Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

  
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Gebäude. Qääääääääääg 
geschoß 3,0 m. Mit dieser verhältnismäßig geringen Höhe hängt die Tatsache zusammen, daß die Decken des 
Erdgeschosses in die alten Fenster der Süd- und Ostwand einschneiden, sodaß das Bogenfeld zugesetzt ist. 
Überdeckt sind die Räume mit flachen geputzten Decken, deren Balken vortreten. Der verbreiterte Flur des 
Erdgeschosses ist durch Holzstützen mit Rundbögen in der Längsrichtung geteilt. ln ihn führte ursprünglich 
die Eingangstür der Westfront, die jetzt zu einem Fenster umgestaltet ist. Die gerade Haupttreppe ist mit 
zwei Läufen und einem breiten Podest für jedes Stockwerk angelegt. lm Erdgeschoß nehmen Massivbögen die 
Stufen auf, deren Wangen ebenfalls aus Stein bestehen. Das Geländer der Treppe zeigt schöne Schmiedearbeit, 
im Erdgeschoß anders ausgeführt, als in den übrigen Stockwerken. Die Treppe zum Dachboden besitzt Rund- 
dockengeländer mit rechteckigem gegliederten An- und Austrittspfosten. Der in das Treppenhaus einführende 
Seiteneingang am Steinweg hat seine Gestalt beim Umbau des Kunsthauses zum Naturalienmuseum in den Jahren 
1882 bis 1884 erhalten. Zuvor war die Öffnung vermauert und die Gewändenische für eine Abortanlage ein- 
gerichtet. Der Unterschied zwischen Außengelände und Geschoßfußboden wurde durch fünf Stufen vermittelt. 
Heute ist durch eine Freitreppe und die Anlage von Stufen im lnnern des Flurs die Podestfläche der Haupt- 
treppe unmittelbar zu erreichen. Unterkellert ist das Gebäude im östlichen Teil. 
Von älteren Ausstattungsstücken dekorativer Art interessieren die zum Teil in den Fluren und Samm- 
lungsräumen verteilten, zum Teil im Magazin untergebrachten Ölgemälde, die zu den Beständen des Landes- 
museums gehörenß Erwähnt seien hier die Tierbilder, die von Taraval, Nickole, Roos, Gottfried Valentin und 
David von Cöln herrühren sollen. Auch einige Architekturstücke finden sich, unter denen die von Nickole 
gemalten Entwürfe zur Kaskadenanlage auf dem Habichtswalde für die lokale Baugeschichte "erhöhte Beachtung 
beanspruchen! Unter den wenigen im Magazin anzutreffenden Modellen verdient der Entwurf zu einem 
Denkmal für Kurfürst Wilhelm Il. hervorgehoben zu werden. Die im Flur des 1. Obergeschosses aufgestellten 
Gipsbüsten von Naturforschern sind modernen Ursprungs. 
Längs der Süd- und Westseite befindet sich ein gepflasterter schmaler Hof mit hohen Stützmauern 
gegen das anstehende Gelände. Auf der Südfront ist, von der siebten Achse an gerechnet, ein Teil des Hofes 
mit einem Tonnengewölbe überbaut. Eine Inschrifttafel gibt Auskunft über Entstehung und Zweck dieses 
„Landgrafengangesß 3 
Aus der Geschichte des Hauses und seiner Umgebung ist zu erwähnen, daß Gelehrte von Namen hier 
wissenschaftlich gearbeitet haben. Genannt werden müssen der Weltumsegler Georg Forster und der Historiker 
Johannes von Müller. Wie eine in der Neuzeit auf der Seite nach dem Steinweg angebrachte Tafel 
kündet, hat „Denis Papin, der Erfinder der Dampfmaschine, auf diesem Platze in Gegenwart des Landgrafen 
Karl von Hessen im Juni 1706 die ersten größeren Versuche mit Anwendung der Dampfkraft erfolgreich aus- 
geführt." Im Treppenhause des Kunsthauses soll er dem Fürsten, der ihn zuerst nach Marburg und dann nach 
Cassel berufen hatte, die erste Dampfmaschine im Betrieb vorgeführt haben. Zum Schauplatz einer dreibändigen 
Erzählung hat Georg Döring das Kunsthaus gemacht} 
Reliefs 
im Erdgeschoß des Treppenhauses 
Relief des Landgrafen Karl von Hessen, mit Dübellöchern versehen, anscheinend für Bau 
bestimmt. Brustbild, Seitenansicht. Oval. Sandstein. Barock. Breite 0,95 m. Höhe 1,10 ms" 
Relief der Landgräfin Maria Amalie von Hessen. Wie vorß 
1 Lenz, Naturalien-Museum, wo sich die Bilder im Einzelnen verzeichnet finden. 
2 Vgl. Band lV S. 264. 
' Vgl. Abschnitt „Stadtbefestigung. Schloßpforte" S. 108. 
4 Das Kunsthaus, Novelle in drei Teilen, Frankfurt a. M. 1831. 
5 Vgl. Abschnitt „Marmorbad" S. 843 Anm. 1. 
' Vgl. Abschnitt „Marmorbad" S. 343 Anm. 1. 
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