Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

 
Gebäude. 
das Spital ebenso wie das Siechenhaus der Unterneustadt in den Pfarreiverband von St. Martin brachte} Den 
Rest ihrer geistlichen Unabhängigkeit verloren die Insassen, die als eigene Gemeinde bestehen geblieben waren, 
nach der Reformation, als sie 1540 auch seelsorgerisch den Geistlichen des Stiftes unterstellt wurden? 
Tafel 4, T u. 63,1 
Tafel 25 
Tafel 8 
Kapelle. 
Das Vorhandensein einer besonderen Kapelle läßt sich aus einer Urkunde des Jahres 1338 schließen, 
durch die das Spital eine Rente zu einem ewigen Licht erhielt} "Beteiligt an diesem Vermächtnis war 
Hartmann von Englis, der, wie eine Urkunde des Jahres 1358 ergibt, den Erasmusaltar der Kapelle innehatteß 
Ein Dreikönigsaltar wird im gleichen Jahre genannt} Außer diesen beiden Altären, deren Patronat 1366 an 
das St. Martinsstift kamß erscheint urkundlich in eben diesem Jahre noch der Jodokusaltar} Würdtwein," 
der den Erasmusaltar nicht mehr kennt, führt neben dem Dreikönigs- und Jodokusaltar noch die Altäre der 
hl. Elisabeth und der hl. Jungfrau auf. Ob man aus einer Mitteilung des Jahres 1364, wonach ein Bote des 
Hospitals Almosen zum Bau und zu allerlei Notdurft des Hospitals sammelteß auf eine größere Bau- 
tätigkeit schließen darf, muß fraglich erscheinen. lm Chor der St. Elisabethkirche fand 1450 eine notarielle 
Verhandlung statt." Von einem Geluchte vor dem Sakrament in der St. Elisabethkirche ist 1515 die Rede." 
Über das Aussehen des Baues, der bis auf die Glocke untergegangen ist, herrscht keine volle Klarheit. 
Die älteren Abbildungen, die freilich das Bauwerk schon innerhalb der vergrößerten Stadt wiedergeben, 
stimmen darin überein, daß sie die Anlage durch ihre Abmessungen aus der Nachbarschaft herausheben. Michel 
Müller" zeichnet um die Mitte des 16. Jahrhunderts das von der Seite der Obersten Gasse gesehene Gebäude 
als Steinbau mit einem rundbogigen oder rechteckigen Portal im Erdgeschoß und kleinen rechteckigen Fenstern 
im Oberstock. Dem Dach nach zu urteilen, dessen von Süd nach Nord gerichteter First parallel zur Obersten 
Gasse läuft, ist die Längsfront dargestellt. Ein Vergleich mit anderen Gebäudeabbildungen des in den Einzel- 
heiten nicht immer zuverlässigen Zeichners berechtigt iedoch zu dem Schlusse, daß ebenso gut die Schmalseite 
gemeint sein kann. Als verdächtig muß auf Müllers Zeichnung bei dem noch aus dem 13. Jahrhundert 
stammenden Bauwerk der Abschluß der Dachenden mit Walmen statt mit Giebeln angesehen werden. 
Mehr Glauben verdient Dilich," der zu Anfang des 17. Jahrhunderts die entgegengesetzte Seite wieder- 
gibt, und zwar als Giebelfront, die den von West nach Ost gerichteten Bau abschließt. Wenn man dem 
Schlagschatten auf dem hohen Dache trauen darf, so ist die Giebelspitze mit einem kleinen Aufsatz von Fialen- 
form geschmückt. Das Giebeldreieck besitzt eine Kreisöffnung, die Unterwand zwei rundbogige Fenster. Mit 
dieser Darstellung stimmt im Wesentlichen Merians um die Mitte desselben Jahrhunderts gezeichneter Plan '4 
überein, der im Unterteile der Giebelwand ein Rundbogenportal bringt, den Ostgiebel mit Staffeln, den West- 
giebel mit glatter Schräge zeichnet und in der Oberzone der Längswand drei größere, in der Unterwand drei 
kleinere Rundbogenfenster wiedergibt. Der mit Krabben besetzte und in eine Kreuzblume auslaufende Giebel- 
aufsatz erreicht eine Höhe, daß man ihn um so eher für ein Glockenhaus halten könnte, als der Bau einen 
Dachreiter nicht besitzt. 
' Schultze, Klöster, Urk. No. 827. 
' Ledderhose, Kirchenstaat S. 85. Hochhuth, Statistik S. 17. 
' Kuchenbeclter, Anal. Hass. IX S. 202. Schultze, Klöster, Urk. No. 755. 
4 Schultze, Klöster, Urk. No. 766. 
' Schultze, Klöster, Urk. No. 767. 
' Schultze, Klöster, Urk. No. 772. 
' Schultze, Klöster, Urk. No. 774. 
' Dioec. Mogunt. lll S. 526. 
' Schultze, Klöster, Urk. No. 1305. 
" Schultze, Klöster Urk. No. 1824. 
" Schultze, Klöster, Urk. No. 1886. 
" Stadtplan v. Müller 1547 u. 1548. 
" Stadtplan v. Dilich 1605. 
" Stadtplan v. Merian 1646. 

	        

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