Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

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Gebäude. 
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habe. Für diese Annahme spricht sehr stark die Tatsache, daß am Ende der Engen Gasse, also noch nach dem 
Ehrenpreis zu, sich ein öffentliches Gebäude feststellen läßt, das zur Gruppe jener Besserungshäuser gehört, die 
auf dem Gelände des ehemaligen Zeughauses an der Schäfergasse lagen, während man im oberen Teile des 
Pferdemarktes vergebens nach Häusern öffentlichen Charakters sucht. Dieses Gebäude findet sich auf Merians 
Stadtplan dargestellt, der in der 1646 erschienenen Topographia Hassiae enthalten ist} Es stellt sich als ein 
dreigeschossiger massiver Baukörper über rechteckigem Grundriß dar, dessen Satteldach gegen zwei überstehende 
Giebel sich totläuft und dessen eine Schmalfront sich der Engen Gasse an der Stadtmauer zuwendet. Wieweit 
der Aufbau im Einzelnen stimmt, mag dahinstehen, doch wird man annehmen dürfen, daß an dieser Stelle sich 
tatsächlich ein öffentliches Gebäude befand. Dieses Haus als Stockhaus anzusprechen könnte insofern bedenklich 
erscheinen, als das Stockhaus schon 1639 abgebrochen war. Indessen das Bedenken dürfte schwinden, wenn 
in Rechnung gesetzt wird, daß Merians Plan bereits früher entstand} Es mag auffallen, daß im Häuser- 
verzeichnis von 1605 das Stockhaus nicht genannt und insbesondere daß es weder am Ehrenpreis noch auf 
dem Gelände des alten Zeughauses aufgeführt wird. Allein recht wohl möglich ist, daß das Gebäude um diese 
Zeit garnicht mehr als Stockhaus diente und nur noch im Volksmunde den alten Namen führte, den es bis zu 
seinem Abbruch beibehielt. Nicht ausgeschlossen erscheint, daß es eines der beiden Häuser ist, die das Häuser- 
verzeichnis auf dem Gelände des ehemaligen Zeughauses in der Schäfergasse vermerkt, nämlich entweder das 
alte Zeughaus selbst oder das Zeugwärterhausß Trifft diese Annahme zu, so wird man damit zu rechnen 
haben, daß das Haus aus Fachwerk bestand} und dann wird auch begreiflich, weshalb es kurz vor 1639 so 
baufällig war, daß es in die Gasse, nämlich die Enge Gasse, zu fallen drohte. Völlige Klarheit über die genaue 
Stelle und das Aussehen des Stockhauses am Ehrenpreis wird sich indessen wohl erst ergeben, wenn archiva- 
lische Funde neues Material zur Kenntnis des Bauwerkes liefern, das weder von Dilich noch von Merian mit 
Namen erwähnt wird. 
Tafel 8 
Stockhaus am Neuen Tor. 
Ein neues Stockhaus5 entstand unter der Regierung des Landgrafen Friedrich l. am Neuen Tor auf 
der Innenseite des Walles. Das Jahr der Erbauung ist nicht überkommen, doch wird man mit seiner Errich- 
tung eine Verfügung vom 1. Februar 1749 in Verbindung zu bringen haben, die dahin ging, daß die auf 
2863 Rthlr. 17 alb. sich belaufenden Baukosten wegen des „neuen Stockhauses" zur Hälfte aus der Fortifikations- 
kasse zu bestreiten seien. Für die Art des Gefängnisses ist bezeichnend, daß in der Rechnung dieses Jahres 
Beträge für Bein- und Handschellen und für geschmiedete eiserne Ketten aufgeführt werden. 
Anhaltspunkte für die Zeit der Entstehung des Hauses und für den Charakter der Anstalt bietet auch 
die Stockhaus-Ordnung vom 12. Mai 1747!; Danach sollte das „neue Stock- und Blockhaus" unter der Leitung 
des Gouverneurs von Cassel stehen. Es war zur Aufnahme aller zu öffentlichen Arbeiten verurteilten Misse- 
täter aus dem ganzen Lande bestimmt, die in zwei Klassen eingeteilt waren. Die Gefangenen der ersten Klasse 
die mit Beineisen von 16 Pfund Schwere eingeschmiedet wurden, sollten „entweder in ihren Behältnissen zum 
Holz-Raspeln und dergleichen beschwerlicher Arbeit mit Aufgebung eines gewissen Tagewerkes angestrenget, 
oder aber bedürffenden Falls auswärts zu verdrießlicher Arbeit, als das Eiß zu hauen, auffzuladen, in die Grube 
zu bringen, die Druseln in der Stadt zu reinigen, den Schlamm aus den Vestungsgraben zu karren und die zu 
deren Casernen und Wachthäusern, auch ihrem eigenen Blockhauß und anderen Behältnissen der Gefangenen 
gehörigen Cloaquen zu reinigen und was dergleichen mehr seyn möchte, mit Ernst angehalten werden", da- 
gegen die der zweiten Klasse „an dem Vestungs-Bau, denen Woll- und Handwerks-Meistern zum Handlangen 
' Stadtplan v. Merian 1646. x 
' Vgl. S. 522 Anm. 3. 
' Vgl. Abschnitt „Zuchthaus" S. 573 f. 
4 Vgl. Abschnitt „Zeughaus in der Schäfergasse" S. 507. 
5 Krieger, Cassel S. 151. Diemar, Gefängnisse. Brunner, Gefängnisse. 
' Hess. Landes-Ordnungen IV S. 953 ff. 
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