Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

introitui arcis opposita eam summopere ornituram, altera vero modernam cancellariam versus scholae futurae- 
in significandis temporis interstitiis maximo usui fore arbitror." l Da an einer anderen Stelle in Wolffs Schreiben 
von einer anderweitigen delineatio des Wilhelmus statuarius die Rede ist, rührt möglicherweise auch dieser 
Entwurf vom Meister Wilhelm Vernucken her.' Mehr Bedeutung als wegen dieses ebenfalls nicht zur Aus- 
führung gekommenen Entwurfes" beansprucht die Zeichnung deshalb, weil sie die Nordostfront des Schlosses in 
ihren Einzelheiten genauer wiedergibt. Die Front, die auffallender Weise neben dem Ostgiebel eine Lücke 
aufweist, durch die man einen beschränkten Einblick in den Hof hat, besitzt eine ganze Reihe Mauerverstär- 
kungen, darunter auch am Ostgiebel die beiden bereits genannten hohen Strebepfeiler der alten Kapelle. Der 
Nordgiebel zeigt einen schmalen, vom Erdboden bis in das oberste Giebelgeschoß reichenden Erker mit oberem 
Altan. Ein gleicher Erker kleineren Maßstabes findet sich in der Mitte der Front. Als Zutat noch der Re- 
naissance ist die Verdoppelung der Flankengiebel auf dem Nordostflügel anzusehen. Ob auch der Mittelgiebel 
dieses Bauteils eine nachträgliche Bereicherung vorstellt, ist mangels älterer Ansichten nicht zu bestimmen. 
Eine bauliche Änderung großen Umfanges plante Landgraf Karl. Die von der Stadt aus am meisten 
sichtbaren Teile des Schlosses, der Nordost- und Nordwestflügel, sollten eine völlig neue Gestalt erhalten. 
lhr Abbruch war, sollte das Schloß die dem Barock eigene Symmetrie annehmen, um so weniger zu vermeiden, 
als auch der Grundriß die unerfreulichen Unregelmäßigkeiten aufwies, die aus der Benutzung von Burgresten 
und der Art, stückweise zu bauen, sich ergeben hatten. ln der Entwurfszeichnung' sind die neuen Teile rot 
eingetragen. Unterzeichnet ist das Blatt, das die Jahreszahl 1722 trägt, mit D. L. F., Archit., wohl der Ab- 
kürzung von De la Fosse, der um diese Zeit von Landgraf Karl mit Entwürfen beauftragt war! Die beiden 
neuen, Flügel, die den rechten Winkel genau wahren, zeigen an der Hofseite durchgehende Flure. Dem 
Schmalflügel ist, gleichfalls nach dem Hofe zu, ein herrschaftliches Treppenhaus vorgelegt. Vom Fuldaflügel, 
der im Grundriß ebenfalls Korridoranlage aufweist, ist eine Außenansichtf überkommen, die eine Mansarde, 
sonst aber wenig Änderungen gegen den früheren Bestand zeigt. Zur Ausführung kamen diese Umbauentwürfe 
ebenso wenig, wie die großen Pläne, die Karl hinsichtlich des Neubaues eines Prachtschlosses in der Aue hegte. 
Ebenfalls in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts äußerte der Kammerrat Prizier einige „ohnmaß- 
gebliche Gedanken über die höchst nötige Erneuerung des Schloßdaches über dem Rothenstein und dabei zu- 
gleich -in Erwägung zu ziehende Erhöhung des Mauerwerks, ob nämlich dasselbe sowohl auf der inneren Face 
des Hofes als auch auf der auswendigen gegen den Wall nach der Fulda zu in der Höhe wie die jetzigen 
Erker sind, durchgehends aufzuführen sein möchte." Bei der Hoffront wurde eine Erhöhung des Mauerwerkes 
nicht für angebracht erachtet. „Die Face im Innern des Hofes ist bis an den Fuß des Daches (ohne die Erker) 
60 Fuß hoch, der Hof an seinem tiefsten Ort nur 77 Fuß breit. Eine solche Disproportion schließt die Er- 
höhung des Gebäudes aus, sie fällt einem jeden, zumal jedem Fremden, der zum erstenmale den Hof betritt 
auf." Eine Mansarde in der Mitte mit Erker oder Attique frontone wurde für die Hoffront als die günstigste 
Lösung angesehen. Dagegen hatte die Erhöhung der Fuldafront nichts Bedenkliches, da hier der" gegenüber- 
liegende Wall dem Gesicht gar vieles von der Höhe des Gebäudes benahm. Indessen hinderten Baufälligkeit 
und andere Gründe die Ausführung auch dieses Entwurfesß 
lm Jahre 1734 wurde der „Glockenthurm" abgebrochen. Es scheint sich um den Dachreiter gehandelt 
zu haben, in dem die Schloßglocke hing. Denn die Rechnung, in der diese Arbeit erwähnt wird, führt als 
Werkleute nur Zimmerleute auf. Auch beim Ersatzbau, der im gleichen Jahre, eine Woche später, vorgenommen 
wurde und zu dem man eichene Klötze benötigte, ist nur Zimmerarbeit festzustellenß Bauliche Veränderungen, 
die das Äußere anscheinend nicht berührten, wurden 1753 mit einem Kostenaufwand von über 6000 Talern 
' Staatsarchiv Marburg O. W. S. 104. 
' Nach Knetsch, Landgrafenschloß S. 340, wesentlich jünger. 
' Handzeichnung. Staatsarchiv Marburg. 
4 Vgl. Bd. lV S. 27 und 243. 
' Handzeichnung. Staatsarchiv Marburg. 
' Staatsarchiv Marburg. M. St. S. 7288. 
' Staatsarchiv Marburg. M. St. S. 3690. 
 
 
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