Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

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J Gebäude. Qäääääääääääääää 
Tafel 350 
Tafel 118.1 
An der Südostecke liegt der „Vorgang" mit demTreppenhaus und der an der Schmalseite des Hauses angeordneten 
Haustür. Der Anbau ist als „Oberster Stadtkeller" bezeichnet und, da eine Türverbindung mit dem Hauptbau 
fehlt, andrerseits aber eine Außentür nach dem Ledermarkt vorhanden ist, wohl als Eingangsraum zum eigent- 
lichen, tiefer gelegenen Keller anzusehen. Der anstoßende Winkeleinbau ist als „zum obersten Stadtkeller ge- 
hörig" gekennzeichnet. Neben ihm befindet sich die „Einfahrt ins Tuchhaus", der Haupteingang von der Seite 
des Ledermarktes her. Den Rest der Hauptfront verdeckt ein schmaler „Schuppen, worin die Wasserfässer 
verwahrlicht stehen". 
Eine jüngere Aufnahme des Grundrisses von .l. Rudolph 1 zeigt insofern Unterschiede, als einige der 
Einbauten wieder beseitigt sind und an Stelle des Faßschuppens die Hauptwache getreten ist. Wichtiger ist 
der zugehörige Aufriß, der die Front nach dem Ledermarkte wiedergibt. Das zweigeschossige Haus erscheint 
als Putzbau. Durch seine Höhe zeichnet sich das Erdgeschoß aus, das in der spitzbogigen Einfahrt noch ein 
Merkmal seiner gotischen Entstehungszeit bewahrt hat. Die hart unter der Traufe angebrachten jüngeren 
Fenster des Obergeschosses zeigen rechteckiges Format, das auch sonst am Bau sich wiederholt. Rundbogig 
geschlossen sind die offenbar als Luken zu denkenden Öffnungen in der Mittelachse eines Schnörkelgiebels, der 
an der Spitze noch das Loch für den Kelier zeigt und anscheinend den Renaissance-Ersatz des mittelalterlichen 
Windeerkers darstellt. Das Dach wird durch ältere und jüngere Gaupen belebt. Der gleichfalls geputzte Anbau, 
dessen Fachwerkgiebel an der Spitze ebenso wie die Stirnseiten des Hauptbaues Krüppelwalm zeigt, besitzt im 
Erdgeschoß Kreuzstockfenster; der zum Weinkeller führende Eingang gibt sich als ein etwas unter Gelände 
versenktes Rundbogenportal zu erkennen, dem man besondere Verzierungen nicht mehr ansieht. Als Flickwerk 
und bescheidenes Anhängsel stellt sich der niedrige schlichte Einbau im Winkel zwischen Haupt- und Neben- 
flügel heraus. Dagegen verleugnet der Anbau des Wachthauses auch im Äußern nicht seine herrschaftliche 
Herkunft und militärische Bestimmung." Alles in Allem muß das Kaufhaus mit seinen Anbauten eine recht 
malerische Gruppe gebildet haben, die in Verbindung mit der Martinskirche ein wirkungsvolles Architekturbild 
abgab. Eine perspektivische Ansichtß die nicht lange vor dem Abbruch aufgenommen sein kann, lehrt, daß 
mit dem Hause zum mindesten ein Stimmungswert verschwunden ist. 
Kaufhallen. 
Wie Schminke4 im Jahre 1767 berichtet, ließ Landgraf Friedrich ll. 1764 das abfallende Gelände des 
Marställer Platzes dadurch begradigen, daß er eine Terrasse anlegte. Diese Terrasse, die übrigens immer noch 
eine gelinde Neigung aufwies, wurde an der Vorderseite durch eine Futtermauer abgeschlossen. Der Land- 
graf ließ nämlich „nach der Länge des Platzes in gerader Linie eine Mauer ziehen, welche an beyden Seiten 
sich in einem Zirkelstücke endiget, und nach dem Abhang der Höhe erniedriget. ln der Mitten dieser Mauer, 
welche durch Platten mit einem Rundstab gedeckt, ist eine Treppe angelegt. Wenn man dieselbe hinauf 
steigt, so siehet man allda einen halben Zirkel, der sich an das gerade Stück Mauer schließet, und wovon die 
Mitte der Treppe der Mittelpunkt ist. Dieser ist mit wilden Kastanienbäumen bepflanzt, und unter der Mauer 
stehen solche ebenfalls in doppelter Reihe, welches nicht nur eine angenehme Aussicht verursacht, sondern 
auch einen kleinen Spapiergang abgiebt, der zugleich mit steinernen Ruhebänken versehen worden. Um den 
obgedachten halben Zirkel befinden sich doppelt gegen einanderstehende Kramerladen". Schminkes Be- 
schreibung wird ergänzt durch Engelhards 5 Angaben, der 1778 über den Marställer Platz berichtet: „Er lieget 
an einem gelinden Abhange, und die untere breitere Seite, an welcher die Straße von dem Schlosse nach dem 
Stadtmarkte vorbey gehet, ist mit wilden Kastanienbäumen besetzet, hinter denen in halber Rundung eine 
' Handzeichnung in unbekanntem Privatbesitz. Photogr. Aufnahme Denkmälerarchiv Cassel. 
2 Vgl. Abschnitt „Hauptwachäi 
' Steinzeichnung v. F. W. Selig. 
' Cassel S. 264 f. 
5 Erdbeschreibung l S. 77. 

	        

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