Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

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Gebäude. 
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die einst elegant durch Treppen und Terrassen überwundenen Geländeunterschiede des Platzes zum Nachteil 
kfüridie städtebauliche Erscheinung durch Rampen aus. (Die Flanke des wuchtigen Satteldachesüberidem 
Bühnenhaus öffnete ein ungefüges Segmentbogenfenster, offenbar zur besseren Beleuchtung des Schnürbodens. 
im Ganzen muß das Bauwerk, dem die allseitig freie Lage fehlte, auch in der architektonisch vervollkommneten 
Form, einen außergewöhnlichen Eindruck nicht gemacht haben. „Da das Gebäude sich an andere Häuser an- 
lehnt," heißt es in einer Beschreibung vom Jahre 1858} „also keine selbstständige Stellung hat, und ohnehin 
auch sein Äußeres weder durch einen architektonischen Schmuck, noch durch Großartigkeit seiner Verhältnisse 
sich auszeichnet, so macht es nur einen geringen Effekt." 
Einschneidender waren die Veränderungen im Innern. Am Haupteingang wurde ein Vestibül mit 
Säulen und Nischen eingebaut, das die Treppe in den „Salon de service" vor dem kurfürstlichen Vorgemach 
aufnahm. Dieses selbst scheint bei dieser Gelegenheit die ovale Gestalt erhalten zu haben, die es bis zum 
Schluß besaß. Altmüllerz weiß von einem gläsernen Kronleuchter zu berichten, der dort hing. Nach den 
vorliegenden Zeichnungen wurde die Hofloge weiter vorgezogen und mit klassizistischen Pilastern versehen, die, 
in den zweiten Rang hineinragend, ein Gebälk auffmgen, über dem eine freie Stirnfläche das in zwei konzen- 
trische Halbkreise gestellte kurfürstliche Wappen und rechts und links davon Lorbeerkränze mit den Initialen 
W. K. zeigte. Die Entwürfe sahen Draperien vor, die sowohl über der Loge als auch von der Brüstung 
herabfielen. Ähnliche Ausstattung erhielten die engen Logen zwischen den ionischen Proszeniumssäulenß im 
Bogen der Proszeniumsöffnung prangten auf hellgrünen Schildchen die goldenen Namen der beliebtesten deutschen 
Dramatiker und Komponisten} Der Zuschauerraum oder der sogenannte Opernsaal mit Unterlegen und drei 
Galerien über einander wird als geschmackvoll und bequem eingerichtet geschildert} Der erste Rang war 
vorzugsweise für holfähige Familien bestimmt. Auf dem zweiten Rang sollen die Juden ihre Plätze gehabt 
haben. Die vorderen Stützen für die hölzernen Substruktionen der Ranggeschosse bestanden aus Eisen und 
hatten die Form schlanker Säulen mit einfachen Köpfen. Sie bildeten den Ersatz älterer Holzständer, die den 
Durchblick gehemmt hatten. Dünne Wände hinter den Logen und Rängen entzogen den Zuschauerraum dem 
durch viele Fenster reichlich in die Umgänge flutenden Tageslicht. In einem Entwurf für den Zuschauerraum ließ 
Bromeis das von ihm oft gesuchte Stilmotiv der Palmette bis an die Decke hinaufwandern, wo es sich in langen 
Wedeln, die am Fußende allerlei Musikinstrumente darboten, auf freier Fläche ausleben durfte. Ein Entwurf für die 
farbige Ausmalung des Raumes füllt den Plafond mit einem breiten lichtblauen Band, das fächerartig in die Rundung 
gelegt und mit geschmackvollen Ornamenten bereichert war. lm Allgemeinen hatte Kurfürst Wilhelm Il. den Innen- 
raum, wie Lobe" angibt, „durch reiche Vergoldung (es ist nämlich ein lichtes Weiß mit goldenen Arabesken) und einen 
prächtigen Kronleuchter sehr verzieren lassen. Dieser Astralkranz, wie eine Sonne seine Strahlen ausströmend, 
wurde in Paris angefertigt und kostete gegen 6000 Thlr.; während des Spiels verschwindet sein blendendes 
Licht durch eine geschickte Maschinerie und das Spectatorium beherrscht ein Helldunkel".7 Als Glanzzeit der 
Bühne bezeichnet Lobe die Jahre 1821 bis 1830. 
1 Lange, Kurf. Hessen S. 39. 
3 Theater S. 229. 
3 Apell, Cassel 1831 S. 71 f. Über die Benutzung der Logen und Ränge vgl. Hess. Erinnerungen S. 22 H. 
4 Hess. Erinnerungen S. 96. 
"' Hess. Erinnerungen S. 22 und 95. 
5 Wanderungen S. 69. 
7 Nähere Beschreibung des Leuchters und der Verdunklungsvorrichtung in Hess. Erinnerungen S. 95. Der „immense Kronleuchter" 
bestand aus „reichvergoldeter Bronze und vielen Krystallketten mit zahllosen Oellampen in zwei Reihen übereinander". Als Kaufpreis werden 
2000 Taler angegeben. „Dieser Riesenleuchter wurde gleichzeitig mit dem Aufziehen des Bühnenvorhangs durch eine kreisrunde Oelfnung 
in der flachgewölbten Decke aus dem Saale hinweggezogen und beim Schluß eines jeden Aktes wieder herabgelassen, damit während des 
Spiels die Zuschauer nicht geblendet würden und die selbständig erleuchtete Bühne einen um so größeren Lichtelfekt machen könnte. Dieses 
Auf- und Abwinden des Kronleuchters erforderte eine ganz besondere Vorsicht und die Kraft zweier Männer. Der über 100 Zentner schwere 
Koloss hing nähmlich an einem aus Klaviersaitendraht gebildeten dicken Stricke." Dieser Kronleuchter ist anscheinend ebenso wie die 
Öffnung in der Decke bis zum Abbruch des Hauses vorhanden gewesen. Er war jedoch später mit elektrischen Glühkörpern besetzt.
	        

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