Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

gebäude wieder instand setzen sondern auch unter Anlehnung an Jerömes ersten Plan den Verbindungsbau als 
geschlossenen zweigeschossigen Flügel in neuen gefälligen Formen ausführen. Als Wilhelms Gemahlin am 
1. Mai 1821 zum ersten Male als Kurfürstin ihren Geburtstag feierte, erhielt sie Schönfeld, nunmehr Augusten- 
ruhe, zum Geschenk. Den Betrag von 10000 Talern überwies ihr der Kurfürst zu Weihnachten, da sie sich 
mit dem Plane trug, die neue Besitzung noch weiter auszubauen. Wie zu Jordis" Zeit wurde Schönfeld wieder 
der Mittelpunkt eines schöngeistigen Verkehrs. Zu den Künstlern, welche die Kurfürstin mit Vorliebe empfing, 
gehörten Ludwig Grimm und Werner Henschel. Henschel entwarf die schönen Büsten der drei k_urfürstlichen 
Kinder, die noch in den achtziger Jahren im Gartensaal des Schlosses zu sehen waren. Auch das Gipsmodell 
zu einem unausgeführten Marmordenkmal für die Kurfürstin, das nach ihrem Tode in Schönfeld aufbewahrt 
wurde, rührte von diesem Meister her. Von den Bildern, die im Schloß hingen, sollen einige Ölgemälde Tischbeins 
und alttestamentalische Aquarelle von Bonaventura Genelli, die jetzt in Philippsruhe sich befinden, die wertvollsten 
gewesen sein. Allein auch eine politische Bedeutung erhielt Schönfeld um diese Zeit. Hier pflegte die Kurfürstin 
jene kleinen Abendgesellschaften zu halten, die sich mit den Verhältnissen der Gräfin Reichenbach befaßten und den 
Argwohn und Unwillen Wilhelms ll. in so hohem Grade erregten, daß sie schließlich den Übertritt des Artillerie- 
hauptmanns von Radowitz in preußische Dienste herbeiführten. Mit Augustens Tode im Jahre 1841 ging 
Schönfeld auf ihre älteste Tochter Karoline über. Nach deren Ableben 1854 erhob die jüngere Schwester, die 
Herzogin Marie von Meiningen, Anspruch auf das Schloß, das indessen durch Reskript vom 16. Oktober 1855 
dem kurfürstlichen Haushdeikommiß zugesprochen wurde. 
Obwohl diese Zugehörigkeit zum Hausüdeikommiß 1866 im Stettiner Vertrage nicht aufgehoben war, 
hielt im folgenden Jahr der preußische Generalleutnant Graf von Kalckreuth seinen Einzug in die von Preußen 
beschlagnahmte Besitzung. Durch Vergleich vom Jahre 1880 ging indessen das Schloß in das Eigentum der 
hessischen Agnaten über. Allein seine Eigenschaft als fürstlichen Ruhesitz schien das Haus endgültig verloren 
zu haben. Der Agnatenvertrag hatte in gewissem Sinne Schönfeld zu einem Gemeingut des Publikums gemacht. 
Landgraf Alexis war, als er 1891 gelegentlich der Casseler Kaiserparade das Schlößchen für einige Tage bewohnte, 
der letzte Besuch aus dem Hause Hessen-Philippstal, den Schönfeld sah. Das einstige ldyll wurde vollends 
zerstört, als die landgräfiiche Verwaltung 1896 die mehr mit Lasten als mit Vorteilen verknüpfte Anlage an den 
Menageriebesitzer Kreibe aus Gotha verpachtete, der im Park einen zoologischen Garten, im Schlosse einen 
Wirtschaftsbetrieb einrichtete. Nachdem das geräuschvolle Unternehmen nur zwei Jahre bestanden hatte, tauchte 
1902 der Plan auf, dem Casseler Schützenverein die Besitzung zu verkaufen, doch trat der Verein zu Gunsten 
der Stadt Cassel zurück, die 1906 Schloß und Park Schönfeld für den Preis von 320000 Mark erwarb und 
dann als Gartenwirtschaft verpachtete. 
lm Allgemeinen zeigt das Schloß in Grundriß und Aufriß im Wesentlichen noch die Gestalt, die es am 
Schlusse der kurfürstlichen Zeit besaß. Die auf der Höhe der Berglehne gelegene, zweigeschossige symmetrische 
Baugruppe setzt sich aus den beiden älteren, quergestellten Eckflügeln und dem schmaleren jüngeren Zwischenbau 
zusammen. Der nach der Straße gerichtete Ostflügel besitzt das Haupttreppenhaus und den Haupteingang, den 
eine toskanische Säulenstellung mit aufliegendem Balkon hervorhebt. Die Dachfläche beider Eckbauten wird 
durch einfache Giebelausbauten in der Mitte der Längsfronten unterbrochen. Den galerieartigen Zwischenbau 
betont in der Achse ein achteckiger Pavillon, der im Erdgeschoß auf älteren Abbildungen offen erscheint und 
im Obergeschoß noch jetzt das alte große Rundbogenfenster aufweist. lm Übrigen sind die von rechteckigen 
Lichtöffnungen durchbrochenen, glatt geputzten Fronten völlig schlicht gehalten. Auch das Innere zeigt keinen 
Aufwand an architektonischen Formen. Der Westflügel besitzt im Hauptraume des Obergeschosses eine hölzerne 
"Segmentbogentonne. Den mit niedrigem Holzsockel versehenen Salon des Mittelpavillons deckt ein Kloster- 
gewölbe. lm Ostflügel bildet ein marmorartig gestrichener Eckkamin aus Sandstein mit aufruhendem Spiegel 
den Rest der ehemaligen herrschaftlichen Einrichtung. Von der Gediegenheit des Inventars zur Zeit König 
Jerömes legt ein hübscher Mahagonischrank mit reichen Beschlägen Zeugnis ab, der sich jetzt im Besitze des 
Hofantiquars Cramer zu Cassel befindet. 
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