Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

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Gebäude. 
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Gewehren versehenen Wache. Das Ganze hatte nur einen Eingang nach Norden, dicht neben der Treppe, zu 
dem schmalen Gäßchen, der Seidenstrumpf genannt, war übrigens mit fließendem Wasser hinlänglich versehen". 
Den einzigen Rest des Stockhauses am Neuen Tor stellen die Bruchsteinwände des Kellergeschosses 
dar, die sich unter dem obenerwähnten Wohngebäude Nr. 14 der unteren Karlsstraße finden. 
Spinnhaus. 
Spinnhaus in der Schäergasse. 
Vom Spinnhaus in der Schäfergasse, das auch den Namen Strickhaus führte, ist wenig mehr bekannt, 
als daß die Anstalt, die offenbar der Unterbringung weiblicher verwahrloster Personen diente, ihren Platz neben 
dem Zuchthaus in derselben Gasse hatte} Über die Gründung scheint nichts festzustehen; doch mag auch 
dieses Besserungshaus von demselben Landgrafen Moritz ins Leben gerufen sein, der das Zuchthaus stiftete. 
1605 war die Anstalt noch nicht vorhanden, da sie im Häuserverzeichnis dieses Jahres nicht enthalten ist. Ob 
sie mit dem Zuchthaus gleichzeitig entstand, kann fraglich erscheinen, da sie im Gründungsjahr des 
Zuchthauses 1618 nicht ausdrücklich genannt wird. Indessen kann sie nicht viel jünger sein, da ein 
l-läuserverzeichnis vom Jahre 1623 2 neben dem Zuchthaus auch das „Strickhaus" aufführt. Der Umstand, daß 
in diesem Verzeichnis das Strickhaus die Nr. 173 und das Zuchthaus die Nr. 174_der Schäfergasse bildet, läßt 
annehmen, daß das Strickhaus jenes südwärts an das Zuchthaus sich anschließende Gebäude war, das bei Merian 
1646 3 im Aufriß erscheint. Es ist als zweigeschossiger Massivbau mit rechteckigem Grundriß dargestellt, dessen 
Satteldach sich gegen die hochgezogenen, in Schornsteinköpfen endigenden Giebel totläuft. Ein niedriges 
bedachtes Tor schließt die Lücke zwischen dem Gebäude, das im Straßengiebel eine Tür zeigt, und den in 
der Fortsetzung der Schäfergasse gelegenen Bürgerhäusern. Die Darstellung des Gebäudes als solchen wird 
man mit einiger Vorsicht aufzunehmen haben, da Grund zu der Annahme vorhanden ist, daß das Haus noch 
zur Baugruppe des alten Zeughauses gehört, die aus Fachwerk bestand. Bei der Unklarheit der Bezeichnung 
der Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Zeughausesf und bei dem Wechsel, der anscheinend in der Be- 
nutzung der Häuser eintrat, wird sich etwas Zuverlässiges über das Spinnhaus kaum sagen lassen. 1673 war, 
wie der Plan von Wesselß lehrt, das Haus verschwunden. Als Ersatz kann in gewissem Sinne das 1747 
in der Unterneustadt entstandene Spinnhausß angesehen werden. Wo in der Zwischenzeit die besserungs- 
bedürftigen Frauenspersonen untergebracht waren, ist unbekannt. 
Tafel 8 
Tafel 9 
Spinnhaus am Mühlenplatz. 
Den Namen Spinnhaus führte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein am Mühlenplatze in der 
Unterneustadt gelegenes Gebäude, das sich mit seiner Rückseite an die Stadtbefestigung anlehnte. In dieser 
Besserungsanstalt wurden „lüderliche und anderer Verbrechen sich schuldig gemachte Weibsbilder täglich bei 
Strafe der Schläge zu einer vorgeschriebenen weiblichen Arbeit angehalten." 7 Das Haus muß 1747 entstanden 
oder wenigstens begonnen sein} ln einem Berichte vom April des folgenden Jahres9 findet sich die lBe- 
merkung, daß „die Baukosten des neu aufgerichteten Spinnhauses sich auf 1932 Rthlr. 18 Alb. 8 Hl. belaufen." 
1 Vgl. Abschnitt „Zuchthaus in der Schäfergasse". S. 578 ff. 
' Handschrift Stadtarchiv Cassel K 36. 
' Stadtplan v. Merian 1646. 
4 Vgl. Abschnitt „Stockhaus am Ehrenpreis". S. 577 ff. 
' Stadtplan von Wessel 1673. Auf dem Stadtplan v. Roth 1736 erscheinen noch Gebäude. 
' Vgl. Abschnitt „Spinnhaus am Mühlenplatz". 
7 Schminke, Cassel S. 245. Krieger, Cassel S. 154. 
' Neuber, Gefängnißwesen S. 56, glaubt, daß die Eröffnung des Spinnhauses im Jahre 1751 erfolgt sei, weil das Spinnhaus- 
Kirchen-Protokoll auf der ersten Seite die Eintragung enthält: „angefangen den 28. Mai 1761". Brunner, Gefängnisse, gibt 1751 als Jahr 
der Erbauung an. 
9 Kammer-Archiv X 4. Staatsarchiv Marburg. 
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