Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

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Gebaude. QQQEQE 
lautet: „GVLIELMVS. HASSIIE . PRINCEPS . CVM . RERVM . ASTRONOMICARVM - TVM xARCHlTEC- 
TONICXE - RELIQVARVMQ . ET . ARTIVM . LIBERALIVM - ET - RERVM - BELLlCARVM - COGNlTlONE . 
INSTRVCTISSIMVS . POST . RESTITVTVM - PATRUE - Vl . BELLICA . PATREM . PHlLlPPVM - FVNDA- 
MENTIS . HVlVS . jEDlFlCll - POSITIS . OPUS - lNCOEPTVM - lMPENSlS - PROPRIIS . SVPERSTRVXIT - 
ANNO - SALVTIS . MlLLESlMO - QVlNGENTESlMO - SEXAGESIMO". Leider ereignete sich beim Frauen- 
zimmerbau gleich im ersten Jahr ein Unglück. „Den 29. July, als der neue Bau ,das Frauenzimmen gebauet, 
und das dritte Gewelbe mit weissen Taubsteinen, so bey dem Zierenberge gefällt, gemacht, und als diß Jahr 
ein nasser Sommer war, ist der mürbe Stein weicher worden; als man nun den Bogen uf dem kleinen Saal 
einen oder zween ausgeschlagen, ist das Gewölbe niedergefallen, das Gewölbe unter diesem war auch in- 
gefallen, darunter stunden Maurer und Handreicher, deren schlugs sechs zu Tode, und wurden zwen Mann 
lebendig aus niedergefallenen Steinen wieder gelanget".' Bis zum März 1560 waren von Philipp 8800 Gulden 
bewilligt worden. Zu dieser Summe kamen noch 2000 bis 2500 Gulden hinzu, weil das an dieser Stelle 
befindliche Grundmauerwerk des ehemaligen Burgbierkellers durch Wasserrohrbruch gelitten hatte und entfernt 
werden mußteß Es scheint als ob der alternde und sparsam gewordene Fürst nicht mit allen Baumaßnahmen 
seines Sohnes einverstanden war. Am 17. März 1560 schrieb Philipp von Darmstadt aus an Wilhelm: „Es ist 
auch nicht vonnöten, daß in dem Hause wie im andern viel Alabaster noch gülden oder übergülte, auch über 
die Gemaß geschnitzte Gemache bereit werden. Dann wir mit Gold- und Silberbergwerk dermaßen nit ver- 
sehen wie die Herren, so sollichs aus Wollust und Überfluß thun; sondern sonst feine und bequeme lustige 
Gemach zugericht werden, da man woll innen wohnen kann"? Den Namen des Architekten erfahren wir aus 
der Nachschrift zu einem Schreibenf Landgraf Wilhelms vom 23. Februar 1562, das er an den Herzog Wilhelm 
von Jülich richtete: „Auch freundlicher lieber vetter, wollen wir euer liebden freundlich nicht verhalten, das 
wir alhie an unsers gnedigen lieben herrn vatters gebheuen einen meister gehapt haben mit namen Elias Dupre, 
wilcher ein trefflicher architectus" ist; als er uns dann ist vorkommen und treu und from darneben, dieweil 
dan unsers herrn vatter bheu numher (got lob) geendet, als haben wir inen beurlaupt, und do wir wusten; 
das wir e. l. daran zugefallen theten, wolten wir inen e. l. zuweysen, inen haben uf e. l. gebheu zu ge- 
bruchen". Was aus Dupre geworden ist, ist nicht bekannt. Herzog Wilhelm hatte damals keine Verwendung 
für ihnfi 
Am Casseler Schloß müssen tatsächlich 1562 die Bauarbeiten im Wesentlichen beendet gewesen sein; 
denn diese Jahreszahl nannte die über dem Portal des äußeren Schloßhofes befindliche, zu Schminkesl Zeit 
(1767) bereits stark verwitterte Inschrift: „Philips der Eltere von Gottes Gnaden Landgrave zu Hessen, Graf 
zu Catzenellenbogen, Dietz, Ziegenhain und Nidda . . . angefangen den 25ten . . . Anno . . . und mit . . . 
geendiget 1562".8 Ein Jahr später fand noch die Neuherrichtung der Kapelle und die „Aufführung des rthornlins: 
uffem alten Windelstein" statt. 1564 endlich scheint noch eine Glocke beschafft zu sein, denn in diesem Jahre 
richtete Wilhelm lV. an Johann von Meschede das Ersuchen, er solle mit dem Abt von Schlechtdorf(Flechtorp P) 
verhandeln, daß er dem Landgrafen eine Glocke für das Schloß überlasse} 
Erst nach Philipps Tode erfolgte der gründliche Umbau des Flügels an der Fulda, des Rotensteins. 
Am 20. September 1569 konnte der Oberst der Festung Cassel Georg von Scholley an Wilhelm IV. berichten, 
' Nebelthau, Congeries S. 378. Nebelthau, Gebäude S. 32. 
2 Staatsarchiv Marburg. O. W. S. 104. Küch, Archiv Philipps l S. 42. 
' Ortsrepositur Cassel. Staatsarchiv Marburg. 
4 Staatsarchiv Marburg. Polit. Archiv Landgraf Wilhelms IV., Abt. Jülich 1562-64, Konzept v. 28. Febr. 
5 lm Konzept von Landgraf Wilhelm eigenhändig aus „bilthauer" verbessert. 
' Knetsch, Landgrafenschloß Nachtrag. 
7 Schminke, Cassel S. 99. 
' lnschrift vollständig bei Krieger, Cassel S. 109 f. 
9 Ortsrepositur Cassel. Staatsarchiv Marburg. 
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