Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

Gebäude. 
 
Tafel (Ü 
Diese halb gekünstelten, halb naturalistischen Anlagen sind nicht mehr vorhanden. Den oberen Teil 
des Gartens nahmen zur Zeit der französischen Fremdherrschaft zum größten Teil die Stallungen ein, die 
anscheinend nur die Promenade frei ließen. Der untere Teil des Gartens kam, desromantischen Beiwerkes 
entkleidet, zur Aue. Als nach Abbruch des Marstalles der Neubau der Gemäldegalerie erfolgte, erfuhren seit 1874 
auch die Gartenanlagen eine Neuherrichtung. Durch Niederlegung auch des „Flügels vom Bellevue-Pavillon" 
wurde die Verbindung der Bellevue mit der Friedrichsstraße hergestellt. Die steinerne Brücke, welche die 
neuen Anlagen über dem Einschnitt der Frankfurter Straße weg mit dem Weinberg verbinden sollte, war schon 
1873 erbaut worden „unmittelbar nachdem auf Anordnung und nach den Angaben des Herrn Oberpräsidenten 
von Möller die Gitter, Mauern und undurchdringlichen Bosketmassen beseitigt und ein Verbindungsweg der 
Bellevue-Anlagen mit der Frankfurter Chausee angelegt worden, auch in den Anlagen der Carlsaue, am Fuße 
des steilen Bellevue-Abhanges durchgreifende Verschönerungen eingetreten waren, welche auf die Aussicht von 
der Bellevue-Straße aus von dem günstigsten Einfluß gewesen sind!" Erhalten hat sich aus älterer Zeit nur 
ein runder offener Empiretempel massiver Bauart mit korinthischen Dreiviertelsäulen und flacher Kuppel, der 
für Kurfürst Wilhelm l. als Frühstückspavillon erbaut wurde und 1805 genannt wird} eine Schöpfung des 
Oberbaumeisters Daniel Engelhard. Ob eine Grottenanlage am Bergabhange, deren Eingang ietzt zugesetzt ist, 
als die ehemalige Eremitage anzusprechen ist, steht nicht fest. Die Erinnerung an den Oberpräsidenten von 
Möller hält eine in den Anlagen aufgestellte Marmorbüste fest. 
Palais 
des Prinzen Maximilian. 
Palais. 
An der südwestlichen Ecke der Königsstraße und des Opernplatzes, also ungefähr an der Stelle, die 
jetzt das Warenhaus Tietz einnimmt, befand sich zur Zeit des Barock ein herrschaftliches Palais, über dessen 
Entstehung nichts Zuverlässiges bekannt zu sein scheint. Weder das Jahr der Erbauung, noch die Person des 
Erbauers, noch die ursprüngliche Zweckbestimmung ist mit Sicherheit ermitteltß Zwar wurde im Jahre 1910 
der Grundstein aufgefunden, doch hat man es weder für nötig gehalten, den auffallend großen Quader auf- 
zuheben, noch seine Inschrift aufzuschreiben. Wie Heidelbach 4 auf Grund mündlicher Mitteilung annehmen 
zu dürfen glaubt, nannte der Stein die Jahreszahl 1716. Welche Gründe Brunnemann -" bestimmt haben, das 
Jahr 1710 als das des Baubeginnes anzugeben, ist von ihm nicht gesagt. Nach Rommel 6 soll Landgraf Karl 
das Palais seinem Sohne Maximilian überlassen haben, nach dem es seinen Namen annahm. Nachzuweisen ist 
das Haus in Maximilians Besitz erst 1736, doch mag es der Prinz tatsächlich früher besessen haben. Denn in 
einer Kabinettskassenrechnung des Jahres 1727 7 findet sich eine Ausgabe von 10000 Talern „an Prinz 
Maximilian zu Erbauung eines Hauses auf der französischen Neustadt auf Abschlag der gnädigst accordirten 
20000 Thaler." Auch wurde 1731 das angrenzende Haus des Generals von Boyneburg an Maximilian verkauft} 
Über das Alter dieses Nachbarhauses, das sich in der Königsstraße anschloß, besteht Klarheit. Eine gleichfalls 
1910 an einem Steine der Grundmauern gefundene Kupfertafel besaß die lnschrift: Carl von Boyneburg genannt 
von Honstein oberjager meister v. General maior der Cavallerie Anno 17203 Anzunehmen ist, daß das Haus 
die Privatwohnung des Oberiägermeisters enthielt, der seinen Dienstsitz im Jägerhause hatte. 
1 Dehn-Rotfelser, Gemäldegalerie S. 9 f. 
' Krieger, Cassel S. 278. 
' Jacobi, Hugenotten S. 251, nimmt an, daß Paul du Ry der Architekt gewesen sei. 
4 Häusergeschichte. 
5 Cassel S. 42. 
' Gesch. v. Hessen X S. 54. 
" Staatsarchiv Marburg. 
' Stadtarchiv Cassel D 260. 
' Heidelbach, Häusergeschichte.
	        

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