Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

Tafel 171,2 u. i 
Tafel 26,1 
Tafel S 
Tafel 9 u. 65,2 
ist",' sind unter den Rechnungsposten „vor und nach der fürstlichen Kindtaufe" auch Schranken zum Fuß- 
turnier und tannene Futterdielen zum Judizierhäuslein aufgeführt. Als Ausstattungsstücke dieses Judizierhauses 
werden in dem Inventar des Schlosses von 1612' ein Täfelein, ein Tisch, eine Vorbank und „Kannenbänke zum 
Silbergeschirr und anderm zu gebrauchen im Ringrennen" vermerkt. Eine gewisse Berühmtheit erlangten 
die Turniere der Jahre 1596 und 1613. Daß die Rennbahn nicht nur den Spielen, sondern auch anderen 
Zwecken diente, ergibt die Mitteilung, daß am 7. August 1663 die Bürgerschaft hier den Huldigungseid leistete. 
Nicht weniger als 739 Personen nahmen an der Feier teil. lm Jahre 1730 fand wiederum die Ablegung 
eines Huldigungseides, im Jahre 1731 ein Gottesdienst für die Salzburger Emigranten statt} 1734 fielen die 
Baulichkeitenf Die Rennbahn selbst findet sich in der Folgezeit als „Gartenplatz" verzeichnet? 
Beschreibungen der Anlage aus älterer Zeit scheinen nicht überkommen zu sein. Merian ' und Winkel- 
manni beschränken sich 1655 und 1697 auf die knappe Angabe, daß die „sehr grose und weite Rennbahn 
mit einem von Brettern aufgebauetem halbrunden Judicir- oder Richter-Spruchs-Hauß" versehen war. Eine 
üppigere Schilderung gibt 1714 Rothansß „Die Reitschule, welche an das Schloß stößet, ist herrlich mit zwey 
Gallerien, eine über die andere umfangen, so in Form eines halben Mondes gemacht und vergüldet, davon 
man das Ringel-Rennen und Pferd-Thurnier sehen kann." Auch „allerhand schöne Brunnen" sollen die Anlage 
umsäumt haben. Noch günstiger äußert sich der Franzose Samuel Chappuzon," der sein Urteil dahin zusammen- 
faßt, daß die Casseler Rennbahn etwas ganz Außergewöhnliches darstelle. „Le manege n'a point possible son 
pareil au monde. Une grande galerie le prend en demi-lune, et au-dessus vers le milieu une seconde toutes 
peintes et toutes eniolivees, d' oü les princesses peuvent voir a souhait les courses de bague et les tournois. 
Un grand balustre l" environne de toutes parts, et derriere se voit un superbe amphitheätre que ie ne puis 
mieux representer que par celui du palais Cardinal. A cöte est le jeu de panne." Abbildungen aus der Zeit 
der Ritterspiele um 1600 finden sich bei Dilich." Die Rennbahn erscheint als großer rechteckiger Platz, der 
von Holzschranken so eingefriedigt ist, daß ein Umgang verbleibt. Die Seite nach der Fulda zu nimmt eine 
besondere Stechbahn ein, die durch Holzschranken wiederum in drei Einzelbahnen zerlegt ist, von denen die 
mittlere in der Mitte das Joch für die Ringelstechen und die beiden seitlichen an jedem Ende eine Rundbogen- 
stellung besitzen. Die Ständer des Ringelstechgerüstes erscheinen als schlanke Obelisken, während die Pfosten 
der Rundbogenstellungen auf einer Sonderzeichnung Dilichs 11 sich als Holzpfosten in Säulenform herausstellen, 
über die sich im Halbkreisbogen ein Kranz mit drei im Scheitel herabhängenden Früchten verspannt. Eine Abbildung, 
auf der sich ein Stechgerüst etwa in der Mitte des Platzes, ein einzelner Obelisk, sowie kreisförmige Reitspuren 
erkennen lassen, bringt 1638 Erich." Am übersichtlichsten zeichnet 1646 Merian 13 die Anlage. Die Rennbahn 
erscheint auf der dem Schloß abgewandten Seite halbkreisförmig geschlossen und von einem Laubengange umgeben. 
Die Mitte dieser Kolonnade nimmt das Judizierhaus, ein schlichtes Bauwerk, ein, das die Kolonnaden etwas 
überragt und an den Schmalseiten Giebel zeigt. ln der Sehne des Halbkreises sind vier Obelisken, offenbar 
die Halter für die Stechringe, aufgestellt. Einen zuverlässigen Grundriß, der auch die Kolonnade enthält, gibt 
1673 Wessel," der hinter der Kolonnade nach dem alten Kommödienhaus zu noch ein kleines achteckiges 
' Landau, Kollektaneen, Bauten II. Landesbibliothek Cassel. 
' Handschrift. Staatsarchiv Marburg. 
1' Stadtarchiv Cassel. E 200. Losch, Chroniken S. 16-18. 
' Schminke, Casscl S. 113. 
5 Justi, Denkwürdigkeiten H S. 264. 
' Topogr. Hass. Anh. S. 15. 
7 Hessen ll S. 284. 
' Memorabilia. 
' Tableau raccourci de la Heße. S. 23. Handschrift. Landesbibliothek Cassel. 
" Stadtansicht v. Dilich (Bl. 15) 1598. Stadtansicht v. Dilich 1601. 
" Dilich, Ritterspiel Bl. 18. 
" Stadtansicht v. Erich 1638. 
" Stadtplan v. Merian 1646. 
" Stadtplan v. W'essel 1673. 

	        

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