Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

 
Gebäude. 
 
durch die Tatsache, daß Monnot nicht nur Bildhauer sondern auch Architekt war, bei den Künstlern der Barock- 
zeit eine ganz geläufige Erscheinung. Sein Biograph erwähnt, daß er in der Jugend Architektur studierteß 
Die Inschrift seines Grabsteines nennt ihn als Architekten und Bildhauer! Auf dem Grabstein eines seiner 
Söhne steht er als „balnei Casselensis sculptor et architectus" verzeichnet. Und doch muß es fraglich erscheinen, 
ob man wirklich Monnot den Entwurf des Gebäudes zuschreiben darf. Auch die Inschrift auf dem Grabstein 
seines Sohnes spricht nicht unbedingt dafür, da man das Wort „architectus" nicht notwendig auf „balnei 
Casselensis" zu beziehen braucht, sondern als selbständigen Ausdruck fassen kann. An Gegengründen 
scheint es nicht zu fehlen. ln seinem ausführlichen Angebotsschreiben erwähnt der Bildhauer mit keinem 
Worte die Tatsache, daß er vom Landgrafen mit Anfertigung des Bauentwurfes beauftragt gewesen sei. Unter 
seinen Werkleuten werden nur Steinschneider, Steinmetzen und Bildhauer genannt, aber keine eigentlichen 
Bauarbeiter. Sein Biograph führt ihn nicht unter den Architekten, sondern unter den Bildhauern auf. Er 
schreibt ihm weder das Casseler Bauwerk noch sonst ein Gebäude zu." Noch befremdender ist, daß sich 
der Meister selbst in der Bauinschrift nur als Verfertiger der Marmorwerke, nicht aber als den Baumeister 
bezeichnet." Auch innere Gegengründe ließen sich anführen. Die ganze Anlage der Orangerie scheint 
darauf hinzudeuten, daß die Pavillons gemeinsam mit dem Hauptbau geplant sind und zwar in Hinblick 
auf die soeben fertig gewordene Favorite in Mainz, wo sich ebenfalls vorgestellte Pavillons finden. Vielleicht 
wurde in Cassel die Ausführung der Pavillons zunächst deshalb nicht in Angriff genommen, weil man dem 
Untergrund noch nicht recht traute, wodurch sich am einfachsten wohl auch die verspätete Ausführung 
des Küchenpavillons, des Gegenstückes zum Marmorbad, erklärts" Möglicherweise fehlte auch das Geld. 
Überdies aber nimmt die Innenausstattung des Marmorbades so wenig Rücksicht auf die Fensteranordnung - 
die Einbauten schneiden ganz willkürlich in die lichten Öffnungen ein, die sie zum Teil sogar ganz verdecken- 
daß der ganze Innenbau den Eindruck erweckt, als wenn in ein bereits im Plan feststehendes Gehäuse eine 
Dekoration mit Gewalt hineingepreßt worden ist, die tektonisch und künstlerisch einen Zusammenhang mit dem 
eigentlichen Bauwerk nicht erreichte. Wenn Monnot wirklich der Architekt des Hauses gewesen wäre, so 
hätte er dem Bauwerk im Äußern vermutlich andere Formen gegeben, zumal er an die Architektur der 
Orangerie -- das lehrt auch der jetzige Zustand - nur sehr lose gebunden war. Gerade die Abweichung 
des Marmorbades vom Orangeriegebäude 6 konnte aber auch als Grund genommen werden, daß hier ein fremder 
Künstler, eben Monnot, als Architekt am Werke gewesen ist. Indessen die Verschiedenheit, die beim Marmor- 
bade-am sichtbarsten im Hinaufrücken der Pilaster zum Ausdruck kommt, erklärt sich wohl ungezwungen durch 
die Notwendigkeit, ein pilasterfreies, durch Gurtgesims abgeschlossenes Erdgeschoß zu gewinnen, an das die 
geplante Kolonnade sich organisch anschließen konnte. Solange nicht beweiskräftigere Quellen als die bisherigen 
lgefunden werden, wird die Frage nach dem Architekten wohl offen bleiben müssen. Bei aller Unklarheit 
nur davon, daß er die Wachsmodelle seiner Skulpturen „in das Modell des Bades gemacht," d. h. eingesetzt habe. Das Modell des Bades 
selbst kann recht wohl von einem anderen Künstler herrühren. Aber auch wenn Monnot das Modell des Bades angefertigt hat, was sehr 
wohl denkbar ist, fragt es sich, ob nicht ein Anderer die Pläne aufgestellt hat, nach denen Monnot das Modell arbeitete. Wenn man unter 
„Bad" lediglich den Innenraum versteht und nicht auch die Außenarchitektur, so wird Monnot allerdings auch an der Ausbildung von Grund- 
und Aufriß zum mindesten stark beteiligt und, was die architektonischen Einzelformen angeht, wohl ganz allein maßgebend gewesen sein. 
Auch der Wortlaut der Zahlungsanweisung vom 9. Juli 1722 scheint nicht auszureichen, in Monnot den entwerfenden oder bauleitenden 
Architekten zu erblicken, da weder von einer Tätigkeit des Künstlers als Baumeister noch davon die Rede ist, daß er Geld für den Bau 
als solchen erhält. 
' Pascoli, Vite II S. 488. 
' Castan, Monnot S. 58. 
' Vgl. auch die Zusammenstellung von Monnots Werken bei Castan, Monnot S. 55 ff. 
f Kay, Statuen S. 2, glaubt, daß Monnot keinen Wert darauf gelegt habe, sich als Architekten zu nennen. „Die Inschrift be- 
zeugt, da jedes einzelne Werk schon ohnedies den Namen seines Verfertigers trägt, während er sich nirgends als den Architekten bezeichnet, 
was er bei dem ganzen Unternehmen als die Hauptsache angesehen." 
' Es ist mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß das Gebäude des Marmorbades, das auf dem aufgefüllten Gelände des Blecken- 
teiches zu stehen kam, ebenso wie der Küchenpavillon eine besonders schwierige Gründung erforderte, die der Biograph wohl erwähnt haben 
würde, wenn Monnot der Baumeister gewesen wäre. Vgl. Abschnitt „Küchenpavillon" S. 351. 
' Brunner, Orangerieschloß S. 379.
	        

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