Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

im Dienst des Kurfürsten Klemens August von Cöln, eines bayerischen Prinzen, stehenden Architekten Leveille 
kommen. Am 25. Dezember 1749 schrieb Wilhelm an den kurköllnischen Hofmarschall von der Asseburg: 
„Votre Excellence m'obligerait encore tres particulierement de me donner ä sa commodite quelques avis, si 
l'architecte l'Eveiller est occupe presentement, et si l'on pourrait s'en passer pendant quelque temps. Sh n'est 
point employe deiä . . . , je serais fort tente de supplier Son Altesse Electorale de me ceder pour quelques 
mois cet architecte pour la direction du bätiment de ma galerie, dont le sieur Cuvillier a fourni le plan."1 
Dem Wunsche des Prinzen wurde entsprochen. Anfangs des Jahres 1750 kam Leveille nach Cassel. Auch er 
hatte viele Besprechungen mit Charles du Ry." Daneben wurde auch Cuvilliez noch mit dem Bauvorhaben 
befaßt. Er war verpflichtet worden, von München aus, wohin er zurückgekehrt war, den Entwurf zu prüfen. 
Noch einen dritten auswärtigen Sachverständigen zog man zu. Der Marquis de Voyer d'Argenson, ein großer 
Kunstkenner, der auf einer Reise nach der Schweiz Cassel berührte, um den Premierminister von Donop zu 
besuchen und die Gemäldegalerie zu besichtigen, mußte Ratschläge zur Verbesserung des Planes erteilen. 
„Man ist" schrieb Charles du Ry am 10. September 1750 seinem Sohn Simon Louis nach Paris „zur Höhe 
des Hauptgesimses vorgerückt, hat aber eingehalten, weil der Herr Marquis de Voyer d'Argenson, der hier war, 
dem Prinzen geraten hat, die Galerie wie die des Herzogs von Orleans einzurichten, die ihr Licht vom Dach- 
stuhl empfängt." Simon Louis, der gebeten war, über die Einzelheiten dieser Galerie auf Grund eigener 
Anschauung sich zu äußeren, erwiderte, daß nicht die Galerie, sondern der Vorsaal die erwähnte Bauart zeige, 
indem er seine Beschreibung durch eine Skizze erläuterte. „Der vor der Galerie liegende Saal, von dem Herr 
d'Argenson zweifellos hat reden wollen, hat eine länglich viereckte Gestalt, an den Ecken abgerundet, 40 Fuß 
Länge und über 30 Fuß Breite. Die Mauern dieses Saales steigen vom Grund auf, und im ersten Geschoß 
sind die Fenster angebracht, vor denen ein Gang angelegt ist, der von einer Verkragung getragen und von 
einem vergoldeten Geländer eingefaßt ist, wohin man durch den Dachstuhl gelangt. Die Erfahrung hat mich 
gelehrt, daß solche von oben erleuchtete Säle ganz vortrefflich für eine bequeme Betrachtung der Bilder 
geeignet sind." Auch diese Auskunft aus Paris, die Charles du Ry dem Prinzen übermittelte, brachte nicht 
sogleich die gewünschte Klärung. Wilhelm konnte sich noch nicht fest entschließen, sondern ließ den Bau, an. 
dessen Hauptgesimse man die Steine versetzte, unterbrechen und zur Überwinterung mit einem Notdach ver- 
sehen. Inzwischen hatte der Marquis d'Argenson sich an Jacques Hardonin Mansard zu Paris, den Enkel des 
großen Mansard, gewandt, dessen Entwurf jedoch nicht in allen Teilen berücksichtigt werden konnte, da der 
Bau schon zu weit vorgeschritten war. Als verwertbar erwiesen sich noch die Anregungen für die Belichtung 
des Saales. „Die Fenster der Attika", schrieb am 1. Februar 1751 Charles du Ry an seinen Sohn, „welche 
das Licht von oben in die Galerie fallen lassen sollen, werden nicht der Lage des Dachstuhls folgend geneigt, 
wie sie es nach dem Plan des Herrn L'Eveilly sollten, und zwar infolge der Aussetzungen des Herrn Mansard, 
aber die Fenster werden breiter wie die unteren, weil der Prinz annahm, daß sie, wenn sie von derselben 
Breite würden, die Galerie nicht genügend erleuchten möchten." 3 
lm Wesentlichen muß die Bauausführung 1751 beendet worden sein. Bei der inneren Einrichtung 
hatte wiederum der junge Simon Louis du Ry Gelegenheit, sich zu betätigen. Er besorgte in Paris die großen 
Spiegel, welche die Schmalseiten des Saales einnehmen sollten aber erst angebracht wurden, als er nach Cassel 
zurückgekehrt war. Auch besichtigte er „alle oder wenigstens die meisten beachtenswerten Galerien von Paris, 
um die Aufstellung der Möbel und Bilder zu sehen." Mit Skizzen verband er ein ausführliches Gutachten, in 
dem er die Einzelheiten beschrieb, die er in der Zeichnung vernachlässigen mußtef Wie weit Charles du Ry 
an der Entstehung und Entwicklung des Baugedankens beteiligt war, ist angesichts der Beteiligung so vieler 
Künstler schwer zu sagen. Daß er beim Bau mitwirkte, wird durch Casparson 5 bezeugt. Indessen gibt der 
1 Staatsarchiv Marburg. O. W. S. 88. 
' Gerland, Du Ry S. 26 f. 
' Gerland, Du Ry S. 27 f. 
f Gerland, Du Ry S. 28 f. 
' Casparson, Du Ry S. 260, wo irrtümlich 1757 als Beginn des Baues angegeben wird. 

	        

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