Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

Tafel 244,2 
Tafel 55 
Tafel 248 
Tafel 15 
Tafel 15 
Tafel 254,: 
worin die Lehrlinge der Akademie unterrichtet werden, und worunter der Saal zu bemerken ist, in dem nach 
dem Leben gezeichnet wird. In dem obern Geschoß findet man zuerst das Zimmer, wo jährlich auf den 
Namens-Tag des Landgrafen die Arbeiten der jungen Künstler aufgestellt werden, die um die ausgesetzte Preise 
wetteifern. ln demselben hängen auch die Rezeptions-Gemälde der akademischen Mitglieder. Das zweite 
Zimmer ist für die Versammlungen der Akademie bestimmt. lm Grund stehet ein Thron mit dem Bildniß des 
höchstseel. Landgrafen als Stiffters, und ringsum die StüYe der Mitglieder. Das Zimmer "hat ein Plafond von 
v. d. Werff und die Wände desselben sind mit Gemälden behangen." Daß über der Haustür einst in goldenen 
Buchstaben die Aufschrift „Akademie der bildenden Künste" zu lesen war, berichtet Müller} 
Beide Gebäude} die jetzt die Häuser Schöne Aussicht Nr. 4 und 5 bilden, haben sich, nachdem sie 
in fürstlichen Besitz übergingen, im Äußeren kaum verändert. Ihre zweigeschossigen, geputzten schlichten 
Fronten schließen sich in der Befensterung dem Palais Prinz Georg an, als dessen Fortsetzung sie um so mehr 
erscheinen, als die Wandflächen ohne Absatz in einander übergehen und das Hauptgesimse in gleicher Höhe 
durchgestoßen ist. Auch der Segmentbogengiebel des Dachaufsatzes wiederholt sich, beim Hause Klaute in 
dreifach gekuppelter Gruppe, beim Hause Diemar mit etwas höherm Stich. Doch steht außer Frage, daß diese 
Gleichmäßigkeit nicht im ursprünglichen Plane lag. Auf einem älteren Blatte 3 erscheint der Dachaufsatz beim 
Hause Diemar mit einem Dreieckgiebel abgeschlossen. Unterbrochen wird die stattliche Flucht von einund- 
zwanzig Achsen beim Hause Klaute durch ein Mittelportal mit Balkonaufbau auf frei stehenden toskanischen 
Säulen und beim Hause Diemar durch eine seitliche Rundbogeneinfahrt mit Pilasterumrahmung. Wie der 
Grundriß früher eingeteilt war, läßt sich bei dem Vorhandensein neuer Wände kaum noch mit Bestimmtheit 
feststellen. Soviel ist sicher, daß sich ursprünglich die einzelnen Räume wie auch noch jetzt zum Teil 
ohne Flure aneinander schlossen. Auch die Säulen, die nach älteren Plänen die oberen Säle des Hauses 
Diemar teilten und vielleicht erst bei Einrichtung der Räume für die Zwecke der Akademie als Ersatz 
von Wänden eingezogen wurden, sind noch festzustellen. Künstlerisch von Interesse ist lediglich das Treppen- 
haus in dem vorgenanntem Hause, dessen dreiläufige, elegant geschwungene Treppe ein gefälliges Geländer 
aus Schmiedeeisen besitzt. Die beiden Hofflügel, die auf den älteren Stadtplänen 4 erscheinen, sind jetzt nicht 
mehr vorhanden. 
Marstall. 
Ein größerer Marstall zeigt sich verhältnismäßig spät auf den Stadtplänen. Noch 1781 5 ist von einem 
besonderen Stallgebäude nichts zu bemerken. Vermutlich enthielten die sowohl beim alten Palais Bellevue als 
auch beim Palais Prinz Wilhelm erscheinenden Hofgebäude die notwendigsten Stallungen. Erst 1803 6 lassen 
sich an der westlichen Ecke des alten Palais zwei selbständige, längere, parallel gerichtete Flügel feststellen, 
die als Marstall anzusprechen sein werden. Daß erst unter Jeröme der Plan eines größeren Neubaues aufs 
genommen wurde, beweist ein aus der letzten Zeit der Fremdherrschaft herrührender Plan," der die „Ecuries 
Royaux" als eine gestreckte, in der Verlängerung der Bellevuepromenade angeordnete und an das alte Palais 
angrenzende Bauanlage bringt. Die noch vorhandenen Sonderentwürfe ß bewegen sich übereinstimmend in dem 
Gedanken zweier parallel geschalteter, langer Stallgebäude, deren Binnenhof nach vorn durch einen Triumphbogen 
und nach hinten durch die überragende „Manege "couvert" abgeschlossen werden sollte. Besondere Beachtung 
beansprucht ein Plan, der von keinem Anderen als Leo Klenze herrührt und in der einfachen großzügigen. 
Architektur die Begabung des jungen Künstlers erkennen läßt. Baugeschichtlich ist die Zeichnung deshalb von 
' Cassel ll S. 58. 
' Schultze-Naumburg, Kulturarbeiten lV S. 56. 
3 Handzeichnung. Landesbibliothek Cassel. 
f Stadtplan v. Krug 1766. Stadtplan v. Selig 1781. 
' Stadtplan v. Selig 1781. 
' Stadtplan v. Martens 1808. 
7 Stadtplan v. Humbert 1813. 
' Handzeichnungen. Staatsarchiv Marburg. 

	        

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