Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

Tafel 1,4 
Tafel 1,5 
Tafel 1,8 u. 1 
Tafel 1,s 
Tafel 1,0 
Tafel 1,10 
Tafel 1,1l 
Umschrift, die auf den villicus nicht mehr Bezug nimmt, lautet + SlGlLLVM - CIVIVM - CASLE. Dieses 
Siegelbild, die beliebte Form des mittelalterlichen Stadtsiegels, hat sich, stilistisch des öfteren abgewandelt, 
lange Zeit gehalten. 12601 erscheint es auf dem + SlGlLLVM - BVRGENSIVM - DE - CASSELE noch 
romanisch geformt, durch eine achsial gestellte Kirche mit achteckigem Vierungsturm, wohl die dem hl. Cyriakus 
geweihte eccelesia forensis, bereichert, zu deren beiden Seiten je ein Festungsturm mit stark ausladenden, einseitig 
abgestützten Zinnen und die üblichen Nebengebäude angeordnet sind} ln gotischen Formen ist der noch heute 
im Besitz der Stadt befindliche Stempels bei dem sonst gleich gebildeten Siegel gehalten, das sich 1323 zum ersten 
Male nachweisen läßt und nicht nur für die Altstadt, sondern nach deren Zusammenschluß mit den Vorstädten 
für Cassel überhaupt galt und nur noch einmal, wahrscheinlich kurz vor 14674, eine geringe Abänderung 
insofern erfuhr, als zur linken Seite des Kirchturmdaches eine Marke in Gestalt eines dreiteiligen Blattes als 
Kontrollzeichen eingegraben wurde. 
Das Sekret der Stadt, von dem zwei Stempel ebenfalls noch im Besitze des Magistrates sind 5, stellt 
sich als verkleinerte freie Nachbildung des großen Stadtsiegels dar. Es trägt die Umschrift + SECRETUM: 
CONSVLVM: DE: CASSELE. Vom älteren, zuerst 13356 vorkommenden Sekret unterscheidet sich das jüngere, 
14617 zuerst erscheinende Stück dadurch, daß letzteres im Siegelfelde links und rechts je eine Rosette aufweist. 
Auch das Sekret hat sich, in seiner Grundform nur unwesentlich verändert, lange im Gebrauch gehalten." 
Das Siegel der Freiheit, dem wir zuerst 13409 begegnen, besitzt als Bild den Patron der Pfarrkirche, 
den hl. Martin zu Pferd, seinen Mantel mit dem Bettler teilend, und als Umschrift + S: NOVE: CIVITATIS: 
DE: CASSELE: SVPERIORIS: Ein zweiter ebenfalls dem 14. Jahrhundert angehöriger Stempel bringt ein 
freies Spiegelbild der Figur und den landgräflichen Löwenschild im unteren Teile des Bildfeldes. 
In der Unterneustadt siegelte man, wie es scheint, 1351" zum ersten Male mit neuem Siegel. Das 
ziemlich roh geschnittene Bild lehnt sich an die Vorlage des Altstadtsiegels an, bringt indessen die Neben- 
gebäude von der Stirnseite und an Stelle des Tores den Löwenschild. Mit Tor, Torturm und vier Mauertürmen 
sowie dem im Tore aufgehängten Löwenschild erscheint dieses + S' NOUl - OPlDl - CASLE - PROPE - 
VULDAM zuerst 1374." 
Die zahlreich erhaltenen lnnungssiegel" mit den Kennzeichen der Zünfte sind meist jüngeren Datums. 
Ob die Stadt jemals für sich Münze geschlagen hat, ist fraglichlß Die in Cassel bestehende Münzstätte, 
die zuerst 1239 in dem vom Landgrafen Hermann ll. erteilten Privileg genannt wird und sich mit Unter- 
brechungen bis 1866 hielt, war niemals städtisch, sondern landesherrlich. Es gibt Hohlpfennige aus der Zeit 
des Landgrafen Ludwigs l. mit „CASEL" sowie Groschen und Halbgroschen aus der Zeit der Landgrafen 
Wilhelm I. und ll. mit „Moneta nova Casselensis", welche Aufschriften aber ebenfalls auf die landesherrliche 
Münzstätte zu beziehen sind." Als solche nahm Cassel unter den Münzstätten des Landes die Hauptstelle ein." 
1 Urk. d. Klost. Hardehausen v. 15. Juli 1260. Staatsarchiv Marburg. 
' Piderit, Cassel, S. 90: „Unter allen städtischen Urkunden dieses Zeitabschnittes findet sich in dem Siegel das alte Wappen, drei 
Thürme auf einer Mauer und darüber das Kleeblatt, als Zeichen der drei vereinigten Städte, nicht das neuere, bedeutungslose mit vielen 
Kleeblättern." Siegel und Wappen sind nicht gleichbedeutend. Die Türme, in der Architektur als Sakral- und Profanbauten unterschieden, 
können nicht auf die drei Städte bezogen werden. Das über dem Mittelturm befindliche „Kleeblatt" ist inWirklichkeit das Anfangskreuz der Schriftreihe. 
3 Murhardbibliothek Cassel. ' Urk. v. 15. Dez. 1467. Stadtarchiv Cassel. 
5 Murhardbibliothek Cassel. 
ß Urk. d. Klost. Ahnaberg v. 5. Jan. 1385. Staatsarchiv Marburg. 
7 Urk. d. Klost. Ahnaberg v. 4. Juni 1461. Staatsarchiv Marburg. 
9 Noch 1837 wurde mit dem Sekret gesiegelt. 1845 waren, wie ein Bericht des Oberbürgermeisters Arnold an den Landrat vom 
d. J. ergibt, die mittelalterlichen Siegel nicht mehr in Gebrauch. Akten betr. städt. Siegel. Stadtarchiv Cassel. 
9 Urk. d. Klost. Ahnaberg v. 21. März 1840. Staatsarchiv Marburg. 
1" Urk. d. Klost. Nordshausen v. 6. Dez. 1851. Staatsarchiv Marburg. 
" Urk. d. Klost. Ahnaberg v. 26. Dez. 1374. Staatsarchiv Marburg. 
1' Murhardbibliothek Cassel. 
" Holfmeister, Münzen, erwähnt im Register zwar Casseler Stadtmünzen, bringt im Text aber keine Beispiele. 
u Nach gütiger Mitteilung des Herrn Konservators Dr. Buchenau in München. 
"f Rommel, Gesch. v. Hessen H, S. 840 u. Anm. S. 44. Hoffmeister, Münzkunde, S. 82 f. 
25. Nov. 
Nebel, Münzstätten, S. 98. 
28
	        

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