Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

-richtung der Freiheit durch Zufüllung gewonnen wurde. 
Sie entstand auf dem Gelände, das ehemals vom Graben der Altstadt eingenommen war und nach Er- 
Die Stelle des Baues ist daher zu suchen in dem jetzigen 
Häuserviertel zwischen den Straßen im Weißenhof und Judenbrunnen einerseits, sowie der Wildemannsgasse 
und der Straße Hinter dem Weißen Hof andrerseits, wo sich die wenigen Reste auch noch findenß 
Zuverlässige Abbildungen des Bauwerkes sind nicht überkommen. Aus Müllers Stadtplänen' ergibt 
sich so viel, daß die Kirche einen hohen Turm nicht besessen haben kann. Während der Plan von 1548 eine 
mit einem Kreuz geschmückte Spitze bringt, ist auf dem Plan von 1547 dieser Helm so nebensächlich behandelt, 
daß er kaum noch als Dachreiter anzusprechen ist. Beide Pläne bestätigen die Lage der Kirche neben bezw. 
hinter dem Weißen Hofe. Bei der späten Entstehungszeit und der geringen Bedeutung des Konventes wird 
man als Form des Gotteshauses am ersten eine einfache Saalanlage anzunehmen haben. 
I Ebenso spärlich wie die Nachrichten über den Bau des Gotteshauses sind die Mitteilungen über die 
innere Ausstattung, die sich wohl nie durch Reichtum auszeichnete. Der St. Georgsaltar im Chor der Kirche, 
offenbar der Hauptaltar, wird 1484 erwähntß Eine Begabung des Allerheiligenaltars findet sich 1505 vermerkt} 
Das 1527 bei lnventarisation der Klostergüter aufgestellte Verzeichnis der Kleinodien führt auf „1 Kelch, 1 graue 
Samtkasel, 1 weiße damastene Kasel, 1 blau damastene Kasel, 1' rote seidene Chorkappe mit 2 Röcken, 
1 seidene Kasel von Stotterjohannüb 
Bei Einführung der Reformation verlor die Kirche ihre Bestimmung als Gotteshaus. Noch zur Zeit, 
als die Kugelherren den Weißen Hohbewohnten, ließ Philipp der Großmütige den Bau als Zeughaus einrichten. 
So legte derLandgraf1526 den Brüdern currus et bombardos cum multis carrucis et therissuis ins Haus. 
Auch klagten die geistlichen Herren darüber, daß sie gezwungen wurden, einen Bären und zwei Jagdhunde zu atzenß 
Das Artillerieinventarium Philipps vom Jahre 1544 führt Steinkugeln im Weißen Hofe auf. „Siben große 
thrulwagen, daruf man das gros geschutz furet", standen um diese Zeit in der Kirche, in der auch eine alte 
Sturmleiter vorgefunden wurde.7 Als Zeughaus scheint das Gebäude gedient zu haben bis zu der Zeit, wo 
Moritz den Hof öffnen und die Kirche abbrechen ließ, um das gesamte Gelände als Bauplätze zu verkaufenß 
Als Reste des Gotteshauses haben die beiden unten stehenden Reliefs zu gelten, von denen das erste 
in der Rückwand des Hauses am Judenbrunnen No. 14., das zweite an der Frontmauer des Hauses Wilde- 
mannsgasse "No.-w angebracht ist. Ein drittes Bildwerk soll vom Dechanten Hahne erworben und von diesem 
mit nach Fulda genommen sein." 
Tore. 
Tafel 7. 
Talel 4 1 
' Die ungefähre Lage gibt der Entwurf einer Urkunde vom 27. Januar 1608 (Onsrepositur Cassel, Staatsarchiv Marburg) an die 
Hand, kraft deren Landgraf Moritz durch seine Beamten in Caßel „ein Bäulein im Weißenhof obig der Kirchen, beneben einem, Stück 
Platzes von einer Baustätte, darauf berührte Kirche gestanden, bis an die Giebel an Hans Schenken Behausung stoßend, dem Johannes 
Rodingus verkaufen läßt; dies sowohl als auch die Stätte, was die Linie von seinem neuangebauten Stüblein bis auf das Eck obberührten 
Bäuleins ausweist". Der Verkauf der obigen und noch anderer Grundstücke im Weißen Hofe hängt fraglos mit dem Straßendurchbruche 
zusammen, den der Landgraf im nämlichen Jahre dort vornehmen ließ, um den Zeughausplatz mit dem Brink zu verbinden. Dieser neue 
Verbindungsweg wurde die Weiße Gasse genannt. Nun geht aus den Häuserverzeichnissen von 1605 und 1623 hervor, daß Hans Schenk 
in der kleinen Herrengasse (Judenbrunnen) in dem Häuserviertel nach dem Weißen Hof hin sein Haus hatte, und ebenso 1628 eines in der 
Weißen Gasse besaß, das er erst nach 1610 baute. Johannes Rodingus" Haus ist 1623 in der Weißen Gasse gelegen und dürfte das Haus 
No. 2 sein. Auch Hans Schenks Besitzung ging durch die Weiße Gasse. Die Grenze zwischen der Altstadt und der Freiheit aber verläuft 
zwischen den Häusern No. 40 und 42 der Wildemannsgasse. Da nun der Weiße Hof zur Freiheit gehörte, die Kugelherren auch wegen 
ihres Gottesdienstes sich mit dem Martinsstift abfanden, nicht aber mit dem Kloster Ahnaberg, dem die Altstädter Kirche unterstand, so muß 
ihre Kapelle in dem Teile des Häuserviertels gesucht werden, der nicht zur Altstädter Gemeinde gehört. (Brunnen) 
2 Stadtpläne v. Müller 1547 u. 1548. ' 
3 Schultze, Klöster Urk. No. 1218. 
4 Schnitze, Klöster Urk. No. 1230. 
5 Schultze, Klöster Urk. No. 1286. 
6 Gerland, Kugelherren. 
7 Schwanck, Jnventarium S. 35 f., 50 u. 55. 
3 Ortsrepositur Cassel, Staatsarchiv Marburg. Rommel, Gesch. v. Hessen Vl S. 414 Anm. 
"' Nebelthau, Denkwürdigkeiten ll S. 101. 
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