Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

verlag überwies. Den Wallfahrern wurden Zeichen, aus Zinn gegossen, überreicht, auf welchen sich das Bild 
des heil. Martin befand. Es scheint, daß dieses Bild zeitweise oder für Liebhaber auch bunt bemalt warl. 
Begutachter der vorzunehmenden Bauarbeiten war der Steinmetzmeister Hans Ostirrich oder de Ostirriche. 
Er war von 1431 an tätig und erhielt öfters eine besondere Vergütung", er erscheint später neben dem Meister 
Henrich als Leiter der Steinhauerarbeiten s. Meister Johann Zierenberg richtete mit andern Zimmerleuten das 
Scherwerk und den Keifer, die Rolle zum Heraufwinden des Materials. Auch wurde der Turm mit Dielen 
bekleidet, wobei der Zimmermeister Heinrich Goldener oder Guldener als Werkmeister oder Leiter der Zimmer- 
arbeiten erscheintt. Die Hausteine kamen aus Wolfsanger und von Rengershausen, aus dem Wolfskoben. 
In Vorbereitung der umfangreichen bevorstehenden Bauarbeiten hatte man ein besonderes „Bickhaus" 
errichtet, ein Vorratshaus für die Werkzeuge zum Bau 5. Gleichzeitig wurde das Gerbehaus erhöhtß. Es 
kann kaum zweifelhaft sein, daß zu diesem Erweiterungsbau, der für die Aufbewahrung der Pretiosen bestimmt 
war, die Neuerwerbung der Kreuzpartikel den Anlaß gegeben hatte. Am 15. Juni hob man den Bau 7, der 
den Schmuck einer Blume, wohl einer mittlerweile verschwundenen Kreuzblume, erhieltß. Die Dachdecker- 
arbeiten wurden am 24. Juni vergeben, so daß die Bauleute, die am 17. Juli einen Trunk bewilligt bekamen 9, 
am 25. August den Bau als vollendet übergeben konnten. 
1431 wurde der Chor gekleibt und eine neue Tür bei dem neuen Windelstein, der steinernen Wendel- 
treppe, zu wölben beabsichtigt"). 
Das Jahr 1432 scheint mit vorbereitenden Steinhauerarbeiten hingegangen zu sein. 
1433 und die darauffolgenden Jahre hatten die Werkleute mit dem Aufrichten der Pfeiler zu tun, an 
deren Kapitellen bis 1435 sich Arbeiten nachweisen lassen". 
Der Chor wurde mit Schiefer gedeckt und erhielt einen Zugang, eine Türe", die 1435 oder das Jahr 
danach mit einem Schloß versehen und mit Löwenköpfen verziert wurdela. Die Erwähnung einer im Chore 
angebrachten Brücke 14 legt die Vermutung nahe, daß es sich hierbei um die Verbindung von Chor und Kirchen- 
schiff handelte. Auch das Mittelportal wurde damals errichtetlä. 
1 OfT. fabr.: item Velhabbern 1 gulden vor czeichen czu gyßen. (1433134): item Velhabbern 11h glden vor tzehen Czinn) zu 
tzeychin; item 31 sol. dem selbin, sendte Mertin zu molen; item Lodewig Mundeman zu Lohne, daß er die Zeichen verkaufte (1434, Mai 21.) 
2 OH. fabr.: item 12 beh. meistir Hanße Ostirriche geschenket den buwe zu besehende. -- Am 20. Juli werden ihm und seinem 
Gesellen ö Böhmen geschenkt; zum 25. August heißt es: item magistro Johanni de Ostirrich lapicide 2 grossos bohemicales. 
3 Die Namen der Gesellen sind damals: Typel, Hans Rost von Worms, Merkelin, Ludewig von dem Zierenberg, Henne Firslar, 
Henrich von Hildesheim, Nicolaus aus Ungarn. ' - 
4 Es ist dies derselbe Ludwig Guldner, der als Leiter der landgräflichen Bauten, z. B. zu Veckerhagen, im Jahre 1430 wiederholt 
genannt wird. Vergl. Küch, Ludwig I.. in Register unter Guldner. 
5 OfI. fabr.: item vor eynen slußels zu dem bickehuß 8 muschen (1431, Aug. 10). 
' Landau, Ansichten, S. 4,',hält irrtümlich das Gerbehaus für einen isoliert stehenden Bau. Nach ihm wurde der Bau 1517 abgerissen, um 
dem in dieser Zeit errichteten Kapitelsaal Platz zu machen. In Wirklichkeit fiel nur eine Wand der Sakristei, die mit dem Gerbehaus gleichbedeutend 
ist und sich unmittelbar an die Kirche anlehnte. Hochhuth, Statistik, S. 12, der vieles durcheinander wirft, hat den Irrtum von Landau übernommen. 
7 Ofi. fabr.: dar man den hamer abe machte ztu hebende daz holczwerg. t 
5 Oii.-fabr.: item dar man machte eynen steynlyn zu der blumen uif deme gerbehuß. 
9 Baurechnung v. 17. Juli 1431: item ipso die b. Alexii was daz gerbehuß beredit mit namen daz steynwerg, des schenkende 
sente Mertin den wergmeistern eyn zceche u. s. w. 
1" OH. fabr.: item Ludewige Glodenere (verschrieben für Goldenere) vor daz bogengestelle under dy nuwen töre by dem nuwen 
windelsteine 30 sol. 
u Ofi. fabr.: item Eßekuchen 14 sol. für 4 fuder Steins von Wolfsanger, „die quamen den fullemant (Vollmond), du men die 
philer bestund czu graben," (1433, Mai 7). - item den steynmecczen, als sii den philer ufI ein nuwes machten (Juli 11). - item Johanne, 
dcir die dy capitel hip in dij philer 9 tage (Nov. 21). - item sabbato proximo post Lucie (Dez. 19) meister Henrichen dem steynmeczen 
2 gulden vor sinen rock geschencked. item eodem die 1 gulden von den philern, item (1434, Sept. 11) den steinmeczen die dii capitel hiben. 
- In der 1435er Rechnung heißt es: nota: meister Henrich der Steynmecze und meister Johan für des gedingges von den pylem un alle 
beczalet unde sin en von des gedingges wein (wegen) an gelde noeme schuldig. ' 
" 01T. fabr.: item meister Henrichen dem steynmeczen, als her steyne bracht usdem Wolfskoben zu der kortore. 
" Vier Pfund erhält der Kleinschmied am 7. März 1436 für das Schloß und „leben koep". Rechnung des Bauamts. 
1' 1436: item Henzen Joseph 18 sol., dasz her dii brugken machede in dem kore. 
" 1435, Juli 23: item den knechten, als sie gruben daz mittel und ltortore; - item meister Henrich und sin twen sallen . . als 
sich den grunt murten dor selbis. ' 
QQE 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.