Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

 
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Gebäude. 
 
 
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Tafel 4, 5, 7-9, 
12, 18 
Nach der Reformation erhielten die Stiftsgebäude eine andere Bestimmung. Durch Landgraf Philipp 
wurden sie 1539 der Casseler Stadtschule, dem sogenannten Pädagogium, als Unterrichtsräume wie als Woh- 
nungen für die Lehrer überwiesen und dienten lange Zeit diesem Zwecke} lm Jahre 1776 war der bauliche 
Zustand des Nordflügels bedenklich geworden. Die Stützen, mit denen der Bauteil unterfangen war, hatten 
sich, wie es in einem Berichte an den Landgrafen heißt, durchgebogen. Nach dem Gutachten von Sachver- 
ständigen mußte „wenigstens die ganze Seite, so sie in die Hohethorstraße geht, abgebrochen werden". Die 
Lehrer, die hier wohnten, hatten sich zur Sicherung ihres Lebens in der Stadt eingemietet. Der ganze Nord- 
flügel wurde abgebrochen, aber es ergab sich der Mißstand, daß aus den beiden Flügeln, die stehen blieben, 
alles gestohlen wurde. Daher verfügte der Landgraf 1777, daß auch der Rest der ehemaligen Stiftungsgebäude 
niedergelegt werden sollte." Ein Neubau an dieser Stelle erfolgte nicht. Nach einem Kostenanschlag des 
Stadtbaumeisters vom Jahre 1782 befanden sich an der Kirche, „wo die Schule gestanden, 2 Bogen; solche 
müssen zugemauert werden, auch 2 Pfeiler wären abzuspitzen und das Fehlende daran zuzumauern". Einige 
Reste des Kreuzganges sind nach Münden gekommen, wo sie beim Bau der Hagelfabrik von Haendler und 
Natermann und beim Ausbau der Tillyschanze Verwendung gefunden haben} Der Platz selbst, auf dem 
die Stiftsgebäude gestanden hatten, wurde wie auch das anschließende Gelände auf der ganzen Nordseite der 
Kirche 1834 mit einer eisernen Einfriedigung umgeben und mit Linden bepflanzt} Genauere Angaben über 
das Aussehen der Baulichkeiten fehlen. 
Nach der Beschreibung Engelhardsö und Webersö zogen sich, wie auch die Spuren am Gotteshause 
und die älteren Stadtplänei erkennen lassen, die Stiftsgebäude, die aus drei Flügeln bestanden, in Form eines 
verschobenen Rechteckes auf der Nordseite der Kirche von dem unvollendeten Turme schräg nach der Hohen- 
thorstraße hin, liefen dann mit den Häusern dieser Straße parallel in einer Flucht fort und lehnten sich wieder- 
um schräg an die Kirche an. Die Ost- und Westseite war je 47, die Nordseite 70 Fuß lang, der nördliche 
und westliche Flügel je 18, der östliche 32 Fuß tief. „Auf einem massiven Unterbau, nach Rechnungen des 
St. Martinstiftes vor und nach dem Jahr 1433 aufgeführt, erhob sich ein wohl später (wahrscheinlich von 
Landgraf Philipp) errichtetes Stockwerk von Holz . . .8 Diesen Kreuzgang ließ Landgraf Philipp so einrichten, 
daß darin drei ,gemauerte, gewölbte, große auditoria' angebracht waren, und die drei angestellten Lehrer ihre 
Wohnungen erhielten, indem der erste jeder Zeit den östlichen Flügel bewohnte, wo auch der Haupteingang 
war, und die anderen beiden den westlichen Flügel, wozu ein besonderer Eingang führte, so daß nur der 
mittlere Teil des Gebäudes damals für die Lehrzimmer bestimmt gewesen zu sein scheint". 
Auch die spärlichen in Münden sich findenden Reste reichen nicht aus, ein Bild der verschwundenen 
Anlage zu geben. Die in der Basteimauer der Tillyschanze eingemauerten Maßwerksteine lassen nur so viel 
erkennen, daß sie zu spätgotischen Fenstern, unter denen sich auch ein dreiteiliges feststellen läßt, gehört haben 
müssen. In dem „gotischen Gebäude" der Hagelfabrik von Haendler und Natermann befinden sich auf der 
l Schmincke, Cassel S. 389 f. 
2 Akte, die abgebrochenen Schulgebäude alhier und die Errichtung des neuen Schulhauses betr. Staatsarchiv Marburg. 
' Tillyschanze S. 5: „Das im Gemäuer der Bastei (der Tillyschanze) eingebaute Steinmaßwerk stammt von dem abgebrochenen 
Kreuzgang der St. Martinskirche in Kassel. Der 1871 verstorbene Fabrikant August Natermann kaufte von dem Maßwerk s. Z. größere 
Posten; ein Teil davon wurde zu dem gotischen Gebäude der Hagelfabrik verwandt, der für die Fraasburg (eine 1841 erbaute künstliche 
Burgruine im ,Vogelsang') blieb jedoch unbenutzt in der Rotunde am Oberen Tor liegen und gelangte durch Überweisung in unsern Besitz". 
Fischer, Kunstdenkmäler l S. 22: „Die Warttürme. . . . Zwei derselben sind von der Firma Haendler und Natermann erhöht und zu 
Schrotgießereien eingerichtet. Auch das an den südwestlichen Turm eingebaute gotische Fabrikgebäude, dessen Türgewände und Sandstein- 
maßwerk zum Teil von dem abgebrochenen Kreuzgang der St. Martinskirche in Kassel herrührt, dient gleichem Zwecke". Dersch, Kloster- 
buch S. 15. 
4 Hochhuth, Statistik S. 12. 
5 Erdbeschreibung l S. 123. 
' Gelehrtenschule S. 48. Daselbst Lageplan aus dem Jahre 1744. 
7 Stadtplan v. Müller 1547 u. 1548. Stadtplan v. Merian 1646. Stadtplan v. Wessel 1673. Stadtplan v. Roth 1736. Stadtplan 
v. Leopold 1757. Stadtplan v. Wasserhuhn 1766. 
a Bei Merian, wohl ungenau, mit massivem Obergeschoß gezeichnet. 
 
 
 
 
 
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