Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 1 (6)

Gebäude. 
 
so, und die Angabe wird sich wahrscheinlich nur auf die Fertigstellung des Chores beziehen. Die Haupttürme 
waren erst bis zur Dachhöhe gebracht. Auch mochte am inneren Ausbau noch manches fehlen. Jedenfalls 
zogen sich die Arbeiten noch jahrelang hin. 1367 gewährte der Mainzer Weihbischof frater Albertus de 
Bychelingen, indem er gleichzeitig die Weihe der Altäre vornahm, einen Ablaß für Bau und Ausstattung der 
Kirche, als deren Hauptpatrone der hl. Martin und die hl. Elisabeth genannt werden 1. Die feierliche Ein- 
weihung der Kirche fand zwei Monate später, am Sonntage Vocem jocunditatis, den 23. Mai, 1367 statt '. 
Um das Jahr 1380 lassen sich Arbeiten am Chore feststellen. Ob es sich um Gerüste für Steinmetzen 
oder Maler oder um die Errichtung des Dachstuhles oder schließlich um die Beschaffung des Gestühles handelt 
ist nicht ersichtlich, da die Baurechnung nur von „Holzschneidern" sprichtß. Möglich ist, daß der von Papst 
Urban V1. im Jahre 1381 erteilte Ablaß die hauptsächlichsten Mittel liefertef, ebenso wie die Schenkung des 
Pfarrers Konrad Bodenreif, infolge deren derselbe ein Gut nebst Zehnten zu lhringshausen bei Cassel zum 
Bau der Martinskirche übergab 5. 1383 müßte der Chor in Benutzung gewesen sein, wenn wir einem Excerpt 
Landausß: „acta sunt hec Cassele in choro ecclesie sancti Martini", Glauben schenken dürfen, das er ohne 
Angabe der Quelle wiedergibt. 1387 wird auch das dem Chor nordwärts angebaute Armarium oder die 
Sakristei genannt". Im Allgemeinen waren die unruhigen Zeiten Landgraf Hermanns, besonders die 70er und 
80er Jahre des 14. Jahrhunderts der Entfaltung künstlerischer Tätigkeit wenig günstig. Eine erhöhte Bau- 
tätigkeit macht sich erst wieder mit dem Ende des Jahrhunderts bemerklich. Die mit dem Jahre 1398 ein- 
setzende regelmäßige Rechnungsführungs ermöglicht es, wenn auch zunächst nur unvollkommen, das Fort- 
schreiten des Kirchenbaues zu verfolgen. Es ist sehr wohl denkbar, ja wahrscheinlich, daß die Verehrung, 
welche dem zwar schon 1382 vorhandenen 9, doch erst am 30. März 1397 durch den Vikar des Weihbischofs 
von Mainz, den Bischof Heinrich von Tauris, geweihten Bilde der heiligen Gottesmutter mit dem Kinde und 
den darin eingeschlossenen Heiligenreliquien dargebracht wurde, die Weiterführung der Bauten ermöglichte. 
Das Bild erhielt einmal bei der Weihe, und dann nochmals drei Jahre später, am 31. Mai 1400 von dem ge- 
nannten Bischof den üblichen kleinen Ablaß". Seitdem wurde ein Opferstock vor dem Bilde aufgestellt. 
1399 waren die Steinmetzen das ganze Jahr hindurch tätig bis zum 18. Oktober. „Da (auf St. Lukas- 
tag) horte men uff des murens, wante die leste wochen murte Hildebold alleyne und machte die mure oben 
glich. Darumme hatte men nicht wan drye knechte in der wochin"". Die letzte Arbeit des Jahres war der 
Verstrich des Turmes mit Putz". 
1 Kuchenbecker, Anal. Hass. V, S. 37 ff. 
' Landau, Ansichten, S. 3. 
' Rechnung der Stiftskämmerei (Ofücium camerae) Staatsachiv Marburg: item solvi secatoribus lignorum ad chorum. Das genaue 
Jahr steht nicht fest. 
' Über diese Ablaßerteilung findet sich eine Nachricht in Schminckes Kollektaneen zur Geschichte des Martinsstifts, Mss. Hass. 
2" 107. Landesbibliothek Cassel. 
' Kuchenbecker, Anal. Hass. V., S. 10, Anm. i. - Die Wiedergabe der Urkunde, laut deren die Äbtissin und der Konvent des 
Klosters Kaufungen die Schenkung des Pfarrers bestätigen, ist allerdings außerordentlich mangelhaft. 
' Landau, Kollektaneen. Landesbibliothek Cassel. 
' „Computavimus in armario". Rechnung der Stiftskämmerei. Staatsarchiv Marburg. 1388 heißt es in dem Registrum oblationem, 
ebenda: „item 4 sol. dominis celebrantibus capitulum in armario". 
s Die erste vorhandene Baurechnung des Stifts von 1899, Staatsarchiv Marburg, O. St. S. 5775, schließt mit den Worten: „item 
B0 sol. . . . ufT eyne rechenunge dominica judica me deus, et hic est finis secundi anni." Die Rechnung des Jahres 1400, welche als die 
des dritten Jahres bezeichnet wird, beginnt mit dem 29. April (z: quinta feria post quasimodo). 
9 Off. cam., exposita: „item una mulier mansit apud ymaginem in nocte penthecostes, cui dedi u. s. w." Ein anderes Bild war 
damals nicht vorhanden. 
1" Kuchenbecker, Anal. Hass. V, S. 62 f. - Über Wesen und Herkunft der dem Muttergottesbilde eingeschlossenen Reliquien 
sind wir leider nicht genauer unterrichtet, sie werden nur allgemein bezeichnet, standen aber wohl mit den Patronen in Zusammenhang. 
" Baurechnung; darin u. a. „dem Schmied auf eine Rechnung, da er ein ganz Jahr den Steinmetzen ihre Bicken geschärft und 
anders geschmiedet hat zu dem Baue". 
" ltem 8 sol. meister Albrachte Wegelappen zu lone und zu tranggelde eynen tag, da her den tom ubirzoch mit Kalke, in die 
Theonesti (z Okt. 80). Baurechnung. 
 

	        

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