Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

lm Jahre 1730 wurde die untere Empore, eine einfache Holzbühne, eingebaut;' die obere entstand in 
Anlehnung an die Form der unteren 1874. Daß die Emporen bereits von du Ry vorgeseheh waren, beweist 
die Einfügung der Tragsteine für das Gebälk und die Anlage der Zugangstüren in den Umfassungsmauern, wie 
ein Gutachten des damaligen Baurates Prof. von Dehn-Rotfelser im Jahre 1872 dartat. Sie sollten nach Be- 
dürfnis eingefügt werden. 
Die Orgel, der Kanzel gegenüber bedeutete wohl ein Zugeständnis an die deutsche Gemeinde, da 
Kirchenorgeln sonst in französisch-reformierten Kirchen nicht üblich waren. ' 
Wie schon oben gesagt, sollte die Kuppel nach du Rys Plan und dem Entwurf, wie ihn die Medaillen 
zeigen, eine Laterne tragen. Dieser Gedanke mag wohl schon während des Baues, d. h. nach Abschluß der Kuppel 
aufgegeben worden sein. Man ersetzte die Laterne durch einen kleinen achteckigen Glockenturm, der seiner- 
seits wieder im Jahre 1892 dem jetzigen von Professor Schneider entworfenen Aufsatz weichen mußte. Daß 
die Laterne niemals vorhanden gewesen, geht aus dem Fehlen aller Rechnungen über den etwaigen Neubau 
des Türmchens hervor. Daß sie aber erst nach Abschluß der Kuppel aufgegeben wurde, beweist das Vor- 
handensein der Zapfenlöcher, die man 1892 im Scheitelkranze der Kuppel vorfand. Der neue Turmaufsatz 
entspricht in seiner Grundfläche derjenigen der Laterne, die durch die Zapfenlöcher markiert war} hat aber 
im Äußern keine Ähnlichkeit mit dem Entwurfe du Rys, wie ihn die Medaillen an die Hand geben} 
Das Bleidach der Kirche wurde 1754 durch das gegenwärtige Kupferdach CTSCIZI,5 das freilich nur 
den oberen Teil der sonst beschieferten Kuppel deckt. lm gleichen Jahre erhielt der Bau im Äußeren einen 
weißen Anstrichß 1766 wurde das lnnere geweißtF 1804 errichtete man in der Kirche einen „adeligen 
Stand", sowie einen solchen für die Reichsgräfin von Schlotheim." 
- lm Jahre 1822, kurz vor der Vereinigung der beiden in Cassel bestehenden französischen Gemeinden, 
der der Altstadt und der Oberneustadt, wurde das Gotteshaus - zunächst im lnnern - einer gründlichen 
Instandsetzung unterzogen, bei welcher vor allem die gegen Entgelt verpachteten geschlossenen Gitterstände 
beseitigt wurden. Dem gleichen Schicksal verfielen auch die acht, später neun Gewölbe oder Verkaufs- 
buden, welche seit 1750 auf Kosten der Oberneustadt in die Nischen der äußeren Strebepfeiler eingebaut 
waren und insbesondere zu Meßzeiten zum Besten des Stadtärars vermietet wurden." Der innern folgte 
1826 die äußere Herstellung der Kirche. 1" Erneut instandgesetzt wurde die Kirche im Jahre 1869, bei 
welcher Gelegenheit sie auch eine Ofenheizung erhielt." Der Gottesdienst in französischer Sprache hörte mit 
dem 1. Dezember 1867 auf. (Brunner.) 
Kanzel an nordwestlicher Schmalwand, hängend, auf schlichter Auskragung, viereckig, mit Pilastern und acht- 
eckigen Füllungen, mit spärlichem Ornament. Geschwungener Deckel mit Kelch als Bekrönung. 
Orgel, an südöstlicher Schmalwand, auf unterer Empore, an Stelle eines von Andreas Jacobi 1708 herge- 
stellten und 1732 nach Wolfsanger verkauften Werkes," von Dibelius erbaut, 1735 erweitert, 1798 
 
l Die im Jahre 1734 ausgeschriebene Kollekte sollte der lnstandsetzung des Kirchendaches dienen, nicht wie Heussner annimmt, 
der Aufführung der Empore. Stadtarchiv Cassel M. 338. 
2 Heussner, Colonie Cassel, S. 17. 
3 Mündliche Mitteilung des Herrn Professor Schneider. Wie derselbe weiter zu vernehmen gab, waren die konstruktiven 
Schwierigkeiten für den jetzigen Turm bezüglich der Belastungsmöglichkeit der Kuppel nicht gering; vielleicht war um deswillen der 
größere Aufbau s. Z. aufgegeben worden, was hier wiederum mit dem Übergang der Grundfläche der Kirche vom gleichseitigen Achteck 
des ursprünglichen Entwurfes (s. Gerland, Du Ry, S. 10) zu einem langgezogenen zusammenhängen mag. 
4 Die Übereinstimmung des gegenwärtigen Turmabschlusses mit dem von du Ry geplanten behauptet Gerland, Du Ry S. 10. 
5 Losch, Chroniken S. 87. lm Jahre 1766 wurde der zweite Teil des Oberneustädter Kirchendachs mit einem Kostenaufwand 
von 1864 Talern mit Kupfer gedeckt. Notiz aus einer unsignierten Akte. Staatsarchiv Marburg. 
5 Losch, Chroniken S. 87. 
7 Losch, Chroniken S. 128. 
' Fiirstl. Geburtskassen-Rechnung von 1804. Staatsarchiv Marburg. 
' Stadtarchiv Cassel M. 338. Heussner, Colonie Cassel S. IQ. Bach, Kirchenstatistik S. 50. 
" Bach, Kirchenstatistik S. 50. 
" Hochhuth, Statistik S. 43. 
" Heussner, Colonie Cassel S. 17. 
 
Bau- und Knnstdenkrnäler im Regicrungsbezirk Cassel. VI. Cassel-Sladl. 27
	        

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