Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

Über das Aussehen des Schlosses geben die Beschreibungen früherer Zeiten eine mehr oder weniger 
klare Auskunft. Das Schloss bildete im Grundriß einen geschlossenen Vierflügelbau mit Binnenhof von der 
Form eines ungenauen Rechteckes, dessen Längsachse von Nordosten nach Südwesten gerichtet war} Seiner 
Ausdehnung nach dürfte es sich mit den Abmessungen der Burg decken. lm Aufriß umfaßte es außer dem 
Keller drei Geschosse. Die älteren Topographen sind einig im Hervorheben des bedeutenden Eindruckes, den 
das umfangreiche, ragende Bauwerk machte. Merian' setzt unter den weltlichen Gebäuden der Stadt das 
Schloß an die erste Stelle. Nach Winkelmann ' war Cassel „sonderlich berühmt, als darinnen vornemlich und 
zu erst die vortreffliche Fürstliche Residenz oder Schloß ganz von Steinen viereckt wiewol länglicht, sehr hoch 
aufgeführet, und ganz mit Schiefern bedeckt, liegt sonst abwerts des Stroms zur Linken an einem Hügel, und 
hat gegen dem Wasser Südostenwerts einen solchen schönen Prospect, als weit und breit bey keinem Fürstl. 
Hause zu finden". Rothausf rechnet zu den „außerlesenen Denkwürdigkeiten, welche ein curioser Reysender 
zu observieren hat", auch das Casseler Schloß, das er als ein „sehr prächtiges Gebäu, sehr erhaben und regular 
gebaut" bezeichnet. Selbst Uffenbachß der dem lnneren des Gebäudes keinen Geschmack abgewinnen konnte, 
lobt das Äußere. Schminkeß Engelhardl und andere, die dem Schloß unter den Sehenswürdigkeiten der 
Stadt einen besonderen Platz einräumen, heben als Vorzug des Baues hervor, daß er „eine so weite und schöne 
Aussicht hat, als man nur bey einer Fürstlichen Wohnung wünschen kan". Günderodeß der sich. diesem 
Urteil anschließt, spricht sich anerkennend über die innere Einrichtung aus, tadelt aber die unbequemen 
Wendelstiegen. Krieger9 bringt die Außenmaße des Bauwerks. „Seine ganze Breite beträgt 215 Fuß, seine 
Länge auf der Nordostseite 270, auf der Südwestseite aber 290 Fuß". Der Binnenhof maß nach Apell" 
165 Fuß in der Länge und 90 Fuß in der Breite. Die zahlreichen jüngeren Schriftsteller halten unter dem 
Eindrucke der anders gearteten zeitgenössischen Baukunst zwar mit dem Lobe der architektonischen Schönheit 
des Schlosses zurück, erkennen aber die beherrschende Wirkung des Massenbaues an. 
Verhältnismäßig gut sind wir über die innere Einrichtung des Schlosses unterrichtet." Merian," 
Winkelmannlß und Schminke" begnügen sich zwar mit der Nennung der vorzüglichsten Säle und Prunk- 
gemächer, ohne überall deren Lage anzugeben. Doch führen lnventarverzeichnisse aus den Jahren 1612 und 
1613 15 sowie aus dem Jahre 17181" die Räume und ihre Ausstattung, wie es scheint, ziemlich vollständig 
auf. Der Südwestflügel, der Küchenbau, enthielt im Erdgeschoß links vom Haupteingang die Küchen, 
nämlich die Herren- und die Ritterküche, und rechts vom Eingang den großen Gesindesaal, den Mittel- und 
den Junkern- oder Rittersaal. Daneben finden sich Fleischräume, Speisekammern und Bierkeller aufgeführt. 
Der Hauptraum des ersten Obergeschosses scheint der Küchensaal gewesen zu sein. Merian 1' und Winkelmann lß 
bezeichnen ihn als sehr hoch, hell und weit. Seinen Namen hatte er, „weil er zum Theil über der Küche 
1 Piderit, Cassel S. 112, nimmt „einen durch einen Zwischenbau getrennten, doppelten Hof" an. 
Binnenhof vorhanden. 
' Topogr. Hass. S. 18. 
' Hessen II S. 274. 
4 Memorabilia. 
' Reisen l S. 29 f. 
' Cassel S. 97. 
" Erdbeschreibung I S. 89. 
8 Briefe iS. 20 f. 
' Cassel S. 107 f. 
" Cassel 1792 S. 16 f. 
" Knetsch, Landgrafenschloß S. 827 H. 
" Topogr. Hass. Anh. S. 13. 
" Hessen II S. 274 ff. 
" Cassel S. 99 ff. 
" Handschrift. Staatsarchiv Marburg. 
" Handschrift. Landesbibliothek Cassel. 
" Topogr. Hass. Anh. S. 13. 
" Hessen II S. 275. 
In Wirklichkeit war nur 
ein 
 
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