Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

 
Gebäude. 
 
"nfel 23 u. 171,2 
Tafel 8 
Tafel 9 
freyheit herunter vf der linckten handt" „Vnsers D. F. vndt Herrn hauß darin Niclaus schleevogt Zeugwarter" 
und „Seiner f. g. alt Zeughauß". Auch Dilichl spricht 1605 noch vom „alten Zeug- oder Gießhaus". Als 
Abbildung zeichnet er auf zwei verschiedenen Blättern ' 1598 ein langgestrecktes, das eine Mal mit einem, das 
andere Mal mit zwei Dachhäuschen versehenes dreigeschossiges Gebäude, das er als Gießhaus bezeichnet. 
Eine bauliche Änderung nahm Landgraf Moritz vor. Er errichtete, wie Buchs Chronik 3 zum Jahre 1618 4 
mitteilt, „bei dem alten Zeughaus nach dem Möllerthor zu" ein Zuchthausß Dieses Hausß das erste seiner 
Art in Cassel, war vorzugsweise, wie sein Name besagt, als Erziehungsanstalt gedacht. Daneben sollte es aber 
auch Besserungszwecken dienen. Die Gründung war der Absicht des Landgrafen entsprungen, den Folgen der 
steigenden Sittenverderbnis durch polizeiliche Vorkehrungen und durch Beseitigung des Müßigganges, als der 
Wurzel allen Übels, zu begegnen. In diesem Sinne hatte der Fürst bereits 1601 ein Edikt wider die Müßig- 
gänger und Bettler verfaßt, wodurch alle Knaben und Mädchen von 1 bis 18 oder 20 Jahren, welche, keine 
Hantierung treibend, Gegenstand des Ediktes waren, unter zwei Zensoren oder Aufseher gestellt wurden. Das 
neue Zuchthaus war für Kinder bestimmt, die zu einem geordneten Leben angehalten werden sollten und als 
Insassen des Hauses alle „auf Niederländisch" gekleidet wurden. Es kann fraglich erscheinen, ob das Institut 
neben dem Charakter einer Erziehungsanstalt nicht auch den einer Strafanstalt trug. Jedenfalls bestand eine 
Vorschrift, daß widerspenstige jugendliche Personen zur Zwangsarbeit im Zuchthause herangezogen werden 
sollten. Auch ist ersichtlich, daß diese Art der Beschäftigung als ehrlos galt. Die Schulordnung vom 6. Januar 
16187 besagte: „Die hartnäckige vnd mutwillige Gesellen aber sollen theils durch ihre Eltern, so deßfals nichts 
an sich daheime erwinden lassen sollen, theils durch die Präceptoren in den Schulen, auch bißweilen also, daß 
man ihnen einen öffentlichen hohn anthun, vnd in den Eysen oder Zucht-Hauß arbeiten lasse, gezäumt werdenßß 
Eine Abbildung des Gebäudes bringt Merianß Das Haus liegt am Ende der Oberen Schäfergasse, 
dort wo die Untere Schäfergasse umknickt. Es stellt sich als massiver, zweigeschossiger Baukörper dar, der 
mit seiner Längsfront mit der Westseite der Oberen Schäfergasse einfluchtet und mit seiner nördlichen Schmal- 
front an die Stadtmauer anstößt. Wie weit die gezeichneten Einzelheiten - überstehender Stirngiebel mit Schorn- 
steinspitze, kleine Gaupen auf dem Satteldach, Tür am Südende der Straßenfront - auf Genauigkeit Anspruch 
machen, steht dahin. An seine südliche Schmalseite legt sich, rechtwinklig nach hinten zurückspringend, ein 
höherer aber kürzerer, ebenfalls zweigeschossiger Flügel an, der seinen Hauptgiebel der Oberen Schäfergasse 
zuwendet und offenbar nicht gleichaltrig mit dem Zuchthaus ist. Hinter diesem, auch seiner Benutzung nach 
nicht mehr unmittelbar zum Zuchthaus gehörigen Gebäude," erhebt sich im Hof, wiederum um 90 Grad ge- 
dreht, ein dreigeschossiges Bauwerk, das seiner Bestimmung nach wohl ebenfalls nicht mehr zum eigentlichen 
Zuchthause zu rechnen ist." Ein anscheinend genauer Grundriß des Zuchthauses findet sich auf Wessels Plan 
vom Jahre 1673," der auch deshalb interessiert, weil er die Nebengebäude nicht mehr enthält. Das Bauwerk, 
das als Zuchthaus bezeichnet ist, bildet ein Rechteck. Die nördliche Schmalwand liegt innerhalb der Stadt- 
mauer und weicht vom rechten Winkel ab. In den massiven Umfassungswänden finden sich auf der Straßen- 
front vier Fenster, auf der Holfront zwei Fenster und zwei Türen eingetragen. Der Innenraum bildet einen 
einzigen Saal, der weder Gewölbe noch Mittelstützen aufweist, sodaß man annehmen muß, daß die Balken der 
1 Chronica S. 128. 
2 Ritterspiel Bl. 5 und Bl. 15. 
3 Handschrift Staatsarchiv Darmstadt. Abschrift Landesbibliothek Cassel. 
f Rommel, Gesch. v. Hessen VI S. 628, gibt 1617 an. 
5 Neuber, Gefängnißwesen S. 45 f. 
6 Diemar, Gefängnisse. Brunner, Gefängnisse. 
7 Hess. Landes-Ordnungen I S. 600. 
8 Im lateinischen Texte lauten die letzteren Worte: „correctione scholastica conjuncta cum aliquo dedecore vel abductione ad 
domos publicas operarias". Vgl. Rommel, Gesch. v. Hessen VI S. 599. 
"9 Stadtplan 1646. 
1" Vgl. Abschnitt „Spinnhaus in der Schäfergasse". 
" Vgl. Abschnitt „Stockhaus am Ehrenpreis". 
n Stadtplan v. Wessel 1673. 
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