Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

Gebäude. 
Tafel 241 
Tafel 249,2 
Tafel 249,1 
Tafel 250,2 
Tafel 253.! 
Mitte ein achteckiger Saal einnimmt, der anscheinend die Baugruppe überragen und mit einer Kuppel abge- 
"schlossen werden sollte. Auch die Kreuzflügel enthalten Säle bis auf den nach dem Hofe gelegenen 
Nordwestarm, in dem die herrschaftliche Treppe liegt. Zwei weitere Säle sind zu beiden Seiten dieses. 
Treppenhauses angeordnet so zwar, daß sie die Ecken zwischen den Kreuzarmen füllen. 
Der großzügige Plan, der ganz den unternehmenden Geist des Landgrafen Karl verrät, blieb fürs Erste 
auf dem Papier stehen. Zur Ausführung kam zunächst nur der an der nordwestlichen Seite des Hofes 
angenommene kleinere Schloßflügel, das jetzige an der Ecke der Frankfurter- und F ünffensterstraße gelegene „Kur- 
fürstliche Palais", das in den älteren Plänen zumeist als „Palais des Landgrafen Wilhelm" aufgeführt wird. Wann 
dieser Wohnflügel, der jetzt das Hauptgebäude seiner Umgebung bildet, begonnen wurde, ist nicht über- 
mittelt, doch lassen die frühen Formen keinen Zweifel darüber, daß er noch zu Anfang des 18. Jahrhunderts 
entstand und Paul du Ry zum Architekten haben muß. Als „Palais Prinz Wilhelm" findet er sich in den Plänen 
eingetragen. Ob der Prinz als Fürst das Schloß oft benutzt hat, ist nicht bekannt. Tatsache ist, daß „Land- 
graf Wilhelms Behausung" lange Zeit leer stand. Zuletzt diente das Palais der Gemahlin Wilhelms ll. zum 
Aufenthalte. Sie starb im Jahre 1841 in dem Eckzimmer des Obergeschosses, dessen Einrichtung nach der Be- 
stimmung ihres Sohnes unverändert bleiben sollte. Als besonders prunkvoll wird von Apell 1 „der in der Mitte 
befindliche reich verzierte Saal" hervorgehoben. Das „japanische Kabinet" erhielt 1783 neue, lackierte und ver- 
goldete Täfelung." Alle Räume waren mit Bildern reich ausgestattet? Chineserien erwähnt 1805 Krieger} 
Das Bauwerk ist in guter Verfassung überkommen, wenngleich im Innern gegen den ursprünglichen 
Zustand mehr als eine Veränderung vorgenommen ist. Es bildet im Grundriß ein Rechteck mit unbedeutenden 
staffelförmigen Vorsprüngen in der Mitte und kurzen Flügeln an den Enden der Hoffront. Eine breite Einfahrt 
nimmt die Mitte des Erdgeschosses ein, das im übrigen durch kleinere Zimmer aufgeteilt ist. Die Wohn- und 
Festräume liegen im ersten Obergeschoß. Ihre Einrichtung rührt zumeist aus späterer Zeit her. Die niedrigen 
Holzpaneele an den Wänden, die strengen Muster der Seidentapeten, die korrekte Zeichnung der Wandpilaster 
die Rechteckform der Marmorkamine und der darüber befindlichen Spiegel, die antikisierende Stilisierung der bald 
,bunt bald in Stuckmanier gemalten Deckenrosetten, die gesetzmäßigen Linien der Glaskronleuchter, die reich- 
liche Verwendung von Mahagoni zu den Verkleidungen stellen außer Frage, daß klassizistischer Geist stark 
umschaffend tätig war. Das lnventar zeigt ausgesprochene Empireformen. Die älteste Fassung bewahrt noch 
der in der Mittelachse gelegene, die ganze Breite des Hauses einnehmende Festsaal. Die bis zur Decke reichenden 
Holzvertäfelungen dieses in Rosa und Gold gehaltenen Prunkraumes zeigen in den geschnitzten Verzierungen 
neben Rosetten und Girlanden noch Gitterwerk und Rocail in symmetrischer Anordnung und gemäßigter Zeich- 
nung. Über den Türen finden sich gemalte Fruchtstücke als Supraporten in reichen Kartuschen. Die mit einer 
Kehle zur Wand übergeleitete Decke ist mit sparsamem Stuck versehen. Von den an den Wänden aufgehängten 
Gemälden gehören die Bildnisse des Landgrafen Friedrichs ll. von Hessen, des Königs Friedrichs l. von Preußen 
und deren Gemahlinnen zum alten Inventars" Der nordwärts anstoßende Gelbe Saal ist durch korinthische Pilaster 
von weißer Farbe, der weiter nördlich sich anschließende Rote Saal mit toskanischen und korinthischen Pfeilern 
von gelbem Stuck an den Wänden gegliedert. Am feinsten in der Wirkung ist der südlich vom Festsaal gelegene 
Grüne Saal. Seine Schmalwand schließt eine große halbkreisförmige Nische mit eingebautem Sopha ab, deren 
Prospekt korinthisierende Anten von gelblichem Stuck wirkungsvoll einfassen. Der sich weiter südlich anschließende 
Gelbe Saal wird in der Mitte durch eine Säulenstellung, ebenso wie früher der Rote Saal, geteilt. Von den 
kleineren Räumen verdienen Erwähnung das nach der Fünffensterstraße gelegene Spiegelzimmer, dessen aus. 
' Cassel 1792 S. 78. 
' Chatoulle-Rechnung 1783. Staatsarchiv Marburg. _ 
' Über die Gemälde vgl. Causid, Gemählde-Sammlung S. 38 ff. u. Apell, Cassel 1792 S. 78 ff. 
' Cassel S. 277. 
' Die übrigen Bilder des Palais' sind aus der Königl. Gemäldegalerie entliehen und dort inventarisiert. 

	        

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