Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

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das wohl mit einem der vorgenannten Wohngebäude gleichbedeutend ist. Es wurden idarin Sträflinge der ver- 
schiedensten Art verwahrt, die schwereren „in Eisen". 
Die Zeit der Entstehung des Neubaues ist bekannt. I lm Jahr 1663 stellten die Beamten zu Cassel, 
Schultheiß und Rentmeister vor, daß die bisherigen Hauptgefangenentürme, der Drusel- und Zwehrenturm, in 
einem sehr baufälligen Zustande sich befänden und daß insbesondere die Dächer so schadhaft seien, daß die- 
Insassen unmittelbar dem Regen ausgesetzt seien. Auch komme es vor, daß die Gefangenen mit Schwachheit 
befallen und alsdann in den Türmen nicht gehalten werden könnten, sondern in warme Stuben gebracht werden- 
müßten. Andere Personen würden von der Regierung, dem Konsistorium und dem Amte selbst in Arrest ge- 
setzt und dieser Arrest sei in des Gefangenwärters Haus. Dieses aber und das des Eisenschließers seien so 
baufällig, daß sie keine Sicherheit böten. Daher beantragen sie deren Abbruch und den Bau eines größeren 
Gefangenhauses an deren Stelle, der auch zur Ausführung kam} ' 
Als Gefangenhaus diente das Gebäude ebenso wie der Druselturm bis in das letzte Drittel des 18. Jahr- 
hunderts. 1762 berichtete der Baumeister Jussow, „daß das Gefangenhaus durch die darin verwahrten französi- 
schen Gefangenen der Gestalt ruiniert worden, daß Reparaturen an Mauern, Thüren, Fenstern, Eisengittern, 
Oefen und Pritschen nothwendig seien"? Die daraufhin im folgenden Jahre vorgenommenen Ausbesserungen 
scheinen nicht ausreichend gewesen zu sein, denn es erfolgte bald darauf die Erbauung eines neuen Gefangen-a 
hauses, das an einer weniger belebten Stelle der Stadt seinen Platz fand. 
Über das Aussehen des Hauses, das wohl nichts Besonderes darstellte, ist nichts bekannt. Auf einem 
Stadtplan des Jahres 17663 erscheint sein Grundriß als Rechteck. Die jetztan Stelle des Gefangenhauses. 
stehenden Gebäude enthalten keine älteren Restef. 
Gefangenhaus am Leipziger Platz. 
Als Ersatz für das Gefängnis am Druselplatz entstand unter der Regierung Landgraf Friedrich ll. in. 
den Jahren 1772 bis 1774 das Gefangenhaus am Leipziger Platz} Es trat nicht bis unmittelbar an den Platz 
heran, sondern hatte seine Stelle hinter dem zum Leipziger Tor gehörigen Wachthause, das seinen Standort- 
am Nordostrande des ovalen Platzes hatte. Diese versteckte Lage wurde als ein ästhetischer Vorzug an- 
gesehen}; lm Gegensatz zu den militärischen Strafanstalten führte das Gebäude den Namen des Zivilgefangen- 
hauses. Es diente „zu gefänglicher Aufbehaltung der noch in der Inquisition befindlichen Missethäter bis zu 
deren Verurtheilung".7 Später kamen auch die Strafgefangenen und die Schuldgefangenen in das Haus. Es 
fand jedoch eine räumliche Scheidung statt, indem die Zusammenlegung von Gefangenen der verschiedenen 
Gattungen mehrfach verboten wurde. Nach Einverleibung Kurhessens in den preußischen Staat erhielt das 
Gefangenhaus die Bezeichnung „Kreisgerichtsgefängnis". Das Gebäude fiel, als in den siebziger Jahren des 
vorigen Jahrhunderts der größere Neubau zustande kam, der bereits in den vierziger Jahren unter der kurfürst- 
lichen Regierung geplant iwar und der in dem bis an den Rand des jetzigen Unterneustädter Kirchplatzes vor- 
tretenden Landgerichtsgefängnis vorliegt. 
Das Gefangenhaus war ein einfaches Bauwerk mit rechteckigem Grundriß und ohne besonderen kunst- 
geschichtlichen Belang. 
1 Nebelthau, Kollektaneen, Stadtarchiv Cassel. Brunner, Gefängnisse. 
2 Neuber, Gefängnißwesen S. 41. 
3 Stadtplan v. Wasserhahn 1766. 
4 Diemar, Gefängnisse: „Bei den Bauveränderungen an und neben dem alten Gefangenhause vor mehreren Jahren (vor 1888) fand 
sich ein männliches Skelett in einem ziemlich erhaltenen Sarge, es scheinfdies ein damaliger Gefängnißwärter gewesen zu sein, der hier 
provisorisch begraben, später aber vergessen worden ist. Dergleichen Begräbnisse waren dahier während der Belagerungen der Festung im 
siebenjährigen Kriege, da die Todten auf dem alten Todtenhofe nicht beerdigt werden konnten, nicht selten". 
5 Neuber, Gelängnißwesen S. 41H. Brunner, Gefängnisse. 
' Bibra, Cassel S. 33. 
' Engelhard, Erdbeschreibung I S. 104. Krieger, Cassel S. 154 f. 
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