quemeren Auerbachshof zu Leipzig. Dieses Haus hat auch viele Stiegen und Ausgänge in unterschiedene 
Straßen; so daß bey etwaiger Feuersgefahr von allen Seiten herbeygekommen und geflüchtet werden könnte. 
Vormittags von 11 bis 1 Uhr trift man das sogenannte Beau monde daselbst an; Stadtleute gehen mehr Nach- 
mittags dahin. Der Herr Landgraf Selbst besuchen jedwede Messe gewöhnlich nur zweymal, kaufen aber jedes- 
mal vor große Summen ein, und theilen damit Fürstliche Geschenke aus". Nach einem Berichte des Jahres 
1792 3 befand sich im Meßhause außer dem Kommerzienkollegium und der Gesellschaft des Ackerbaues auch 
das herrschaftliche Spiegelmagazin. 1808 ist die Rede davon, daß das Kommerzienkollegium nur noch die 
Eigenschaft als Handelsgericht besaß, das während der Messen seine Zusammenkünfte im Meßhause abhielt, 
und daß seine Räume auch für die Sitzungen des Friedensrichters des ersten Kantons dientenß 1 
Aufgegeben wurde der Gedanke, auch längs der Königsstraße einen Flügel zu errichten und somit den 
Baublock zu schließen, keineswegs. Ein erneuter Ansatz, die Lücke an der Königsstraße auszufüllen, kann 
vielleicht bereits in dem auf annähernd quadratischer Grundlage entstandenen isolierten und wenig umfangreichen 
Gebäudekörper angenommen werden, der im Zeitraum von 1781 bis 1787 auf einigen Stadtplänen zwischen 
den beiden Flügeln in der Flucht der Königsstraße erscheint und auch noch 1794 1" und 1806" sich feststellen 
läßt. Aus den Akten 1' ist zu ersehen, daß dieser „Pavillon", der die Meßwage enthalten sollte und Gegenstand 
' Staatsarchiv Marburg O. St. S. 7391. 
2 Engelhard, Erdbeschreibung I S. 113. 
3 Stadtplan (Oberneustadt) v. Krug 1766. 
4 Stadtplan v. du Ry 1768. 
5 Stadtplan v. Selig 1781. 
' Engelhard, Erdbeschreibung I S. 87. 
" Günderode, Briefe S. 180 f. 
' Apell, Cassel 1792 S. 83. 
"9 Stadtarchiv Cassel C 32. 
W Stadtplan v. Kunckell 1794. 
" Stadtplan 1806. 
l" Staatsarchiv Marburg O. St. S. 7391 u. M. St. S. 6218. 
Q QQQQQQQ 594 
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.