Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

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Gebäude. 
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Tafel 121,2 
Tafel 109,5 
Tafel 4110,5, 16 
u. 117 
der Strebepfeiler selbst blindes Maßwerk erhielt. Auch die Nordfront besitzt im zweitöstlichen Joche eine be- 
scheidene, in der Umrahmung erneuerte Spitzbogentür, neben der sich ein nachträglich eingebrochenes, dann 
wieder vermauertes rechteckiges Fenster mit geraden Gewänden findet. Auf den ehemaligen Anschluß der spät- 
gotischen Stiftsgebäude deutet im westlich benachbarten fensterlosen und gesimsfreien Joch ein rundbogiger 
3,70 m hoher, 2,50 m breiter, jetzt zugesetzter Durchgang mit Kantenfase hin, über dem sich eine kleinere, 
ebenfalls vermauerte Rundbogentür sowie der Ansatz des steilen, die Höhe der Strebepfeiler erreichenden 
Dachespfeststellen läßt. Den schiefergedeckten mit einer Doppelreihe von Luken besetzten Dachstuhl krönt am 
Ostende des Langhauses ein schlanker sechsseitiger Dachreiter. 
Der um zwei Stufen erhöhte Chor bildet bei gleicher Breite und Höhe die einheitliche Fortsetzung des 
Mittelschiffes, so zwar, daß das aus fünf Seiten des Achteckes gebildete, mit reichem Sterngewölbe überdeckte 
Schlußpolygon sich an ein rechteckiges, mit netzartigem Kreuzgewölbe abgeschlossenes Zwischenjoch anlehnt. 
Durch Verzierung der Schnittpunkte der Rippen nicht mit Schlußsteinen, sondern mit freiaufliegenden, auf 
Wolkensäumen schwebenden Relieffiguren ist der Bedeutung des Hauptaltarraumes Rechnung getragen. Als 
Vorwurf für die Darstellung hat das jüngste Gericht gedient, das mangels des Triumphbogens an der auch vom 
Gemeindehause aus sichtbaren Chordecke eine zwar des bildmäßigen Zusammenhanges entbehrende, aber in 
den hergebrachten Typen vortrefflich gelungene eigenartige Wiedergabe gefunden hat. Die Mitte des Polygon- 
gewölbes nimmt der thronende Christus ein, die Hände mit den Wundmalen erhebend und am Munde Lilienstab 
und Schwert, die Zeichen seines Richteramtes, aufweisend. Umgeben wird der in voller Figur dargestellte 
Salvator von den Brustbildern der Apostel, die mit Büchern und ihren Sonderkennzeichen versehen, zumeist 
als bärtige Gestalten um den Meister gruppiert sind, wie es die Ordnung wollte: zu Häupten Petrus mit dem 
Schlüssel, seitlich und zu den Füßen des Heilandes im Doppelkranze des Apostelfürsten Bruder Andreas mit 
dem Schrägbalkenkreuz, Jakobus der Ältere mit der Muschel der Compostellapilger, der jugendliche Johannes, 
des Jakobus Bruder, mit Kelch und Giftschlange, Philippus mit Doppelkreuz, Bartholomäus mit Messer, Thomas 
mit Lanze, Jakobus der Jüngere mit dem Geigenbogen, Matthäus mit Schwert, Simon mit Säge, Judas Thaddäus 
mit Keule und Matthias mit Beil. Paulus mit Schwert und Buch hat über Petrus seinen Platz gefunden auf 
dem nächstgelegenen Rippenschnittpunkt des Rechteckjoches, dessen westlichen Knotenpunkt ein posaunen- 
blasender Engel einnimmt. Zwei weitere Engel mit den Wappen der Stifter sind auf dem Scheidebogen zwischen 
Chor und Langhaus angebracht, während auf dem Gurtbogen zwischen den beiden Chorfeldern, also noch recht 
inmitten der Komposition, die nicht zu entbehrenden Fürbitter, die knieenden Gestalten Marias und Johannes 
des Täufers, sich finden, den benachbarten Weltenrichter zur Deesis ergänzend. 
Die Architektur des Chores ist die gleiche wie die des Mittelschiffes, mit der sie in Zusammenhang 
ausgeführt wurde. Die Wanddienste, in den Kapitellen etwas strenger gehalten, wiederholen die Bündelpfeiler- 
vorlagen. Als Ergebnis einer unwesentlichen Planänderung in der Profilierung der Gurte ist beim Gewölbe- 
anfänger der Südwand die Einlage eines Verjüngungsgliedes anzusprechen, das durch ein krauses Blätterbüschel 
die einfache Kehlrippe in die reichere Wulstrippe überführt. Dasselbe krause Blattwerk faßt den offenen Schluß- 
ring des westlichen Chorgewölbes ein, der noch heute als Durchlaß des Leuchterseiles dient. lm Äußeren 
zeichnet sich der Chor vor dem in Bruchsteinmauerwerk errichteten Schiff durch Quaderverblendung aus. Die 
bis zum Hauptgesims hinaufragenden Strebepfeiler sind, dem fallenden Gelände entsprechend, um einen Absatz 
gewachsen. Die ebenfalls verlängerten Fenster besitzen, wie die Lichtöffnungen des Schiffes, dreiteiliges Maß- 
werk bis auf das Südfenster des Westjoches, das wegen des hier angeordneten, zum Dachboden führenden 
Treppenturmes zweiteilig ausgefallen ist. Die Tür zu diesem Treppenturm, eine rechteckige Öffnung mit fein- 
profilierter Sandsteinumrahmung, ist, wenn auch zum Teil verdeckt, wohlerhalten, während der gegenüber- 
liegende Zugang zur Sakristei in der gotischen Form untergegangen ist. 
Bei den durch eine Zwischenhalle verbundenen Westtürmen, welche die Flucht des Langhauses nur un- 
merklich überragen, macht sich der Umfang des ersten Bauabschnittes durch das unregelmäßige Bruchstein- 
mauerwerk bemerkbar, das etwa bis zur Traufhöhe des Schiffes hinaufreicht. Im Grundriß gleichartig geplant 
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