Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

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in seinen Briefen wiederholt zum Ausdruck kommende Unmut über die Zuziehung auswärtiger Kräfte der 
Vermutung Raum, daß er wohl mehr der Leiter als der Architekt des Baues war. 
Der fertiggestellte Bau galt seiner Zeit als mustergültige Anlage, würdig des kostbaren Inhaltes, den 
Prinz Wilhelm-zusammengetragen hatte, als er noch in niederländischen Diensten stand} Die vielgerühmte 
Inneneinrichtung ging zur Zeit der französischen Fremdherrschaft verloren. Als Jeröme nach dem Brande des 
Landgrafenschlosses das Bellevueschloß bezog, ließ er, um Raum zu gewinnen, den ohnehin durch Denons 
Plünderung seiner Hauptschätze beraubten Saal in der Höhe des Hauptgesimses durch eine Decke durchteilen. 
In dieser Verfassung ist der Saal geblieben, der seine Eigenschaft als Galerie vollends einbüßte, als 1877 die 
Gemäldesammlung in ein neues ausreichendes Gebäude überführt wurde. 
Im Übrigen ist die ursprüngliche Art des lnnenraumes der Galerie noch gut festzustellen. Der Gemälde- 
saal, der das ganze Obergeschoß einnahm, besaß eine Länge von 150 Fuß und eine Höhe von 50 Fuß. Er 
konnte, da er keine Fenster aufwies, an seinen Wänden dicht mit Bildern behängt werden. Beleuchtet wurde 
er, dem französischen Vorbild entsprechend, durch hohes Seitenlicht, das durch eine Reihe oberhalb des 
Gesimses angebrachter Fenster in großer Fülle einströmte und insofern als recht günstig sich erwies, als es in 
gebrochenen und zerstreuten Strahlen auffiel und die Bilder vor Blendung oder Spiegelung schützte. Im Erd- 
geschoß enthielt der Galerieflügel die von Landgraf Friedrich II. angelegte Porzellangalerie, für die 1771 der 
Schreiner Ruhl die Konsoltische lieferte} Sie enthielt „in einem Saale auf vielen an den Wänden befestigten 
Piramiden eine auserlesene Sammlung von Chinesischen, Japanischen, Dresdner und andern schönen Porcellain, 
welches aus Vasen, Flaschen, Thee- Coffee- und Tischservicen auch allerhand Figuren bestehet, und billig 
gesehen zu werden verdienet." Apellf berichtet 1792, daß die Sammlung drei Räume umfaßte, und hebt unter 
dem Inhalte eine „Magolica, angeblich von Raphael gemahlt", hervor. Zwischen der Galerie und dem Palais 
befand sich das Treppenhaus, das den Zutritt zur Bildersammlung von außen gestattete und anscheinend durch 
Umbau eines älteren Flügels gewonnen war. Die noch jetzt vorhandene Treppe, eine zweiläufige Anlage, ruht 
auf toskanischen Pilastern und Kreuzgewölben, deren Rippen und Mitten durch Stuckstreifen und Rosetten 
hervorgehoben sind. Ihren unteren Lauf begleitet ein schmiedeeisernes Geländer von guten Rokokoformen. 
Äußerlich ist das Gebäude fast ganz unentstellt geblieben. Der Flügel schließt sich in Material und 
Technik dem alten Hauptbau an. Seine Architekturformen verraten die vorgeschrittene Zeit. Das Erdgeschoß 
besitzt auf der Außenfront flachbogige, auf der Hoffront rundbogige Fenster. Die Höhe der Straßenfenster, die 
bis auf den Sockel heruntergezogen sind, fällt auf. Über dem Erdgeschoß zieht sich ein schlichtes Bandgesimse 
hin. Die hohen auf beiden Fronten flachbogig geschlossenen ursprünglich nur als Blenden angelegten Fenster 
des Saalgeschosses zeigen noch zum größten Teil wie auch die meisten Erdgeschoßfenster der Straßenfront die 
alte Zumauerung. Das dritte Stockwerk kennzeichnet sich auch im Äußeren als Oberlichtzone dadurch, daß 
es oberhalb des Hauptgesimses angeordnet und mit einem balkonartigen Gitter versehen ist. Durch Quaderung 
sind das Erdgeschoß der Hoffront und die jetzt zugesetzte Segmentbogentür der Außenfront ausgezeichnet. Die 
ebenfalls in Quader aufgeteilten Ecklisenen der Straßenfassade lassen erkennen, wo die Grenzen des Alt- und 
Neubaues zu suchen sind. Die ornamentale Verzierung der Fensterschlußsteine im Saalgeschoß und die 
Anordnung von korinthischen Pilastern im Oberlichtgeschoß der Hinterfront sprechen dafür, daß man auf die 
gute Wirkung des nach der Bellevue zu sich öffnenden Ehrenhofes, dem freilich der dritte Flügel vorerst noch 
fehlte, Wert legte. 
Dieser "dritte Flügel, der an der Nordostseite des I-Iofes gelegene Saalbau, entstand erst geraume 
Zeit später. Das Jahr seiner Erbauung ist nicht bekannt. Auf einem Stadtplan, der im letzten Jahr der 
 
Tafel 470,13 
Tafel 24b u. 246 
1 Über die Gemälde vgl. Schminke, Cassel S. 298 ff, Causid, Gemählde-Sammlung S. 1 H. 
Cassel 1881 S. 49 H. 
' Cabinets-Kassen-Rechnung. Staatsarchiv Marburg. 
' Schminke, Cassel S. 307 f. 
' Apoll, Cassel 1792 S. 80. Krieger, Cassel S. 277. 
Krieger, Cassel S. 208 ff u. Apell, 
  
Bn- und Kunudenkmller im Rcgierungsbezirk Cuul. Vl. Cuul-Sudx.
	        

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