Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

Gebäude. 
TIM 287 
Türen durch die bunten Töne ihrer Figurenszenen aus. dem antiken Leben auf. Die sehr breite in grauem 
Marmorton gehaltene Attika beleben größere isoliert stehende Flachreliefs klassizistischer Plastiken in weißem 
Stuck. Vom weißen Konsolengesims leitet eine blaugrüne Kehle zu der in Rosa gehaltenen flachen Decke über. 
Den schmalen Hofflügel des Roten Palais nimmt die Speisegalerie ein, ein 28,70 m langer und 
6,60 m breiter Raum, der im Grundriß ein Gegenstück zur Stuckgalerie bildet und die Verbindung vom Pariser 
Saal zum Tanzsaal herstellt. Die Wände sind „mit Boiserie bekleidet und nach der Loge Raphaels im Vatican 
zu Rom gebildet und in Ölfarbe von verschiedenen aus dem Auslande berufenen Künstlern bemalt." l Den 
sieben Fensterachsen entsprechen ebenso viele Rundbogenfelder an der gegenüber liegenden, das Nachbar- 
grundstück begrenzenden fensterlosen Wand. Die trennenden Pilasterstreifen tragen in satten Farben Klein- 
malereien, deren mannigfache Vorwürfe - Engel, Tiere, Blumen, Masken, Medaillons, Embleme - durch Stiele 
oder Ranken aneinander gereiht werden. Abwechselnd durch grauen Stucküberzug oder die in Öl gemalten 
Jahreszeiten" van der Werffs werden die Zwischenfelder in den unteren Rechteckflächen ausgefüllt. Die 
Lünetten zeigen allegorische Figurenkompositionen bis auf die beiden Endfelder, die durch Blumenstücke gefüllt 
werden. Kopien der „Musen" und „Wassergötter" bedecken den von zwei korinthischen Säulen getragenen 
Fries an den Schmalseiten. Gleiche Säulen, in den grauen Stuckschäften dem Marmorton der Wandvertäfelung 
sich anpassend, umziehen die halbkreisförmige mit Spiegeln ausgelegte niedrige Nische am südlichen Stirnende, 
den Platz des Buffets. 
die, angeblich das Werk eines unbekannten ltalieners, ein laubenartiges, aber stark durchbrochenes, von Wein 
und Blumen beranktes und von Vögeln belebtes Gitterwerk vortäuschen soll. 
ln lebhaften Farben ist wiederum die flache mit großer Kehle versehene Decke gehalten,. 
Tafel 270,1 
Tafel 291,2 
Tafel 269 
Im Erdgeschoß des Roten Palais interessieren vor Allem die Eintrittsräume. Die Haupteingangshalle, 
welche die Mitte des Flügels am Friedrichsplatz einnimmt, deckt sich in ihrer Grundfläche mit dem darüber 
gelegenen Coursaal. Der in der Mitte um einige Stufen gegen die Nachbarzimmer vertiefte, gegen die Straßen- 
oberkante aber immerhin noch gehobene Raum wird durch zwei Reihen von ie vier dorischen Säulen mit 
glänzender weißer Stuckoberfläche geteilt. Die in den Achsen dieser Säulenstellungen liegenden Rundbögen 
nehmen an den Schmalseiten die Rechtecktüren zu den Nebenräumen, an der inneren Längswand die drei 
Durchgänge zum Treppenhaus sowie zwei seitliche Nischen mit gußeisernen Öfen auf, deren schwerer Akanthus- 
aufsatz an römische Marmorkandelaber erinnert. Palmetten, Mäander und Rosetten, teils plastisch, teils gemalt, 
beleben die Unterzüge und großen Kasetten der flachen Decke, die wie der ganze Raum einen neutralen Ton 
trägt. Den Fußbodenbelag bilden rote und weiße Sandsteinplatten in Rautenformat. Mit schwarzen und weißen 
Marmortafeln in reicherer Musterung ist das anstoßende Haupttreppenhaus belegt, das mit seiner sieben- 
fenstrigen Front die ganze Hofbreite einnimmt. Zweimal sechs toskanische Stucksäulen mit gelben Schäften 
und weißen Gliedern tragen die mit antiken Gipsfiguren gezierte Galerie. Die reichen und äußerst sauber 
geschmiedeten Geländer dieses Umganges und der einläufigen Treppe ahmen, nach klassischen Motiven gezeichnet, 
wenig glücklich die Art des Eisengusses nach. Jonische Formen zeigen im Obergeschoß die weißen Pilaster 
der Längswände und die Doppelsäulen, welche an der Schmalseite die aus Stuck-, Spiegel- und Bronzereifen 
zusammengesetzte Stirnlunette tragen. Wie die Wände ist in indifferenten Farbtönen die stuckierte Decke 
behandelt, die in Tonnenform den 24 m langen Raum überspannt. 
Als einziger Prunkraum im Erdgeschoß ist der nördlich an die Eintrittshalle anschließende 
Fahnensaal zu nennen, ein in Grau und Grün gehaltener dreifenstriger Raum, der an der flachen Decke 
das hessische Wappen trägt und früher die Feldzeichen der Casseler Regimenter aufnahm. Mit ihm in sach- 
lichem Zusammenhang stehen die beiden südlich der Eintrittshalle gelegenen kleineren Räume, die auf älteren 
Plänen als Officier- und Garde du Corpsstube angegeben sind. Die übrigen Räume des Erdgeschosses 
dienen als Vorratskammern und Dienerstuben. Die geräumigen Küchen liegen in den hinteren Hofflügeln. 
1 Lobe, Wanderungen S. 25. 
 
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