Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

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Gebäude. 
Balustrade umgab. An der Südseite dieser aus viereckigen Traillen zusammengesetzten Brüstung hatte man 
zur dankbaren Erinnerung an die Hauptförderer des Baues die Wappen des Landesherrn und der Stadt an- 
gebracht. Eine zweite Galerie mit runden Docken umzog das etwas zurückspringende Obergeschoß, ein drittes 
Geländer aus Eisenstäben das Hauptgesims, über dem der geschweifte, mit einer Doppelreihe von Dachluken 
und einer ansehnlichen Spitze versehene Schieferhelm ansetzte. Entwässert wurden diese oberen, auf den stark 
vorspringenden Gesimsen ruhenden Umgänge durch Wasserspeier in Form von Tierköpfen, die an jeder der 
acht Ecken angebracht waren. Die Seitenfelder der massiven Oktogonen besaßen Rundbogenöifnungen, die im 
Obergeschoß vorspringende Quadereinfassung zeigten, im Untergeschoß nischenartig zurücksprangen und in den 
orientierten Feldern die Zifferblätter der Uhr aufnahmen. 
Den 7,80 m im Lichten langen, 6,60 m breiten Turmzwischenbau, der sich nach dem Kircheninnern 
Tafel 109,10 in einem reich profilierten Spitzbogen öffnet, überdeckt ein üppiges, auf Eckdiensten ruhendes und mit Rosetten- 
Tafel 121.1 tellern geschmücktes Sterngewölbe, das nicht ganz die Höhe des Mittelschiifes erreicht. Auch in der Firsthöhe 
bleibt der mit der westlichen Turmflucht bündig liegende Bauteil hinter dem mit der Ostflucht der Türme ab- 
Md 110.5 u- 116 schneidenden Dache des Langhauses zurück. Die stark restaurierte Westwand besitzt ein tiefleibiges spitz- 
Tafel 109.1 bogiges Doppelportal mit fialenbesetztem, krabben- und kreuzblumengeschmücktem Kielbogenabschluß. Ein 
breites Spitzbogenfenster mit erneuertem Maßwerk in der Oberwand muß einst die Vorhalle, die jetzt der Orgel- 
boden in zwei Geschosse teilt, reichlich beleuchtet haben. Reizvoll ist die Teilung des Giebels durch eine 
schlanke kehlprofllierte Nische, deren Spitzbogen von einem Kleeblattbogenfries filigranartig begleitet wird und 
deren rundbogige Mittelöffnung die gleiche Verzierung in einfacherer Ausführung wiederholt. Krabben und Fialen 
bilden die geläufige Randeinfassung des Feldes, dessen Zwickel zwei speiende Ungeheuer entwässern. 
Tafel 109.1 u. a 
110,1 u. 2 u. 115 
Tafel 122,5 u. ': 
Tafel 122,2 u. 4 
Tafel 1223,10 u.u 
Die im Zusammenhang mit der Kirche erbaute Sakristei füllt den Winkel zwischen Nordwand des 
westlichen Chorioches und Ostwand des nördlichen Seitenschiifes aus. Den rechteckigen, im Lichten 5,40 m 
langen, 4,50 m breiten und 5,30 m hohen Raum deckt ein aus Dreiecksfiguren zusammengesetztes Gewölbe, 
dessen kehlprofilierte Spitzbogenrippen an der Südwand auf laubgeschmückten Konsolen, an der Nordwand auf 
Diensten mit ebensolchen Kapitellen aufsitzen und auf den Schlußsteinen die Taube, das Lamm Gottes und einen 
Christuskopf zeigen. Die Veranlassung zu der bei Sakristeien nicht ungewöhnlichen Grundrißentwicklung des 
Gewölbes, das noch in der Mitte der Westwand einen Anfallspunkt in Form eines Dienstes besitzt, war zweifel- 
los die Durchbrechung der Ostwand durch einen spitzbogigen Gurt zwecks Anlage einer in Form eines Drei- 
eckes vortretendeu, ebenfalls gewölbten kleinen Außennische. ln den Profilen schließen sich die mit beschei- 
denem Maßwerk versehenen beiden Spitzbogenfenster dieses mit einer Eckstrebe versehenen Erkers den 
Gewänden des Schiffes an. 
Noch ein zweites Geschoß besitzt der Sakristeianbau, dessen gequaderte Außenwände so hoch hinauf- 
greifen, daß ihr Schleppdach die Verlängerung des Chordaches bildet. Auch diesen Raum, der ältere niedrige 
Schildbogenanschlüsse zeigt, deckt ein Gewölbe, dessen kehlprofilierte Rippen aber weder auf Diensten aufsitzen, 
noch die kunstreiche Figur des unteren Raumes wiederholen, vielmehr der Form des Kreuzgewölbes in der 
Weise folgen, daß der Schlußstein durch einen längeren Rippenstreifen ersetzt ist. Beleuchtet wurde der Raum. 
der ietzt in der Ostwand eine kleine rechteckige Öffnung besitzt, ursprünglich durch ein nur noch in Resten 
festzustellendes Spitzbogenfenster in der Nordwand. Auch wenn die Nischen in den Wänden nicht vorhanden 
wären, kann das gesicherte Gelaß, das der Aufbewahrung der Kostbarkeiten diente, nur als die bei einer 
Stiftskirche kaum zu entbehrende Gerkammer, als das in den Akten genannte Gerbehaus angesprochen werden. 
Für die Zugänglichkeit des nachträglich aufgebrachten Geschosses sorgte eine im nördlichen Seitenschiff unter- 
gebrachte Treppe, deren oberste Wendelstufe noch in der Türnische dert Schatzkammer sich feststellen läßt. 
Sicher mit diesem sonst verschwundenen Einbau in Zusammenhang zu bringen ist der Abbruch des Eckdienstes 
in der Nordabseite, welcher der künstlerischen Endigung entbehrt. Den früher ebenfalls vom nördlichen Seiten- 
schiff aus zugänglichen Dachboden erleuchtet in der Ostwand ein offenes zweiteiliges Maßwerkfenster. 
 
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