Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

 
Gebäude. 
 
aus einem einzigen Arbeitshaus, in dem gleich anfangs fast hundert Kinder beiderlei Geschlechts Aufnahme 
fanden. Wie ein Bericht aus dem Jahre 1789 1 besagt, bildete die Anstalt um diese Zeit „eine Arbeits-Anstalt, 
welche in 2 abgesonderten Gebäuden Knaben und Mädchen, die sich über dem Betteln ergreifen lassen, oder 
in Gefahr kommen es zu thun, aufnimmt, arbeiten und erziehen läßt. Fürstliche Unterstützung und Freygebig- 
keit der Einwohner gründete solches, und noch hängt außer dem, was die Kinder durch Baumwollspinnen ver- 
dienen, sein Bestand größtentheils davon ab". Die Verwaltung führte eine besondere Armen-Verpflegungs- und 
Werkhauskommission. lm Jahre 1824 wurde die Anstalt mit dem reformierten Waisenhause verbunden." 
Das Aussehen des Werkhauses ist unbekannt. Selbst die genaue Lage scheint nicht festzustehen. Da 
sein Platz neben dem Findelhause sich befand, mag in erster Linie ein Gebäude in Frage kommen, das auf 
den Stadtplänen auf dem Hintergrundstücke des Waisen- und des Findelhauses festzustellen ist und durch seine 
Tinktur als öffentliches Gebäude sich kennzeichnet. Dieses Haus, ein langgezogenes schmales Bauwerk mit 
Mittelrisalit, könnte recht wohl zwei gesonderte Abteilungen für Knaben und Mädchen enthalten haben. Auf- 
fallend ist, daß das Gebäude, das auf dem alten Festungsgelände entstand, schon einige Zeit vor dem Jahre 
1785 festzustellen istß in dem doch erst das Unternehmen des Werkhauses zustande kam. Man müßte also um 1a 
möglicherweise damit rechnen, daß ein vorhandenes Gebäude in Anspruch genommen wurde} Recht gut in die 
Geschichte der Anstalt hineinpassen würde die Tatsache, daß das Haus, das 1822 noch nachzuweisen lSt,5 kurz um 16 
darauf auf den Stadtplänen verschwindet. Es war offenbar überflüssig geworden, als man 1824 das Werkhaus 
mit dem Waisenhaus vereinigte, und stand zum Teil sogar im Wege, als man, vermutlich in eben diesem Jahre 
den neuen Flügel des Waisenhauses an der Sternstraße errichtete. Architektonische Bedeutung wird das 
Werkhaus kaum besessen haben, da in den Beschreibungen der Stadt sein Äußeres niemals erwähnt wird. 
Wenn es in den Stadtbeschreibungen 6' als bemerkenswert aufgeführt wird, so geschieht dies wohl vorzugsweise 
wegen seiner Einrichtung. 
Besserungs- und Strafanstalten. 
Zuchthaus. 
Zuchthaus in der Schäfergasse. 
Am Knickpunkt der Oberen und der Unteren Schäfergasse befand sich im späten Mittelalter ein Zeug- 
und Gießhaus," das seinen Zweck zum größten Teil verlor, als das neue Zeughaus am Töpfenmarktß die Ge- 
schütze aufnahm. Es ist möglich, daß sich die Gießerei noch einige Zeit am alten Platze hielt. Sicher ist, 
daß die Anlage die Bezeichnung als „altes Zeughaus" noch führte, nachdem das neue Zeughaus in Benutzung 
genommen war, und daß sie auch in dieser Zeit noch einem Beamten Unterkunft bot. Ein Häuserverzeichnis 
der Stadt vom Jahre 16059 führt als zwei besondere einander benachbarte Gebäude „Unsers Gn. Fürst. undt 
Herrn Hauß darin Nicolaus Schleevogt Zeugwarter" und „Seiner Fürstl. Gnaden Alt Zeughauß" in dem 
Quartier G auf, in dem das ehemalige Zeughaus unzweifelhaft zu suchen ist. Ein anderes Häuserverzeichnis 
desselben Jahresl" nennt bestimmt als zwei ebenfalls einander benachbarte Gebäude der „Schäffergasse von der 
1 Bibra, Cassel S. 32. 
' Lobe, Wanderungen S. 131. Bach, Kirchenstatistik S. 65. Vgl. Abschnitt „Waisenhaus" S. 568. 
' Stadtplan v. Selig 1781. 
4 Auf Lageplänen von 1775 bezw. 1780, Sekretariat der Waisenhausdruckerei Cassel, ist das Haus als „Wasch- und Backhaus", 
bezw. als „Remisen" bezeichnet. . 
5 Stadtplan v. Selig 1822. 
' Apell, Cassel 1792 S. 42. 
7 Vgl. Abschnitt „Zeughaus in der Schäfergasse? S. 506 ff. 
' Vgl. Abschnitt „Zeugliaus am Töpfenmarkt" S. 508 ff. 
9 Stadtarchiv Cassel K 36. 
"' Stadtarchiv Cassel E 16. 
 
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